Worauf Juristen bei der Jobsuche achten

Deshalb ist die Unternehmenskultur so wichtig!


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 10.04.2019

 

Abstrakte Begriffe wie „Unternehmenskultur“ sind für Nicht-Manager oftmals nur schwer zu greifen, geschweige denn zu definieren. Edgar H. Schein, ein Experte, wenn es um Organisationskultur geht, hat sich an die Definition gewagt und beschreibt die Unternehmenskultur als „ein Muster gemeinsamer Grundprämissen, das die Gruppe bei der Bewältigung ihrer Probleme externer Anpassung und interner Integration erlernt hat, das sich bewährt hat und somit als bindend gilt; und das daher an neue Mitglieder als rational und emotional korrekter Ansatz für den Umgang mit Problemen weitergegeben wird.“


Der Sozialwissenschaftler teilt die Unternehmenskultur außerdem in Ebenen ein: extern – intern und rational – emotional. Dazu kommen sogenannte Artefakte (die man sehen kann, aber interpretieren muss), Werte und Normen (die teilweise sichtbar, aber teilweise auch unbewusst sind) und die Grundannahmen (die nicht sichtbar sind und unbewusst wahrgenommen werden). Diese drei Ebenen interagieren miteinander und werden dadurch in der Form von Symbolen sichtbar.
Wem das zu theoretisch ist, dem sei gesagt, dass die Definition von Kultur nicht gerade einfach ist. Etwas zu definieren, das nicht sichtbar ist, das aber tagtäglich von jedem Menschen auf eine bestimmte Art und Weise gelebt wird, stellt sich als nahezu unmöglich heraus. Auch Unternehmenswerte müssen deshalb gelebt werden und nicht nur auf dem Papier Sinn ergeben. Anstatt weiter in der Theorie zu versinken, zeigen wir euch, wie ihr die Werte und Einstellungen im Kanzleialltag beobachten könnt.

 

Großkanzlei
DORDA Rechtsanwälte GmbH

DORDA Rechtsanwälte GmbH


Erfahre mehr über diesen Arbeitgeber und finde heraus, was ihn ausmacht.

 

1. Umgang mit den Kollegen

Hierarchien sind in der Unternehmenskultur von Kanzleien nach wie vor ein großes Thema und natürlich zeigen sich diese Unterschiede in der Hierarchie auch in der ein oder anderen Form nach außen hin. Ein gutes Indiz kann im deutschen Sprachraum die Verbreitung vom „Du“ und „Sie“ auf den verschiedenen Ebenen sein. Wenn von der studentischen Hilfskraft bis zum Partner gesiezt wird, ist das tendenziell ein Indiz für starke Hierarchien. Abgesehen von der Ansprache kann auch der Umgangston in Allgemeinen viel aussagen. Ob ein freundschaftlicher Umgang gepflegt wird, eher freundschaftliche Distanziertheit ausgelebt wird oder ein ausgeprägtes Hierarchiedenken vorherrscht, wird normalerweise durch Beobachtung schnell klar.

 

2. Soziales Engagement

Auch der Einsatz für soziale Projekte sagt viel über die Unternehmenskultur in einer Kanzlei aus. So stellen sich beispielsweise viele Kanzleien als besonders engagiert im Pro Bono Bereich dar oder unterstützen aktiv oder finanziell Initiativen für Flüchtlinge, Senioren oder Kinder und unterstreichen damit ihren Anspruch, nicht nur profitorientiert zu arbeiten, sondern auch zu versuchen, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Einsatz im sozialen Bereich gehört heutzutage für die meisten Kanzleien zum guten Ton.

 

3. Präsentation nach außen

Nicht nur innerhalb der Kanzleistrukturen wird die Unternehmenskultur sichtbar, auch nach außen hin transportiert eine Kanzlei ihre Werte und versucht so, die Menschen anzusprechen, die ihren Idealen entsprechen. Das passiert oft über das Internet, wo allein schon das Design der Webseite verraten kann, ob eine Kanzlei eher konservativ oder moderner arbeitet. Dementsprechend spiegelt der Internetauftritt auch die inneren Strukturen wider und sagt einiges über das Selbstbild der Kanzlei und damit ihrer Mitarbeiter aus. Auch der Auftritt auf Karrieremessen kann Aufschluss über die vorherrschende Kultur in der Kanzlei geben. Werden als Vertreter die gesetzten Partner ausgewählt und bekommt man nach dem Gespräch gerade mal einen Kugelschreiber in die Hand gedrückt, muss man davon ausgehen, dass man nicht an die modernste Kanzlei geraten ist, sondern eher einem konservativ ausgerichteten Arbeitgeber gegenübersteht.

 


Du möchtest den perfekten Arbeitgeber für dich finden?

Hier findest du alle Arbeitgeber bei TalentRocket und kannst unter anderem nach Standorten filtern

 

Alle Jobs bei TalentRocket

Zur Übersicht aller Jus-Jobs mit Filtermöglichkeit


 

Wie entsteht eine Unternehmenspersönlichkeit

Wenn man seine Unternehmenspersönlichkeit gut kommuniziert, dann kann man sich fast sicher sein, dass ein großer Teil unpassender Bewerber sich ganz von selbst aussortiert und hauptsächlich Interessenten mit einem guten „cultural fit“ sich auf eine Stelle bewerben. Hat man das Ziel, eine Unternehmenskultur zu etablieren oder zu verändern, dann ist es unerlässlich, dass alle Mitarbeiter in den Prozess miteinbezogen werden. Eine kulturelle Veränderung kann nicht einfach wie ein Befehl von oben gegeben werden, sondern muss zusammen Stück für Stück erarbeitet werden und darf auch in Hinblick auf die bestehenden Mitarbeiter und das Image der Kanzlei nicht vollkommen unpassend sein. Man könnte tatsächlich so weit gehen und die Persönlichkeit eines Unternehmens mit der eines Menschen vergleichen, die sich aus Erfahrungen und den Dynamiken der beteiligten Menschen zusammensetzt. Empfohlen wird zur Entwicklung ein dreistufiges Vorgehen, das wie folgt aussieht:
Zunächst müssen bestehende und ausgelebte Werte und Normen identifiziert werden. Der zweite Schritt besteht darin, das gewünschte Image mit dem bestehenden zu vergleichen und am Image der Kanzlei zu arbeiten. Im dritten Schritt soll dann eine Corporate Identity etabliert werden, die nach außen hin die inneren Werte der Kanzlei widerspiegeln soll.
 

Wie verändert sich die Unternehmenskultur in Kanzleien?

Wer exzellente Bewerber anlocken möchte, der kann heutzutage mit bloßen finanziellen Anreizen nicht mehr besonders viel ausrichten. Die Unternehmenskultur ist für die jüngeren Generationen immer mehr ausschlaggebend und wandelt sich zum neuen Überzeugungsargument. Auch wenn es natürlich noch Absolventen gibt, die sich in einer klassischen konservativen Kanzlei mit einem strikten Hierarchieverständnis durchsetzen möchten, wünschen sich auch viele Juristen ein freundliches Arbeitsumfeld ohne großen Konkurrenzkampf. Das führt beispielsweise dazu, dass der Dresscode aufgelockert wird oder die Einrichtung um einen Tischkicker erweitert wird. Auch Vielfalt und Gleichberechtigung wird immer mehr in den Vordergrund gestellt, was besonders dann zu einem wichtigen Thema wird, wenn man sich ansieht, wie die weiblichen Juristen zahlenmäßig langsam ihre männlichen Kollegen überholen. Das Prinzip „Miteinander statt Gegeneinander“ setzt sich immer mehr durch.

 

Trotz all der Werbung nach außen ist es schwierig festzustellen, ob man sich in einer Kanzlei wohlfühlen wird oder nicht. Schließlich lässt sich, wie anfangs festgestellt, eine gelebte Kultur nicht wirklich in Worte fassen. Dazu kommt, dass bei vereinzelten Kanzleien der klassische Fall von „Große Klappe und nichts dahinter“ gilt. Es ist zwar möglich, sich einige Aspekte der Unternehmenskultur abzuleiten, auch wenn man selbst noch nicht zum Team gehört. Die beste Möglichkeit, einen juristischen Arbeitgeber unverbindlich kennenzulernen ist es trotzdem immer noch, wenn man ein Praktikum oder einen Teil seiner Konzipientenzeit dort verbringt. So bekommt man einen guten Eindruck und kann mit anderen Arbeitgebern vergleichen. Kultur ist eben einfach kein Wort – sondern ein Gefühl!

 


Ebenso interessant für dich:

 

Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

Juristische Arbeitgeber, Jobs oder Events. Exklusiv für Mitglieder!

Mit der 1-Klick Bewerbung kannst du dich in sekundenschnelle bei den Arbeitgebern bewerben.

Hat dir der Artikel gefallen? Feedback geben



Talente haben sich auch diese Artikel durchgelesen:

Lifestyle

...und Jurist war er auch noch!

Berühmte Persönlichkeiten, die (auch) Rechtswissenschaften studiert haben

Lifestyle

Jus und das Wesen der Wissenschaft

Gedanken über Wissen, wissenschaftliches Arbeiten und Schokokuchen

Lifestyle

Wenn der Chef eine Freundschaftsanfrage schickt

Wie man mit Anfragen auf Facebook und Co. umgehen sollte