Studium fertig - und nun?

Der Weg in die Gerichtspraxis, Konzipientenzeit, Richteramtsanwärter - oder doch in ein Unternehmen?


verfasst von Carolina Kral und veröffentlicht am 09.11.2018

 

Jahrelang war keine Sorge um die Zeit nach dem Abschluss in Sicht, denn er war so weit entfernt. Doch auf einmal kommt er rasend schnell näher und die Frage drängt sich auf - was nun? Was ist eigentlich diese Gerichtspraxis, wie werde ich Rechtsanwalt, Richter oder Notar und wie gehe ich als fertiger Jurist in ein Unternehmen?

 

Die Gerichtspraxis

Wer Rechtsanwalt, Richter, Staatsanwalt oder Notar werden möchte, muss die Gerichtspraxis, das “Gerichtsjahr”, absolvieren. Dies ist eine mindestens fünf monatige Praxis bei Gericht, wo ihr als Rechtspraktikant einem Richter zugeteilt werdet und diesen bei der Bearbeitung von Akten unterstützt. Der Sinn hinter der Gerichtspraxis ist ein umfassender Einblick in die Welt bei Gericht und die Abläufe hinter verschlossenen Türen. Bei der Dauer der Gerichtspraxis gibt es Unterschiede je nach angestrebtem Berufsbild.

Wie die Bewerbung für das Gerichtsjahr und das Gerichtspraktikum abläuft und alles im Detail funktioniert, findet ihr hier.

 

Ich werde Rechtsanwalt!

Die größte Zahl der Jus Studierenden im ersten Semester gibt an, den Beruf des Rechtsanwalts anzustreben. Tatsächlich schafft dies aber nur ein recht geringer Teil der ursprünglich begeisterten Studenten. Für all diejenigen, die das Studium erfolgreich abgeschlossen haben und die Gerichtspraxis ebenso, kann es nun aber auf direktem Weg in die Praxis gehen. Die Bewerbung als Konzipient ist unerlässlich um die fünfjährige Praxisausbildung zu beginnen, bei einer Klein- oder Großkanzlei, je nach Wunsch des zukünftigen Arbeitsumfeldes. Die Praxis ist anfänglich geprägt vom Verfassen juristischer Schriftsätze und Recherchen zu diversen Sachverhalten. Sobald etwas Seniorität erlangt wird und neue Konzipienten nachziehen, wächst auch der Tätigkeitsbereich. Eigene Mandate unter der Supervision der Vorgesetzten sind keine Seltenheit. Nach dem dritten abgeschlossenen Ausbildungsjahr liegt die Berechtigung zur Rechtsanwaltsprüfung anzutreten vor. Nach dem fünften abgeschlossenen Ausbildungsjahr erfolgt die Eintragung in die Liste der Rechtsanwälte. Hiermit ist man tatsächlich “waschechter” Rechtsanwalt.

Wie die Konzipientenzeit, die Rechtsanwaltsprüfung und der Weg dorthin aussieht, findet ihr hier.

 

Ich will Recht sprechen...

Ein immerschon unstillbarer Drang nach Gerechtigkeit, der Wunsch Recht zu sprechen und der Anspruch an sich selbst zwischen richtig und falsch zu entscheiden, spricht definitiv für den Beruf des Richters.

Die Zahl der Neuzulassungen an Richtern hält sich in Grenzen, denn die Anforderungen an das Richteramt sind sehr hoch. Nach der oben genannten Gerichtspraxis bewirbt man sich “übernommen” zu werden und in die Ausbildung des Richters aufgenommen zu werden. Nach fünf Monaten bei Gericht, in denen mündliche und schriftliche Prüfungen abgehalten werden und ein psychologisches sowie amtsärztliches Gutachen durchgeführt werden, wird die Ausbildungszeit um weitere drei Jahre verlängert. Nach dieser Ausbildungszeit kann zur Richteramtsprüfung angetreten werden. Diese umfasst über 20 Rechtsgebiete und kleinere Teile der übergeordneten Rechtsgebiete. Nach Bestehnen der Richteramtsprüfung erfolgt eine Bewerbung um eine freie Richterplanstelle. Daran schließt die Ernennunung durch den Bundespräsidenten beziehungsweise den ihn vertretenden Bundesminister für Justiz an.

Wie genau der Weg zum Richteramt aussieht und wie genau die Richteramtsprüfung abgehalten wird, findet ihr hier.

 

Großkanzlei
DORDA Rechtsanwälte GmbH

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Erfahre mehr über diesen Arbeitgeber und finde heraus, was ihn ausmacht.

 

Notar klingt doch gut…

Auch für das Berufsbild des Notars ist die Gerichtspraxis Voraussetzung. Nach der Praxis kann eine Bewerbung als Notariatsanwärter folgen. Anders als die Ausbildung zum Rechtsanwalt und die des Richters dauert die Praxisausbildung ganze sieben Jahre. Drei der sieben Jahre müssen zwingend in einem Notariat verbracht werden, um zur Notarsprüfung antreten zu dürfen. Nach Ablegen der Prüfung und Absolvierung der insgsamt sieben Praxisjahre kann man sich um das Notarsamt bewerben. Die Ernennung erfolgt auch hier durch den Bundesminister für Justiz. Das Durchschnittsalter von Notaren bei deren Ernennung liegt bei 44 Jahren.

Wie der Weg zum Notar genau aussieht und was ein Notar im Detail macht, findet ihr hier.

 

Oder doch in ein Unternehmen?

Das Jus Studium ist so breit gefächert, dass auch die Möglichkeiten danach endlos sind. Alle Türen stehen offen um als juristischer Berater oder in ganz anderen Gebieten - in Unternehmen - tätig zu werden. Möglichkeiten wie Versicherungen, Banken, Start-Ups und viele mehr stehen für Absolventen des Jus Studiums jederzeit offen. Die Bereiche, in denen fertige Juristen tätig werden können, reichen von beratenden Tätigkeiten über Recherche bis hin zum Verfassen von Schriftsätzen und juristischen Briefen. Auch in Rechtsanwaltskanzleien können Juristen mit abgeschlossenem Jus Studium als juristische Mitarbeiter tätig werden.

 

Wie auch immer die Entscheidung nach dem Studium aussieht, wissenswert ist, dass unendlich viele Möglichkeiten offen stehen. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst. Nach dem Studium noch Jahre von Praxisausbildung anhängen oder direkt in einem Unternehmen durchstarten - das ist die große Frage. Auch nach der Entscheidung oder nach angefangener Praxisausbildung kann immer noch in verschiedene Bereiche gewechselt werden. Hierdurch wird der Druck der endgültigen Entscheidung jedenfalls genommen. All denjenigen, die das Studium bereits abgeschlossen haben und nun auf der Suche sind:

 

“Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss des Studiums und viel Glück bei all euren weiteren Schritten!”

 


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Über den Autor

Carolina Kral - Autorin TalentRocket

Carolina Kral

Carolina Kral ist Studentin der Rechtswissenschaften an der Uni Wien und ist seit Beginn des österreichischen Karrieremagazins als Autorin für uns tätig.

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