Weg mit den Spickzetteln!

Tipps für freies Vortragen


verfasst von Sonja Vass und veröffentlicht am 09.10.2019

 

Ein guter Redner beeindruckt Menschen und gerade als Jurist ist die Sprache ein wichtiges Handwerkszeug. Wohl ist nicht jeder der geborene Redner, mit nur etwas Mut und Kreativität lässt sich der freie Vortrag aber trainieren. Wir haben einige Tipps für dich, wie du deine rhetorischen Fähigkeiten und dein Auftreten trainieren kannst und auch noch Spaß dabei hast.

 

Fragen stellen ist ein guter Einstieg

In einer Lehrveranstaltung Fragen zu stellen zeugt nicht nur von Interesse am Fach, sondern ist auch für stille, introvertierte Menschen ein relativ leichter Einstieg in die große Herausforderung „sprechen in der Öffentlichkeit“. Also, das nächste Mal wenn du in einer Lehrveranstaltung etwas nicht verstehst, nicht schweigen, abwarten und alleine googeln, sondern gleich nachfragen.

 

Erlaube dir, unperfekt zu sein

Viele Menschen haben Angst davor, Fehler zu machen, negativ aufzufallen, sich zu blamieren. Eines muss dir klar sein: Fehler sind menschlich. Wir alle machen Fehler, immer wieder. Und es sind gerade die kleinen Unperfektheiten, die uns erst menschlich und damit sympathisch machen. Habe also keine Angst vor Fehlern, sondern überlege dir, wie du damit umgehst. Du stehst vor Publikum, hast ein paar Sätze gesagt und plötzlich hast du ein Blackout? Schweigen, Panik und Flucht sind eine schlechte Idee. Viel besser ist es, die Situation zu akzeptieren und so entspannt wie möglich damit umzugehen. Du kannst dich mit deinem „Problem“ ans Publikum wenden: „Sehen Sie, jetzt habe ich doch glatt vergessen was ich sagen wollte. Hat vielleicht zufällig jemand eine Frage, damit wir uns hier nicht schweigend anstarren müssen?“

Deine Zuhörer werden wahrscheinlich lachen, weil jeder diese Situation kennt, und du bist ein Mensch wie die anderen auch. Manche werden dich auch bewundern, weil du so locker mit deinen Patzern umgehst. Und einer stellt sicher eine Frage und füllt die Leere.

 


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Gesellschaftsspiele als Übungseinheit

Spontane Vorträge lassen sich gut in fröhlicher Runde in einem unterhaltsamen Gesellschaftsspiel üben. Ihr braucht dazu lediglich ein Lexikon, eine Stoppuhr und so viel Essen, Getränke und Knabbergebäck, damit es für einen gemütlichen Abend ausreicht. Wie geht das? Einer in der Runde schlägt das Lexikon mit geschlossenen Augen auf einer beliebigen Seite auf und tippt auf einen Begriff, ein anderer Mitspieler muss dazu spontan einige Minuten einen Vortrag halten. Wer an der Reihe ist könnt ihr zum Beispiel durch Würfeln bestimmen. Dabei ist es vollkommen egal ob ihr den Begriff kennt und Hintergrundwissen dazu habt oder nicht. Vorhandenes Fachwissen darf eingebaut werden, der Inhalt kann aber auch frei erfunden und völlig absurd sein. Es geht dabei lediglich um die freie Rede und natürlich den Spaß an der Sache.

Wenn ihr wollt könnt ihr natürlich einen Spieleinsatz festlegen, den jeder bezahlen muss, wenn er nicht mehr weiter weiß – einen Spielstein oder ein Keks in die Mitte legen, die nächste Runde zahlen oder irgendeine lustige Aufgabe erledigen. Je nach dem wie schwierig beziehungsweise absurd ihr es haben wollt, könnt ihr das Spiel mit einem durchschnittlichen Duden oder Brockhaus spielen, mit einem juristischen Fachwörterbuch oder auch mit einem Lexikon einer Fachrichtung von der ihr überhaupt keine Ahnung habt. Gute Unterhaltung ist in jedem Fall garantiert!

 


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Mentale Techniken für selbstbewusstes Auftreten

Beim Telefonieren soll man in den Hörer lächeln, heißt es, dann wirkt man freundlicher. Das klingt zwar absurd, weil man ja den anderen durchs Telefon nicht sehen kann, macht aber trotzdem eine ganze Menge Sinn. Wir vermitteln mit unserem Körper viel mehr Signale als nur den Inhalt des gesprochenen Wortes. Stimmungen und Befindlichkeiten gehören auch dazu, und vieles davon geschieht unbewusst. Sicher kennt jeder solche Menschen, die einfach nur den Raum betreten, und förmlich zu leuchten scheinen vor Energie und positiver Stimmung. Nun, das kannst du auch und das lässt sich üben.

Suche dir einen ruhigen Ort und konzentriere dich auf deinen Körper. Zuerst stelle dir vor dass du dich immer kleiner machst, und am Ende in einer Ecke völlig unsichtbar wirst. Das ist für viele die leichtere Übung. Dann mache das ganze in die andere Richtung. Dehne dein Bewusstsein aus, so dass du den ganzen Raum ausfüllst. Lächle, nimm eine aufrechte Haltung an, und stelle dir vor, wie die Wände dich bewundernd ansehen. Denke an ein Ziel, das du erreichen willst, an etwas, das du der Welt mitteilen willst. Dann lasse vor deinem geistigen Auge dein Publikum entstehen. Ziehe deine Präsenz etwas zurück, je nach dem wie es dir angemessen erscheint. Du sollst dein Publikum begeistern, nicht an die Wand drücken. Wenn du das einige Male alleine geübt hast, probiere es an öffentlichen Orten aus. In der Mensa, an der Supermarktkassa, in der Vorlesung.
 

Irgendwann wirst du es ganz instinktiv tun, wenn du vor anderen Menschen sprechen musst, und du wirst sehen, die Haltung macht den Unterschied!

 

Lies Gedichte laut vor

Betonung, Sprachtempo, Pausen – auch darauf kommt es an, denn all das transportiert Stimmung. Willst du beruhigen? Sachlich informieren? Aufrütteln? Provozieren? Gedichte sind eine gute Möglichkeit, das Ausdrücken von Stimmungen zu üben, denn der Text gibt schon vor, was dem Zuhörer vermittelt werden soll, du musst es nur noch mit deiner Stimme in die Gegenwart bringen.

 

Auswendig lernen und vorm Spiegel üben – eine Möglichkeit, aber nicht immer die beste

Referate einfach auswendig zu lernen ist eine Methode, die viele in der Schule angewandt haben. Das kann funktionieren, birgt aber gewisse Risiken. Nicht nur, dass, wie bereits erwähnt, beim Zuhörer viel mehr ankommt als nur der sachliche Inhalt – im schlimmsten Fall merken dir deine Zuhörer das Auswendiglernen an. Doch insbesondere als Jurist wirst du immer mit Gegenargumenten konfrontiert sein, aber auch bei jedem anderen öffentlichen Vortrag musst du mit Fragen der Zuhörer rechnen, die dich von dem sorgsam einstudierten Weg abbringen. Darauf musst du vorbereitet sein.

Besser ist, dir dir Grundzüge deiner Rede und die wichtigsten Argumente in Stichworten aufzuschreiben. Überlege dir dabei auch mögliche Fragen und Einwände des Publikums und wie du darauf reagieren willst. So hast du ein Gerüst, an das du dich halten kannst und dennoch genug Raum für Spontaneität.

 

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Nutze Gelegenheiten zum Üben

Es gibt an der Uni eine Menge Veranstaltungen bei denen du dein Redetalent ausprobieren und verbessern kannst. Da wären zum Beispiel Moot-Court-Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen oder Debattierclubs. Bei manchen Veranstaltungen, wie etwa den Moot Courts stehen dir dabei erfahrene Coaches aus der juristischen Fachwelt zur Seite. Außerdem kannst du nicht nur an deiner Präsentationstechnik arbeiten, sondern auch dein Hintergrundwissen zu spannenden juristischen und gesellschaftlichen Fragen erweitern und Kontakte zu Fachkollegen knüpfen. In jedem Fall ein Gewinn!

 

Lerne von anderen und finde deinen eigenen Stil

Gerade an der Uni hast du genug Möglichkeiten andere Vortragende zu beobachten. Wer beeindruckt dich am meisten? Was macht einen bestimmten Vortrag so faszinierend? Es gibt viele Möglichkeiten, seine Zuhörer in den Bann zu ziehen. Der eine durchmisst den Raum mit großen Schritten, spricht Zuhörer mit Worten und Gesten aktiv an, erzählt Witze und unterhaltsame Geschichten. Ein anderer bleibt an seinem Pult stehen, spricht mit ruhiger Stimme und lässt alleine die Worte wirken. Es kommt auch auf das Thema und auf die Persönlichkeit des Sprechers an, was gerade passend ist. Ein ruhiger, unaufgeregter Vortragsstil kann genauso gut ankommen wie die Scherze eines Entertainers. Wichtig ist, dass du nicht versuchst, dich zu verbiegen, sondern du selbst bleibst und und einen Stil findest, mit dem du dich wohlfühlst.

 

Du siehst, selbst wenn du nicht von Natur aus ein begnadeter Redner bist, gibt es Möglichkeiten, diese Fähigkeit zu trainieren. Probiere es einfach aus, du wirst sicher eine Methode und einen Stil finden, der für dich passt, und je mehr du übst, desto eher wirst du merken, dass vortragen und diskutieren auch richtig Spaß machen kann!

 


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Über den Autor

Sonja Vass - Autorin bei TalentRocket

Sonja Vass

Sonja Vass studiert Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck und arbeitet hauptberuflich im Rettungsdienst, seit Februar 2019 ist sie als Autorin für TalentRocket tätig.

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