Wenn der Chef eine Freundschaftsanfrage schickt

Wie man mit Anfragen auf Facebook und Co. umgehen sollte


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 28.08.2019

 

Social Media hat längst einen beachtlichen Teil unseres Lebens eingenommen und seine Bedeutung nimmt nicht nur im privaten Bereich sondern auch für Unternehmen immer weiter zu. Während das Privatleben den Chef noch vor zehn Jahren nichts anging und man Privates von Beruflichem strikt trennte, verschwimmen heute oft die Grenzen und es kommt vor, dass Personaler vor einer Neueinstellung gerne einmal das private Facebook- oder Instagramprofil eines Kandidaten checken. Natürlich kann man seine Einstellungen auf privat stellen und sein Leben nur noch mit seinen Freunden teilen. Aber was passiert, wenn der Chef persönlich an die Tür klopft – und auf die Freundesliste aufgenommen werden will?

 

Soll das der Chef wirklich sehen?

Es ist eine schwierige Situation: Man versteht sich vielleicht ganz gut mit dem Chef oder der Chefin, unterhält sich auch ab und an oberflächlich über private Angelegenheiten und ist sich sympathisch. So weit, so gut: Das Verhältnis ist entspannt und jeder geht seinen Aufgaben nach. Bis es kompliziert wird. Ohne dass man damit gerechnet hätte, erhält man eines Tages eine Benachrichtigung auf dem Handy. Dein Chef will mit dir befreundet sein.Viel Zeit zum Überlegen bleibt nicht, denn man sieht sich ja morgen schon wieder auf der Arbeit und möchte unangenehme Situationen so gut es geht vermeiden. 

Um dir die Entscheidung leichter zu machen, solltest du dir eine Frage stellen: Ist Facebook für mich eine rein private Angelegenheit? Denn wenn es so ist, dann steht die Antwort fast schon fest. Wer zu den aktiven Nutzern einer Social Media Plattform gehört, der postet in der Regel keinen Content, der auf seinen Arbeitgeber oder auf professionelle Kontakte abzielt, sondern auf seine Freunde und sein soziales Umfeld. Dazu gehören Partys und deren (nicht immer schöne) Folgen und dazu gehört der Urlaub im knappen Bikini auf Sardinien. Auch wenn der Chef damit grundsätzlich kein Problem hat, dann kann es spätestens zu schwierigen Situationen kommen, wenn man nach den Partyfotos um fünf Uhr morgens am Montag mit einer „Erkältung“ der Arbeit fernbleibt.

Dazu kommen die Geschichten, von denen jeder schon einmal gehört hat. Schlagwort: Ich melde mich für eine Woche krank und poste dann ein Urlaubsfoto nach dem anderen. Oder: Ich vergesse, dass meine Posts für meine Chefin sichtbar sind und beleidige sie oder die Firma. Beide Fälle werden in der Regel nicht mit Humor genommen und können zur Kündigung führen. 

 


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„Juhu, am Freitag ist Feiertag!“

Im Bewerbungsgespräch gibt es Fragen, die man (zurecht) aus rechtlichen Gründen nicht stellen darf. Dazu gehört beispielsweise die Frage nach der religiösen und politischen Meinung, in vielen Fällen auch die Frage nach Krankheiten oder nach der Familienplanung. Also Themen, die in der Berufswelt gerne umschifft werden, aber sich in vielen Facebook-Feeds häufen. Das sollte zwar in der Theorie keine Auswirkungen auf das Verhältnis mit dem Vorgesetzten haben – schließlich ist das ja Privatsache – allerdings sieht das in der Praxis oft ganz anders aus. So kann das harmlose „Juhu, Freitag ist Feiertag“ ganz schnell als fehlende Motivation interpretiert werden und fehlende Arbeitsmoral sieht nun mal kein Chef gerne. Natürlich werden die meisten Chefs bei solch zugegeben harmlosen Aussagen noch ein Auge zudrücken. Wahrscheinlich freuen sie sich selbst über den Feiertag.

Anders kann es aber bei ernsteren Themen wie Politik werden. Wenn der Arbeitgeber alle paar Tage eine Benachrichtigung von dir erhält, dass du ein Video gepostet hast, das seiner politischen Meinung vollkommen entgegensteht, dann kann das starke Auswirkungen auf euer Verhältnis haben. Noch schlimmer ist es natürlich – und das kann unter Umständen arbeitsrechtliche Konsequenzen haben – ist es, wenn man Inhalte teilt, die den Idealen des Unternehmens absolut nicht entsprechen. Dabei geht es beispielsweise um rechtsextreme Inhalte oder Beleidigungen. 

 

Ein solch schlechter Eindruck kann dazu führen, dass man bei der nächsten Beförderung übergangen wird, die Gehaltserhöhung ausbleibt oder man gar bei einem anstehenden Stellenabbau ganz oben auf der Liste landet. 

 

Hat man also das Gefühl, dass dem Chef nicht gefallen könnte, was man so auf seinen Social Media Kanälen von sich gibt, sollte man auf jeden Fall davon absehen, eine Freundschaftsanfrage anzunehmen oder gar selbst zu verschicken. Wer sich jedoch positiv darstellt und Wert darauf legt, auch auf privaten Kanälen mehr oder weniger professionell zu bleiben, der könnte sogar einen Vorteil davon haben, mit seinem Chef „befreundet“ zu sein. Genauso wie der schlechte Eindruck bleibt nämlich auch ein guter Eindruck im Unterbewusstsein des Vorgesetzten hängen und wer immer präsent bleibt, der wird auch weniger übersehen.

 

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Wenn es ernst wird: Wie reagiert man am besten?

Erstmal vorne weg: Eine Freundschaftsanfrage deines Chefs solltest du niemals ignorieren. Das zeugt von schlechten Manieren, Unentschlossenheit und Feigheit. Stattdessen stehen dir andere Optionen offen. Zuerst kannst du die Anfrage natürlich ablehnen. Das ist legitim und ein guter Chef wird das nachvollziehen können. Allerdings sollte dem immer eine Erklärung folgen. Am besten sprichst du deinen Vorgesetzten gleich am nächsten Tag oder per Nachricht darauf an und erklärst, dass du Facebook nur für private Zwecke nutzt und du dir wünschst, dass das auch so bleibt. Dabei solltest du darauf achten, dem Chef klar zu machen, dass du natürlich nichts gegen ihn persönlich hast und dich auch über die Anfrage gefreut hast. Das zeigt, dass du dir Gedanken gemacht hast.

Die zweite Möglichkeit ist es, dein Profil zu überprüfen und gegebenenfalls „cheftauglich“ anzupassen. Das heißt, dass bestimmt Inhalte gelöscht oder unzugänglich gemacht werden müssen und das kann viel Arbeit sein. Außerdem muss man natürlich auch in Zukunft darauf achten, dass nur positive Inhalte geteilt oder eben durch Privatsphäreeinstellungen vom Chef versteckt werden. Ob man sich wirklich so verbiegen möchte, sollte man sich gut überlegen. Denn den Chef irgendwann wieder von der Freundesliste zu löschen und zu hoffen, dass er es nicht bemerkt, ist genauso unangebracht wie seine Anfrage zu ignorieren. 


 

Die Alternative – Xing, LinkedIn und Co.

Wer seinem Chef keine harte Absage erteilen möchte, der kann einen Mittelweg gehen. Xing, LinkedIn oder ähnliche professionelle Netzwerke sind dafür perfekt geeignet und oftmals die bessere Wahl als Facebook oder Instagram. So wird der Chef nicht abgewiesen, sondern bekommt eine Alternative angeboten, die es ihm ermöglicht sein Gesicht zu wahren. Damit sollte jeder Vorgesetzter zufrieden sein. Niemand sollte sich genötigt fühlen, sein Privatleben so einzuschränken, dass es auch dem Chef gefällt.

 


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Social Media in der Kanzleiwelt

Dass die Juristenwelt allgemein recht konservativ ist, ist kein Geheimnis. Dementsprechend schwer tun sich Kanzleien auch dabei, eine Internetpräsenz auszubauen. Auch weil es noch vor einiger Zeit nicht erlaubt war, für eine Kanzlei aktiv zu werben, fehlt oftmals die Erfahrung und der Ansatz für einen erfolgreichen Social Media Auftritt. Auch Großkanzleien und kleine oder mittelständische Kanzleien haben laut der Studie einer Berliner Marketingfirma Probleme damit, sich optimal im Netz zu präsentieren. 

Heutzutage erschließen sich Kanzleien aber ganz neue Möglichkeiten, sich online zu vermarkten und auf sich aufmerksam zu machen. Instagram, Facebook und Co. Eignen sich in der Theorie sehr gut für Branding und eventuell auch zur Kundengewinnung. Allerdings bleiben viele Kanzleien lieber auf Nummer Sicher. Besonders kleinere Anwälte beschränken sich auf Xing und LinkedIn und schöpfen die Möglichkeiten anderer Netzwerke und Plattformen nicht zur Genüge aus. Viele fürchten durch einen Auftritt auf Kanälen, die ja zu einem großen Teil von sehr jungen Usern benutzt werden, unprofessionell zu wirken. Trotzdem ist der Trend zum Social Media Auftritt im Kommen. Immer mehr Anwälte trauen sich und legen sich ein Profil auf Instagram, Facebook oder gar Youtube an und stechen dadurch aus der Masse hervor. Die Entwicklungen sprechen dafür, dass sich dieser Trend durchsetzen könnte.


 

Social Media spielt in der Kanzleiwelt eine bedeutende Rolle und seine Wichtigkeit sollte nicht unterschätzt werden. Wer den Chef auf Xing und LinkedIn hinzufügt, der macht auf jeden Fall alles richtig. Ob der Vorgesetzte aber auf der Freundesliste von privaten Profilen gut aufgehoben ist, das muss im Einzelfall entschieden werden. Hier ist auf jeden Fall ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt.

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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