Checkliste Erasmus-Semester

Verfasst von Sonja Vass. Veröffentlicht am 11.11.2020.

Studieren im Ausland

Was du bei der Planung von Erasmus-Semestern und ähnlichem bedenken solltest

Einmal ein Semester oder ein Jahr im Ausland zu studieren ist eine spannende Sache. Eine andere Kultur kennen lernen, eine neue Sprache lernen, eine andere Perspektive auf das eigene Studienfach gewinnen – es gibt viele gute Gründe dieses Abenteuer zu wagen. Wir haben die wichtigsten Punkte für dich zusammengefasst, die du bei der Planung bedenken solltest.

 

Warum ins Ausland?

Es klingt irgendwie nach Spaßbremse, aber als erstes solltest du dich fragen: Möchte ich das wirklich? Und warum? Im Ausland studieren klingt cool, ist aber definitiv kein Erholungsurlaub. Einfacher ist sicherlich, an deiner Heimatuniversität zu bleiben und planmäßig deine Prüfungen zu absolvieren. Wenn du für ein Jahr oder ein Semester ins Ausland gehst, kommt eine Menge Arbeit auf dich zu, die mit deinem Studienfach gar nichts zu tun hat. Immerhin – du übersiedelst für ein Jahr!
 

Wenn du immer schon vorhattest, dich auf Fächer mit starkem internationalen Bezug zu spezialisieren, etwa Völkerrecht oder Europarecht, oder du später mal im Ausland arbeiten möchtest, macht es jedenfalls Sinn, bereits während des Studiums den Blick über die eigenen Staatsgrenzen zu wagen. Es muss auch keinen besonderen Zweck haben, außer dich glücklich machen.


Wenn du nur deinen Lebenslauf mit einem Auslandssemester aufputzen möchtest, dich die ganze Angelegenheit aber eher stresst, lass es bleiben. Es gibt genug Leute, die gute Jobs haben, obwohl sie nie im Ausland waren.

Du würdest schon gerne einmal an eine Uni im Ausland, bist aber nicht sicher ob du zurecht kommst und möchtest nicht gleich für ein halbes Jahr übersiedeln? Dann ist vielleicht eine Summer Law School die bessere Alternative für dich.
 


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Wohin überhaupt?

Wenn du dich für ein Auslandssemester entscheidest, musst du als erstes klären, in welches Land du möchtest. Lieber in geographischer Nähe oder auf der anderen Seite der Welt? Sicherlich hast du schon eine Vorstellung, welche Regionen der Welt dich am meisten interessieren. Vielleicht ist es sogar dein liebstes Urlaubsland, das du einmal von einer anderen Seite kennen lernen willst. 

Kriterien für deine Auswahl sind neben persönlichen Vorlieben sicherlich wie gut du die Landessprache beherrscht bzw welche Unterrichtssprachen in deinem Zielland verwendet werden; die Lebenserhaltungskosten und auch wie einfach oder kompliziert die Anreise ist. Wenn dir etwa regelmäßige Wochenenden mit der Familie wichtig sind, ist es sicher sinnvoller, wenn das in wenigen Stunden mit Bahn oder Auto geht. 

Als nächstes solltest du dir ansehen, an welcher Universität du studieren möchtest.
 

Erasmusaufenthalte sind meist nur an Partneruniversitäten deiner Heimatuniversität möglich. Eine Liste derselben findest du auf der jeweiligen Homepage. Häufig werden auch Erfahrungsberichte veröffentlicht von Studierenden die schon dort waren. 


Bei der Bewerbung musst zwei oder drei Alternativen angeben, für den Fall, dass an einer Uni mehr Bewerber sind als freie Plätze. Meistens gibt es bestimmte Studienorte die besonders begehrt sind – etwa weil die Universität einen besonderen Ruf hat oder das Zielland allgemein ein beliebtes Reiseziel ist. Du erhöhst deine Chancen auf einen Studienplatz, wenn du dir auch Ziele aussuchst, die nicht unter die Top Ten im Beliebtheitsranking fallen. Oft können „Mauerblümchen“ nämlich sehr positiv überraschen.
 


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Kontakt zur Universität und Bewerbung

Wenn der grobe Plan steht, nimm mit dem Büro für internationale Angelegenheiten an deiner Universität Kontakt auf, falls du das noch nicht schon getan hast. Dort kannst du offene Fragen klären und erhältst ausführliche Informationen zu deinem geplanten Auslandsaufenthalt, außerdem die Dokumente und Formulare, die du für deine Bewerbung brauchst.

Jedenfalls erforderlich sind meist Lebenslauf und Motivationsschreiben in englischer Sprache, und entsprechende Nachweise über Sprachkenntnisse. Wenn ein Ranking der Bewerber vorgenommen wird, kann es sein dass du diverse Zeugnisse vorlegen musst. Das Höchstalter für das Erasmus-Programm ist übrigens 35 Jahre.
 

Sprachnachweis und Spracherwerb

Gute Englischkenntnisse sind ein absolutes Muss, wenn du ins nichtdeutschsprachige Ausland fährst. Darüberhinaus helfen zumindest Grundkenntnisse der Landessprache enorm weiter. Organisiere dir deshalb am besten rechtzeitig einen Sprachkurs. Mit etwas Motivation und regelmäßiger Übung kannst du nach zwei Semestern sicher schon einfache Konversationen führen.

Wenn du dich um das Erasmus-Programm bewirbst, musst du außerdem deine Sprachkenntnisse in Englisch bzw der jeweiligen Unterrichtssprache nachweisen. Erkundige dich rechtzeitig, was deine Universität als Sprachnachweis akzeptiert, damit du genug Zeit hast, noch nicht vorhandene Zeugnisse zu erwerben.

Gültige Nachweise können etwa Schulzeugnisse mit entsprechenden Noten im jeweiligen Fach sein, absolvierte Sprachkurse oder Lehrveranstaltungen in der Fremdsprache oder offizielle Zertifikate wie Cambridge Examen/TOEFL-Zertifikat (Englisch) oder DELF(Französisch).
 

Anrechnung von Lehrveranstaltungen

Nach Zusage für deinen Auslandsstudienplatz schließt du ein sogenanntes „Learning Agreement“ ab. Das heißt du gibst schon vorab bekannt, welche Lehrveranstaltungen du an deiner Gastuni besuchen möchtest, und klärst mit deiner Uni ab, was wofür angerechnet wird. Die meisten Unis veröffentlichen ihre Studien- und Kurspläne ähnlich wie bei uns in Österreich, im Internet. Falls du nichts findest oder dich nicht auskennst, schreib einfach eine Mail. 

Welche Fächer angerechnet werden, hängt von deinem Studiengang sowie deiner Universität ab.

Als Jurist*in bist du insofern eingeschränkt, da du deinen Abschluss im Recht deines Landes machst, und sich danach auch dein vorgeschriebener Studienplan richtet, auch wenn es spannend ist, das Recht anderer Länder kennenzulernen.

Sinnvoll ist daher, solche Fächer im Ausland zu absolvieren, die ohnehin einen internationalen Bezug haben, etwa Europarecht, Völkerrecht, Rechtsvergleichung oder Internationales Privatrecht. Diese werden auch meist problemlos anerkannt.  Manche Universitäten bieten die Möglichkeit, einen Studienschwerpunkt „Ausländisches Recht“ zu absolvieren, im Rahmen dessen sämtliche während eines Auslandsaufenthaltes besuchten Lehrveranstaltungen angerechnet werden können.

Außerdem können im Ausland absolvierte Lehrveranstaltungen als freie Wahlfächer angerechnet werden.

Wenn es dir wichtig ist, in der Mindeststudienzeit zu bleiben, kläre auch rechtzeitig, ob und wann du während deines Auslandsaufenthaltes versäumte Pflichtlehrveranstaltungen nachholen kannst.
 

Wohnung

Kümmere dich rechtzeitig um deine Unterkunft. Das naheliegendste in einer Universitätsstadt ist wahrscheinlich, in ein Studentenheim zu ziehen, allerdings ist das nicht die einzige Möglichkeit. Je nach persönlicher Vorliebe und Budget ist hast du die freie Wahl von Dauercamping, über Ferienwohnung, Wohngemeinschaft bis hin zum Hotel. Bedenke, je weiter weg von deiner Heimat du dann bist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Unterkunft zuvor besichtigen kannst, es ist also ein bisschen die berühmte „Katze im Sack“. Es empfiehlt sich deshalb nicht nur auf Kostenminimierung zu achten, sondern auch auf den Komfort, du sollst dich ja auch wohlfühlen. Achte dabei insbesondere auf Sanitäreinrichtungen, die Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz und die Sicherheitslage in deinem Gastland.

Wenn dein Auslandsstudium entsprechend nahe an deinem Heimatort stattfinden soll, etwa wenn du in Grenznähe wohnst, ist durchaus auch möglich zu pendeln. Erkundige dich in diesem Fall bei deiner Heimatuniversität, unter welchen Voraussetzungen Pendeln im Erasmus-Programm zulässig ist.
 

Finanzielles

Wenn du am Erasmus-Programm teilnimmst, erhältst du einen Zuschuss zu deinen Lebenserhaltungskosten. Das ist zwar ganz praktisch, allerdings lassen sich nicht allzu große Sprünge damit machen. Sinnvoll ist es, einen Auslandsaufenthalt mit einem ausreichenden finanziellen Polster zu starten. Fahr nur weg, wenn du dir sicher bist, dass nicht vor der Rückreise das Geld ausgeht!

Arbeiten im Ausland kann eine Möglichkeit sein, du solltest dich aber nicht darauf verlassen. Außerhalb der EU kann die Beschaffung einer Arbeitserlaubnis nicht ganz einfach sein. Wenn du arbeiten möchtest ist am besten ein HomeOffice-Job in deinem Heimatland. Das geht mit sinnvoller Internetverbindung nämlich von überall aus.
 

Behörden, Formalitäten und „Kleinkram“

Wie bei jeder Reise steht unter Umständen eine Menge Behördenkram an. Dass du dich um einen gültigen Reisepass und, bei Bedarf, um erforderliche Visa kümmern solltest, steht sich von selbst.

Hast du eine Kranken- und Unfallversicherung fürs Ausland? Wie sieht es mit der Gesundheitsversorgung in deinem Zielland aus? Gibt es irgendwelche vorgeschriebenen oder empfohlenen Impfungen? Wenn du mit dem Auto anreist oder am Ziel ein Auto mieten möchtest: Ist dein Führerschein dort gültig? Brauchst du zusätzliche Dokumente für dein Fahrzeug? Wie ist es mit der Internet- und Telefonverbindung? Kennen alle Leute die dir wichtig sind deine Kontaktdaten im Ausland? Wie ist es mit dem Zahlungsverkehr? Brauche ich eine Kreditkarte? Oder doch lieber genug Bargeld? All die Dinge, die du sicher auch kurz andenkst wenn du auf Urlaub fährst, sind bei einem längeren Aufenthalt umso wichtiger.

Wenn du dir jetzt denkst „um Himmels Willen, um was soll ich mich den noch kümmern?“

Vieles davon (zB Versicherungen) ist kein Muss. Es macht aber Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, um besser auf unvorhergesehene Ereignisse vorbereitet zu sein.

Wir hoffen, dass unsere Tipps dir weiterhelfen und wünschen dir viel Freude und Erfolg bei deinem Auslandsstudium!