Unterbezahlt? So verhandeln Juristinnen ihr Gehalt

Die Gender-Pay-Gap ist auch für Juristinnen real


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 11.03.2020

 

Hast du dich schon einmal gefragt, ob du weniger verdienst als deine männlichen Kollegen? Die Chancen, dass das der Fall ist, stehen gar nicht so schlecht. Denn auch in der juristischen Arbeitswelt existiert die berüchtigte Gender-Pay-Gap noch immer. Oftmals liegt das daran, dass Frauen ihre Gehaltswünsche nicht energisch genug einfordern – oder sich gar mit weniger zufrieden geben, als sie bekommen könnten. Frauen fahren oft die falsche Strategie und hoffen, dass sich mit guter Leistung das höhere Gehalt irgendwann schon von selbst einstellen wird. Wie es besser geht und wie du in fünf Schritten lernst, als Juristin in der Gehaltsverhandlung clever zu agieren, zeigen wir dir hier.
 

Ermittle deinen Wert

Du willst bei gleicher Leistung genauso bezahlt werden wie deine männlichen Kollegen. Aber weißt du auch, wie viel sie verdienen? Der erste Schritt ist es, das herauszufinden. Während Großkanzleien oft sogar mit ihren hohen Einstiegsgehältern werben, halten sich kleine und mittelständische Kanzleien eher zurück. Um dir einen guten Überblick zu verschaffen, hilft die Recherche im Internet - auch bei TalentRocket geben viele Kanzleien an, wie viel ein Einsteiger zu erwarten hat. Ansonsten geben dir Durchschnittswerte einen guten Anhaltspunkt, wo du ansetzen solltest. 

Noch besser ist es jedoch, wenn du Daten aus erster Hand sammeln kannst. Hast du Juristen im Bekanntenkreis, solltest du in Erwägung ziehen, sie nach ihrem Gehalt zu fragen. Weil das ein sensibles Thema ist, ist hier jedoch Fingerspitzengefühl gefragt. Ein guter Tipps ist es, nachzufragen, wie viel der- oder diejenige bei ihrem Einstieg verdient hat. So muss die Person nicht gleich ihre aktuelle Finanzlage offenlegen. Oder du fragst nach, wie viel er oder sie an deiner Stelle verlangen würde.
 


Neben dem Gehalt muss auch der Job passen.

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Nur nicht bescheiden sein!

Frauen tendieren dazu, im Job die Harmonie über ihre eigenen Vorteile zu stellen. Das ist eine positive Eigenschaft, die maßgeblich zum langfristigen Erfolg beitragen kann. Manchmal gibt es jedoch Momente, in denen du dich im besten Licht präsentieren und deine Leistungen nicht kleinreden solltest. Teile deinen Kollegen und deinen Vorgesetzten mit, wenn du einen Erfolg verzeichnen konntest – um Beispiel, indem du ein positives Feedback eines Mandanten weitergibst. Viele Juristinnen fürchten, sich unbeliebt zu machen, wenn sie ihre Errungenschaften zu sehr in den Mittelpunkt stellen. Dabei solltest du aber auf keinen Fall vergessen, dass du genau dafür bezahlt wirst. Wenn dein Chef nichts von deinen Fortschritten weiß, wie möchtest du dann eine Gehaltserhöhung rechtfertigen? Das soll nicht bedeuten, dass du dabei andere schlecht machen oder ihre eigenen Resultate nicht anerkennen solltest. Freust du dich für andere, werden sie sich auch für dich freuen.
 

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Wenn deine Recherchen zu einem Ergebnis geführt haben und dein Wunschgehalt feststeht, geht es an die Gehaltsverhandlung.Überlege dir gut, mit welcher Summe du einsteigen möchtest: Beginnst du zu hoch, könnte das deinen Vorgesetzten verärgern, steigst du zu niedrig ein, hast du zu wenig Verhandlungsspielraum und musst eventuell einen Kompromiss eingehen, zu dem du eigentlich nicht bereit warst. Versuche in jedem Fall, dein erstes Angebot so zu formulieren, dass dein Wunschgehalt die nächste naheliegende Summe ist. Möchtest du beispielsweise 50.000€, dann steige bei 52.000€ ein. So wird der nächste Vorschlag deines Arbeitgebers vermutlich bei 50.000€ liegen. Nennst du gleich 50.000€, dann läge ein Angebot von 48.000€ nahe. Verhandle jedoch nicht in zu kleinen Schritten – auf 20€ mehr oder weniger kommt es im Jahr nicht an und du riskierst, kleinlich oder knickrig zu wirken.
 


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Was ist deine Gegenleistung?

Wenn du mehr Gehalt möchtest, dann solltest du dafür gute Argumente haben. Schließlich hast du dich einmal auf dein bisheriges Gehalt geeinigt und warst damit zufrieden – warum solltest du nun mehr bekommen? Als Frau solltest du davon absehen, dein Geschlecht zum Thema zu machen. Auch, wenn du vermutest, dass deine männlichen Kollegen mehr verdienen als du, ist es ein schlechter Einstieg, dem Arbeitgeber vorzuwerfen er würde dich ungerecht behandeln (auch wenn dies vielleicht tatsächlich der Fall ist). Argumentiere stattdessen mit deinen Leistungen. Am besten machst du dir vor dem Gespräch eine Liste mit Erfolgen, die du in deiner bisherigen Laufbahn in der Kanzlei verzeichnen konntest. Darauf kannst du dich berufen, wenn dir die Argumente ausgehen. Hast du beispielsweise neue Mandanten eingebracht? Hat dich dein Chef oder ein Kollege für etwas besonders gelobt? Übernimmst du in letzter Zeit mehr Verantwortung als zuvor?
 

Bleibe professionell – auch bei einer Abfuhr

Nicht jede Gehaltsverhandlung ist von Erfolg gekrönt. Das kann viele Gründe haben und muss nicht mit dir oder deiner Leistung zusammenhängen. Nehme dir eine Absage deswegen nicht zu sehr zu Herzen. Meist wird dir dein Vorgesetzter sagen, warum er die Erhöhung abgelehnt hat. Sollte es wirklich daran liegen, dass es nicht der Meinung ist, dass deine Leistungen mehr Gehalt rechtfertigen, musst du proaktiv werden. Frage deinen Vorgesetzten konkret, was er von dir erwartet und was du tun kannst, damit es in der nächsten Verhandlung klappt. Gemeinsam könnt ihr einen Plan machen und eventuell auch schon einen neuen Termin für die nächste Gehaltsverhandlung vereinbaren. Wenn das alles zu nichts führt und du noch immer das Gefühl hast, dass deine Leistungen nicht anerkannt und du unterbezahlt bist oder gar ausgenutzt wirst, solltest du darüber nachdenken, dir eine neue Stelle zu suchen. 

 

Als Frau solltest du nicht weniger selbstbewusst in die Verhandlung gehen als ein Mann. Bei gleicher Leistung steht dir auch gleiche Bezahlung zu. Informiere dich deshalb gut über die üblichen Gehälter und versuche dein Glück – solange du professionell bleibst und realistische Forderungen stellst, hast du nichts zu verlieren. 

Großkanzlei
Fellner Wratzfeld & Partner Rechtsanwälte GmbH

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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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