...und Jurist war er auch noch!

Berühmte Persönlichkeiten, die (auch) Rechtswissenschaften studiert haben


verfasst von Sonja Vass und veröffentlicht am 18.09.2019

 

Viele Namen berühmter Forscher, Dichter und Denker hören wir während unserer Schullaufbahn. Die Rechtsgelehrten kommen dabei häufig etwas zu kurz, von ihnen erfahren wir meistens erst im Studium. Was viele ebenfalls nicht wissen: Unter jenen, die wir für ihre Dichtung oder Naturforschung kennen, finden sich auch einige Juristen!

 

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716), Mathematiker und Philosoph

Wer bei dem Namen als allererstes an Kekse denkt, liegt leider völlig falsch: Der Mann war kein Bäcker. Bekannt ist er vor allem als Mathematiker – er gilt als Begründer der Integral- und Differentialrechnung und „erfand“ auch das Integralzeichen, das eigentlich ein langgezogenes „S“ ist – für Summe, da man beim Bilden des bestimmten Integrals winzig kleine Flächenstücke summiert.

In früherer Zeit war es durchaus üblich mehr als nur ein Fach zu studieren, insbesondere wenn man genug Geld hatte um sein Leben der Gelehrsamkeit zu widmen. So beherrschte Leibniz mehrere Sprachen, erfand eine Rechenmaschine, erforschte in Deutschland gefundene Fossilien und befasste sich ausführlich mit Philosophie Theologie, und nicht zuletzt mit Rechtswissenschaft. Leibniz wird daher manchmal als „letzter Universalgelehrter“ bezeichnet.

Als Jurist war er stets um Einigung und Frieden bemüht. So schlug er eine Reform des Rechtswesens und eine Vereinheitlichung der Gesetze der christlichen Nationen vor, und führte Verhandlungen mit kirchlichen Würdenträgern, um die christlichen Religionsgemeinschaften wieder zu vereinen. Seine Bemühungen scheiterten jedoch an Nationalismus und Eigensinn der betreffenden Länder.

 


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Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Dichter und Schriftsteller

„Er aber, sags ihm, er kann mich!“ - dank Goethe können wir ganz nobel in der Öffentlichkeit fluchen und uns dann damit rechtfertigen, wir hätten bloß klassische Literatur zitiert. Freilich hinterließ uns der Dichterfürst literarisch noch viel mehr als nur den deftigen Ausruf des Götz von Berlichingen, und auch wenn die altmodische poetische Sprache seiner Werke dem heutigen Leser schwer verständlich vorkommt, die Inhalte sind immer noch aktuell – die tragische Liebesgeschichte des jungen Werther oder Doktor Faust, der in seinem verzweifelten Streben nach Erkenntnis sogar mit dem Teufel einen Bund eingeht.

Dabei ist der Teufel in Goethes Drama nicht einmal so ein übler Geselle, sondern zuweilen ein recht unterhaltsamer Zechkumpan, und wenn man länger nachdenkt, könnte man glatt meinen, er müsste Jurist sein. Da handelt der einen Vertrag aus und besitzt dabei beachtliches Argumentationsgeschick.

Goethe war jedenfalls Jurist, auch wenn er sich stets mehr für die Dichtung interessierte und das Jurastudium eher auf Wunsch seines Vaters betrieb. Einige Jahre war er als Rechtsanwalt tätig. Seine juristischen Kenntnisse waren ihm sicherlich auch bei seiner späteren Tätigkeit als Minister des Herzogtums Weimar nützlich. Er scheint jedenfalls doch an der Juristerei Gefallen gefunden zu haben, wie man aus seinem Vergleich mit dem Bier entnehmen kann, dessen Bitterkeit man nach und nach erst zu schätzen lernt; einige Literaturwissenschaftler meinen sogar, einen Einfluss der Juristerei auf seine dichterischen Werke zu erkennen.

 

Franz Kafka (1883–1924), Schriftsteller

Die Geschichte einer jungen Mannes, der frühmorgens aufwacht und erkennen muss, dass er sich in ein überdimensionales Insekt verwandelt hat – damit bringen die meisten von uns den Schriftsteller in Verbindung, und manchen brachte die Geschichte wohl zur Verzweiflung, zumindest wenn man sich in der Schule an einer Interpretation versuchen musste, und mit der merkwürdigen Verwandlung nicht so recht etwas anfangen konnte.

Der junge Kafka musste vor seinem Erfolg als Autor auch erst einen Beruf erlernen und schlug den akademischen Weg ein. Er war wohl entweder unentschlossen oder vielseitig interessiert – vielleicht auch beides – studierte einige Fächer semesterweise, blieb jedoch letztendlich bei der Rechtswissenschaft. Freude hatte er jedoch nicht immer damit. So verglich er den Lehrstoff mit Sägemehl, welches bereits „von tausenden Mäulern vorgekaut wurde“.

Einige seiner Werke haben jedoch deutlichen Bezug zu Problemen der Rechtswissenschaft, wie etwa der Roman „Der Prozess“ oder die Erzählungen „Die Strafkolonie“ und „Zur Frage der Gesetze“.

Darin geht es hauptsächlich um die „dunkle“ Seite der Juristerei. Drakonische Strafen, undurchsichtige Bürokratie, an der der einfache Bürger verzweifelt, Rechtssysteme die mit moderner Rechtsstaatlichkeit nicht viel zu tun haben – möglicherweise auch ein wenig Kritik an dem nicht immer bürgerfreundlichen Staat, den Kafka kannte.

 


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Ovid (43 v. Chr–17 n. Chr), Dichter

Im Lateinunterricht haben wir seine Liebesgedichte übersetzt, und in den ersten Kapiteln der Metamorphosen träumt er vom goldenen Zeitalter, in dem die Menschen ohne Gerichtsbarkeit und Gesetze in Frieden lebten, es keinen Krieg gibt und Menschen nicht aus Furcht vor Strafe, sondern aus eigenem Antrieb sich wohl verhalten.

Das Goldene Zeitalter, falls es jemals existierte war zu Ovids Lebenszeit lange vorbei und ohne Gerichtsbarkeit ging es auch nicht: Ovid war als Verwaltungsbeamter und Richter in Zivilprozessen tätig ehe er die öffentlichen Ämter an den Nagel hängte, um sich alleine der Dichtung zu widmen.

 

Pierre de Fermat (1607–1665), Mathematiker

„Ich habe einen wunderbaren Beweis, aber am Rand ist nicht genug Platz dafür“ - eine Randnotiz in einem alten Buch, die Mathematiker noch Jahrhunderte später faszinierte und intensiv nach besagtem Beweis suchen ließ. Das ist die Geschichte der Fermatschen Vermutung: Die Gleichung a^n+b^n=c^n sei durch keine natürlichen Zahlen außer der 2 erfüllt, so Fermat; sein Wissen über den Beweis nahm er mit ins Grab. Erhalten blieben seine Forschungen zur Zahlentheorie, sowie das Fermatsche Prinzip der Optik: Hiernach breitet sich Licht immer auf dem kürzesten Weg aus.

Dabei war Fermat nie hauptberuflich Mathematiker. Er studierte Zivilrecht an der Universität Orleans und war später als Anwalt und Richter tätig, und wurde aufgrund der Ausübung dieser Ämter auch in den französischen Amtsadel erhoben – weshalb er das „de“ (zu Deutsch „von“) vor seinem Namen führen durfte. Die Mathematik betrieb er lediglich nebenbei –sofern das Rechtswesen ihm Zeit dazu ließ.

Die Fermatsche Vermutung wurde schließlich im Jahre 1994 von einem britischen Mathematiker bewiesen. Der Beweis ist alles andere als einfach, sondern stellt in Länge und Komplexität manches höchstgerichtliche Urteil in den Schatten. Und etwas Mysteriöses bleibt, denn für jenen Beweis sind mathematische Kenntnisse erforderlich, die man zu Fermats Zeit noch gar nicht hatte.

 

Juristerei scheint eine gute Ausgangsbasis für viele andere Tätigkeiten zu sein, also nicht verzagen, wenn die eigene juristische Karriere nicht immer ganz nach Plan läuft. Die berühmten Vorbilder zeigen, wir Juristen sind vielseitige Menschen und die Erfahrung im Umgang mit der Sprache und logischen Schlüssen, die unser Fach mit sich bringt, kann auch in anderen Bereichen hilfreich sein.

 


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Über den Autor

Sonja Vass - Autorin bei TalentRocket

Sonja Vass

Sonja Vass studiert Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck und arbeitet hauptberuflich im Rettungsdienst, seit Februar 2019 ist sie als Autorin für TalentRocket tätig.

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