„Verbotene“ Fragen im Bewerbungsgespräch

Wie ihr am besten darauf reagiert


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 12.02.2020

 

Der Arbeitgeber möchte im Bewerbungsgespräch so viel wie möglich über seinen potenziellen Mitarbeiter erfahren. Schließlich ist er auf diese Informationen angewiesen, um eine gute Entscheidung zu treffen. Doch bei manchen Fragen stellt sich ihm das Gesetz in den Weg. Um den Schutz des Arbeitnehmers zu gewährleisten und diesen vor Diskriminierung zu schützen, muss dieser auf gewisse Fragen nicht antworten, bzw. muss nicht wahrheitsgemäß antworten. Dennoch gibt es Arbeitgeber, die diese Fragen trotzdem stellen – wie ihr damit am besten umgeht und was erlaubt ist, erklären wir euch hier.
 

Wie sieht es denn in der Zukunft mit Kindern aus?

Der Alptraum eines Arbeitgebers: Man stellt eine Frau ein und ein paar Monate später ist sie bereits in Mutterschutz. Deshalb ist dies eine Frage, die den Arbeitgeber besonders bei jungen Frauen besonders interessiert – ihn aber überhaupt nichts angeht. Schließlich ist das eindeutig Privatsache. Nach Familienplanung zu fragen ist unzulässig, deshalb darf man darauf getrost mit einer Lüge antworten oder, wenn man sich traut, den Personaler darauf hinweisen, dass man diese Frage nicht beantworten muss. 

 

Wie stehen Sie zur Partei XY?

Wenn der Arbeitgeber kein „Tendenzarbeitgeber“ (z.B. eine Partei, Gewerkschaft oder Kirche) ist, dann sind Fragen nach der politischen Gesinnung und der Religionszugehörigkeit nicht erlaubt. Ob ihr also ÖDP oder SPÖ wählt, geht einen juristischen Arbeitgeber genauso wenig etwas an, wie die Frage, ob ihr Atheist oder Muslim seid. Im Übrigen ist auch die sexuelle Orientierung Privatsache. In der Regel weiß der Arbeitgeber, dass diese Fragen unzulässig sind und stellt sie deshalb nicht. Sollte es doch vorkommen, dass sich ein Personaler danach erkundigt, könnt ihr ihm die Antwort geben, von der ihr denkt, dass er sie erwartet – oder einfach gar nicht antworten.
 


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Können Sie uns Ihr Führungszeugnis zukommen lassen?

Auch Fragen nach einer vermeintlichen kriminellen Vergangenheit sind kritisch zu betrachten. In der Regel darf der Arbeitgeber nicht nach einem Führungszeugnis fragen, denn dieses kann auch Angaben enthalten, die den Arbeitgeber nichts angehen. Jedoch gibt es Ausnahmen von der Regel. So darf beispielsweise der öffentliche Dienst ein Führungszeugnis verlangen – das ist auch für Juristen relevant, die in diesem Bereich arbeiten möchten. Sind Vorstrafen in dem angestrebten Beruf relevant, kann ebenfalls danach gefragt werden, weil der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse daran haben kann. 
 

Leiden Sie unter einer chronischen Krankheit?

Als Jurist müsst ihr auf diese Frage normalerweise nicht antworten, denn auch diese ist unzulässig. Das gilt natürlich nur für Krankheiten, die nicht ansteckend sind und durch die ihr eure Kollegen oder Mandanten nicht in Gefahr bringt. Ist dies der Fall, so müsst ihr ehrlich darauf antworten. Solltet ihr unter einer Krankheit leiden, die euch in eurer Arbeit stark beeinflussen kann, solltet ihr jedoch dennoch darüber nachdenken, dies anzusprechen. Oftmals kann dann mit dem Arbeitgeber eine angemessene Lösung gefunden werden, etwa in der Freistellung für Arzttermine oder reduzierten Arbeitszeiten. Im ersten Gespräch solltet ihr solche Themen jedoch außen vor lassen. Die meisten Arbeitgeber werden dadurch abgeschreckt werden.
 


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Was tun, wenn die Fragen zu kritisch werden?

Es kommt nicht allzu oft vor, dass solche Fragen im Vorstellungsgespräch angeschnitten werden. Schließlich weiß auch der Personaler, was erlaubt ist und was nicht, und vor allem Juristen sind sich ihrer Rechte in dieser Hinsicht bewusst. Dennoch kann es passieren, dass sich im Laufe des Gesprächs eines dieser unangenehmen Themen anbahnt. Möglich ist auch, dass der Personaler euch nicht direkt fragt, sondern versucht, euch suggestiv dazu zu bringen, über diese Themen zu sprechen.

Solltet ihr euch in dieser Situation befinden, heißt es zunächst einmal, einen klaren Kopf zu bewahren und nichts zu überstürzen. Wie oben schon erwähnt, macht es Sinn, den Personaler darauf hinzuweisen, dass die Frage nicht zulässig ist und ihr sie deshalb nicht beantworten möchtet. Bleibt dabei in jedem Fall ruhig und diplomatisch – macht es den Eindruck, als fühlt ihr euch angegriffen, kann das negativ interpretiert werden.
 

Eine Möglichkeit ist es, mit einer Gegenfrage zu antworten: „Inwiefern ist das denn relevant für die Stelle?“


Eine gute Option ist es auch, der Frage humorvoll zu begegnen. So zeigt ihr, dass ihr standhaft seid und euch nicht aus der Ruhe bringen lässt – aber auch, dass ihr gut kontern könnt und wisst, wie man mit kritischen Situationen umgeht. Diese Möglichkeit bietet sich vor allem an, wenn ihr das Gefühl habt, bisher ein positives Gespräch geführt zu haben und eine gegenseitige Sympathie erkennen könnt. Ist euer Gegenüber eher nicht der lockere Typ, solltet ihr euch humorvolle Antworten lieber verkneifen.
 

Bei der Wahrheit bleiben – oder flunkern?

Die dritte Alternative ist es, einfach die Wahrheit zu sagen. Hier kommt es darauf an, um welche Frage es sich handelt. Ist die Chance sehr hoch, dass euer Arbeitgeber eure Lüge im Nachhinein erfahren wird und das euer Verhältnis belastet? Dann solltet ihr darüber nachdenken, offen zu sein. Bei der Frage nach einer möglichen Schwangerschaft beispielsweise ist es keine Schande zu sagen, dass ihr euch in der Zukunft ein Kind wünscht. Schließlich ist das nicht ungewöhnlich und der Arbeitgeber rechnet nicht selten auch mit einer solchen Antwort, wenn er eine junge Frau zum Gespräch einlädt. Wie bald das passieren soll, muss und kann ja niemand wissen.

Als letzte Möglichkeit bleibt es euch noch, zu lügen. Das ist durchaus legitim und bietet sich an, wenn ihr von einer Frage überrumpelt werdet oder wenn ihr es euch nicht zutraut selbstbewusst dem Gegenüber zu widersprechen. Auch wenn ihr fürchtet, dass die Wahrheit euch aus dem Rennen wirft, ist dies eine gute Lösung. Doch auch Lügen will gekonnt sein – passt auf, dass ihr glaubwürdig bleibt!
 

„Verbotene“ Frage in Vorstellungsgespräch sollten für euch auch immer eine Warnung sein. Fragt euch, ob ihr wirklich bei einem Arbeitgeber anfangen möchtet, der bereits im ersten Gespräch keine Rücksicht auf eure Privatsphäre nimmt. Informiert euch über eure Rechte und überlegt euch schon vor dem Gespräch, was ihr preisgeben möchtet und was ihr lieber für euch behalten wollt. Wie immer bei Bewerbungsgesprächen ist hier viel Fingerspitzengefühl gefragt!

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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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