Unterhaltungsliteratur für Juristen

5 Bücher zum Lesen, wenn es einmal keine Fachbücher sein sollen?


veröffentlicht am 06.06.2019

 

Fachbücher lesen wir wahrlich genug, zur Abwechslung darf es ruhig auch einmal ein spannender Roman sein. Dabei lässt es sich nicht leugnen, dass Gerichtsverfahren, Streit und strafrechtlich relevante Handlungen guten Stoff für eine fesselnde Geschichte liefern. Wir haben einige Bücher mit juristischem Bezug aus verschiedenen Genres gefunden und gelesen. Gute Unterhaltung!

 

Das letzte Plädoyer (Jeffrey Archer)

Eine Kneipenschlägerei endet tödlich, und der junge Mechaniker Danny, der eigentlich nur seine Verlobung hatte feiern wollen, findet sich als Mordverdächtiger vor Gericht wieder. Die anderen Beteiligten an der Auseinandersetzung sind über jeden Zweifel erhaben. Wer würde schon einen erfolgreichen Staatsanwalt und seine berühmten Freunde des Mordes bezichtigen? Nur Dannys Verlobte und sein junger Anwalt sind von seiner Unschuld überzeugt, doch Überzeugung reicht nicht vor Gericht und Beweise gibt es keine.

Danny, des Mordes schuldig befunden, landet hinter Gittern – und findet dort unerwartet neue Freunde, die ihm nicht nur helfen, sich im Gefängnisalltag zurechtzufinden, sondern auch an seine Unschuld glauben. Als einer von ihnen auf tragische Weise zu Tode kommt, bietet sich für Danny die Chance zu fliehen.

 

Mit einer neuen Identität tätigt er zunächst höchst erfolgreiche Geschäfte.

 

Nebenbei arbeitet er an seinem Plan, Rache zu üben für den Tod seines Freundes und seine ungerechtfertigte Haftstrafe, doch am Ende holt ihn die Vergangenheit ein. Kann er schließlich doch noch seine Unschuld beweisen und seine spektakuläre Flucht rechtfertigen?

Wer Verhandlungen und verwickelte Geschäftsfälle spannend findet, wird dieses Buch lieben, denn die Geschichte lebt vor allem von den Wortgefechten zwischen den Charakteren und der Frage nach dem Ausgang von ihren Rechtsgeschäften. Darüberhinaus erwarten den Leser einige überraschende Wendungen, sowie Einblicke in die Geschäftswelt der Hochfinanz, des Rechtssystems im englischsprachigen Raum und die Bedeutung des japanischen Staudenknöterichs beim Grundstücksverkauf. Zeit nehmen zum Lesen – das Buch hat über 500 Seiten, und einmal angefangen legt man es nicht gerne aus der Hand!

 

Lust auf weitere kuriose Fälle? Hier geht's lang...

 

Die siebte Stunde (Elisabeth Herrmann)

Joachim Vernau, Strafverteidiger, der der juristischen Glamourwelt den Rücken gekehrt hat, und dessen Kanzlei immer so am Rand der Pleite entlangschrammt, versucht sich eher widerwillig an einer neuen Einnahmequelle. Er soll Schülern einer Privatschule das Konzept von Rechtsprechung und Gerechtigkeit näherbringen, in einem Projekt, in dem die Schüler auch reale „Fälle“ von Verstößen gegen die Hausordnung verhandeln.

Was er in der Schule vorfindet ist jedoch nicht unbedingt mit seinem Verständnis von Recht und Moral vereinbar – Vertuschung auf der einen Seite, Denunziantentum auf der anderen. Und dann ist da noch der Selbstmord einer Schülerin vor einem Jahr, der seine Schatten auf die Gegenwart wirft und die Schüler immer noch in Unruhe versetzt.

 

Vernau findet das zunächst merkwürdig, dann verdächtig.

 

Als schließlich eine Schülerin während einer Veranstaltung zusammenbricht, wittert er strafrechtlich relevantes und versucht sich, freilich uneingeladen, als Detektiv.

Dabei sind weder Lehrer noch Schüler sonderlich kooperativ, doch Vernau bleibt hartnäckig, und findet sich inmitten eines Rollenspiels wieder, das zuweilen allzu realistische Züge annimmt, und gräbt dabei einen alten Kriminalfall mit erstaunlichen Parallelen zur Gegenwart aus.

Joachim Vernau, der eigenwillige Anwalt mit Ecken und Kanten wird von Vielen unterstützt. Da ist Lisa-Marie, Anwaltskollegin und Kanzleipartnerin mit sozialem Gewissen und Hippie-Allüren, der Kanzleigehilfe Kevin, der sich erstaunlich gut mit Rollenspielen auskennt und den einen oder anderen nützlichen Hinweis beisteuern kann, Vernaus Mutter, deren Haushälterin und ihr Freund, ein Künstler der Klanginstallationen aus Badewannen baut. Und ein polnischer Mechaniker, der es mit der Legalität nicht immer so genau nimmt, aber immer irgendwie die Mobilität der beiden Anwälte sicherstellen kann.

Wer den engagierten Anwalt und sein sympathisch-schrulliges Umfeld liebgewonnen hat, darf sich auf weiteres Lesevergnügen freuen, denn Vernau ermittelt in weiteren Romanen in ähnlich vertrackten Kriminalfällen weiter.

 

Hier bekommst du einen exklusiven Einblick in den Alltag eines Strafverteidigers

 

Tod im Tal der Heiden (Peter Tremayne)

In die Vergangenheit Irlands und auch in ein völlig anderes Rechtssystem führt uns dieser historische Kriminalroman. Die Protagonistin, Schwester Fidelma ist Nonne, Rechtsgelehrte, und in diesem Roman auf einer Mission als Gesandte ihres Bruders, des Königs. Gemeinsam mit ihrem Freund, Bruder Eadulf soll sie mit dem Fürsten einer anderen Provinz über den Bau einer Kirche verhandeln, doch auf dem Weg stoßen sie auf einen grausigen Leichenfund.

Überzeugt davon, dass der Gerechtigkeit Geltung verschafft werden muss, stellt sie Nachforschungen an, stößt auf einige Ungereimtheiten, und eckt bei manchen Personen am Fürstenhof ziemlich an. Ihr Verhandlungsgeschick hilft ihr zwar sehr oft weiter, doch dann geschieht noch ein Mord, und Fidelma, die zur falschen Zeit am richtigen Ort ist wird selbst zur Verdächtigen.

 

In Isolationshaft auf dem Fürstenhof, darf sie sich nicht selbst verteidigen und so ist Eadulf, der eigentlich des Rechts nicht kundig ist, ihre einzige Chance.

 

Der Leser wird so zum Zeugen eines ungewöhnlichen Prozesses, bei dem ein juristischer Laie, gestützt auf wenige Hinweise seiner inhaftierten rechtskundigen Freundin das Gericht überzeugen muss, wobei es nicht nur um Schuld und Unschuld geht, sondern auch um prozessrechtliche Winkelzüge.

Wer an Geschichte und Recht interessiert ist, hat sicherlich Freude mit diesem historischen Krimi – umso mehr, da auch Schwester Fidelma in mehreren Romanen für Wahrheit und Recht kämpft.

 

Großkanzlei
Freshfields Bruckhaus Deringer LLP

Freshfields Bruckhaus Deringer LLP


Erfahre mehr über diesen Arbeitgeber und finde heraus, was ihn ausmacht.

 

Die Keltische Schwester (Andrea Schacht)

Verwaltungsverfahren zur Erlangung einer Baubewilligung können mühsam sein und sich lange hinziehen – insbesondere, wenn Nachbarn mit dem Bauprojekt so absolut nicht einverstanden sind. Lindis Farmunt arbeitet an der Planung eines Feriendorfs an der französischen Küste, doch das ganze läuft alles andere als rund. Ein unfähiger Kollege macht Lindis das Arbeiten schwer, ein exzentrischer Professor will das Projekt überhaupt verhindern, und schließlich wird die Landvermessung durch mysteriöse übersinnliche Phänomene gestört.

Als ob das nicht reicht, wird Lindis von merkwürdig real wirkenden Träumen heimgesucht, die sie zurück in die keltische Vergangenheit des Landes zurückkatapultieren.

 

Sie muss schließlich erkennen, dass sie mit dem Land und seiner Vergangenheit mehr verbindet als mit dem Bauprojekt ihres Arbeitgebers.

 

Geschickt verbindet die Autorin verschiedene Handlungsstränge – da ist das Planungsverfahren mit all seinen technischen und verwaltungsrechtlichen Tücken, Lindis' nicht immer reibungsloses Privatleben, die Geschichte einer längst verstorbenen keltischen Priesterin, und die Geschichte einer Katze und der Maus die ihr immer wieder zu entkommen versucht – mit zwischenzeitlichem Erfolg. All das spielt sich auf geschichtsträchtigem Boden ab, und die verschiedenen Ebenen der Handlung verweben sich zu einem Netz, ganz entsprechend dem Glauben der alten Kelten, dass alles im Leben wie in einem Netz miteinander verbunden wäre.

Die Geschichte verlangt einiges an Aufmerksamkeit um sich in die verschiedenen Handlungsstränge einzufinden, wenn man es geschafft hat, ist es aber absolut faszinierend.

 

Schon alle Bücher gelesen? Hier findest du spannende juristische Serien 

 


Genug gelesen, du möchtest lieber aktiv werden und dich bewerben?

Hier geht`s zu den aktuellen Jus Jobs - Bewirb dich noch heute! 


 

Paragraphen und Prosecco (Janine Achilles & Katharina Mosel)

Auf einer Weihnachtsfeier treffen sich die jungen Anwältinnen Ida und Karla nach langer Zeit wieder. Mit ihrer Lebenssituation nicht ganz zufrieden, beschließen sie, sich mit einer eigenen Kanzlei selbständig zu machen. Nicht unbedingt ein einfaches Unterfangen, doch die beiden Frauen geben nicht auf, und Karlas Idealismus gepaart mit Idas Geschäftssinn führt sie langsam, aber stetig auf einen erfolgreichen Weg.

Vom verzweifelten Vater im Scheidungsverfahren über einen Reinigungsunternehmer, der „von Rechstkram nichts hält“ und sich mit seinen Kündigungen deswegen regelmäßig in die juristischen Nesseln setzt bis hin zu einer schrulligen Wohnungsmieterin mit Verfolgungswahn – die Rechtsprobleme, mit denen sich die Kanzleipartnerinnen zu befassen haben sind so unterschiedlich wie die dazugehörigen Menschen, und oft ist nicht nur juristischer, sondern auch menschlicher Rat gefragt.

 

Daneben hält auch das Privatleben für die beiden Anwältinnen so seine Herausforderungen bereit.

 

Während Ida ihrem Mann erstmal klarmachen muss, dass er auf ihre Mandanten nicht eifersüchtig zu sein braucht, will Karla die Annäherungsversuche ihres gutaussehenden Kollegen der Nachbarkanzlei eigentlich nicht an sich heranlassen, obwohl er ihr doch ziemlich gefällt...

Klassische Chick Lit im Juristenmilieu, nichts Tiefgründiges, aber eine leichte unterhaltsame Lektüre für zwischendurch mit amüsant erzählten, zuweilen skurrilen Episoden, die vom echten Leben gar nicht so weit entfernt sind.

 

Wer sich also in seiner Freizeit nicht ganz von der Juristerei abwenden mag, findet ausreichend Lesestoff mit spannenden Fällen. Aber nicht vergessen, das Leben besteht nicht nur aus Paragraphen, wie uns auch unsere Romanhelden anschaulich zeigen...

 


Auch interessant:

 

Juristische Arbeitgeber, Jobs oder Events. Exklusiv für Mitglieder!

Mit der 1-Klick Bewerbung kannst du dich in sekundenschnelle bei den Arbeitgebern bewerben.

Hat dir der Artikel gefallen? Feedback geben


Talente haben sich auch diese Artikel durchgelesen:

Lifestyle

​Kuriose Fälle vor Gericht und ihre Urteile

Von Kapitänsmützen, Katzen und wann man im Sitzen duschen muss

Lifestyle

Ausgebrannt: Wenn Juristen nicht mehr können

Das Burnout und wie man der Krankheit vorbeugt

Lifestyle

...und Jurist war er auch noch!

Berühmte Persönlichkeiten, die (auch) Rechtswissenschaften studiert haben