Vermeintliche Mängel clever verkaufen

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 28.10.2020.

So werden Schwächen zu Stärken

Vermeintliche Mängel clever verkaufen

Bist du schon einmal beim Schreiben deines Lebenslaufes verzweifelt? Warum sollte denn auch jemand gerade dich einstellen, wenn du zweimal das Studium gewechselt hast, bevor du bei Jus gelandet bist, deine Leistungen im Studium teilweise zu Wünschen übrig ließen oder du Lücken im Lebenslauf hast, für die es keine gute Erklärung gibt? Keine Panik – der perfekte Lebenslauf landet nur äußerst selten auf dem Schreibtisch eines Personalers und selbst wenn, scheint dieser oft zu gut, um wahr zu sein. Wir erklären dir, wie du deine Schwächen zu Stärken machst oder zumindest, wie du dich trotz Schwächen gut verkaufen kannst.

 

Perfekte Menschen sind langweilig. Das finden nicht nur wir, sondern auch viele Personalverantwortliche. Da trifft es sich doch ganz gut, dass es von diesen vermeintlich perfekten Menschen auch nicht wirklich viele gibt. Auch wenn es dir manchmal so vorkommt als wärst du der Einzige, dessen Lebenslauf nicht genau vorgegebenen Normen entspricht, darfst du ganz beruhigt sein, denn fast allen anderen geht es genauso. Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass eine Kanzlei nicht zwangsläufig nach einem Musterstudenten Ausschau hält.
 

Zwar sind Noten und ein vorbildlicher Lebenslauf wichtig, jedoch steht auch immer im Vordergrund, dass ein Kandidat gefunden wird, der gut ins Team passt – egal, ob er oder sie nun einen Auslandsaufenthalt vorweisen kann oder nicht.


Konzentriere dich deshalb beim Verfassen deines Lebenslaufes nicht zu sehr darauf, deine Schwächen zu kaschieren, sondern mehr darauf, deine Stärken hervorzuheben. Verkaufe aber die verantwortlichen Personaler auch nicht für dumm – sie sind geschult darin, Beschönigungen zu erkennen und sehen auf den ersten Blick, wenn du etwas verheimlichst. Deshalb solltest du dich gut auf Fragen nach deinen Fehltritten vorbereiten und gut argumentieren.
 


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Das Studium davor – wirklich verschwendete Zeit?

Bevor du bei Jus gelandet bist, hast du es schon mit BWL oder Kulturwissenschaften versucht? Kein Grund, das zu verstecken! Der Wechsel des Studiengangs ist heute absolut kein Beinbruch mehr. Ganz im Gegenteil, es ist sogar möglich, dass dir dein vorheriges Studium einen Vorteil bringen kann. Hast du beispielsweise ein wirtschaftswissenschaftliches Studium begonnen, kann dich das in einer Kanzlei mit entsprechendem Schwerpunkt weiterbringen. Natürlich wäre es besser, wenn du das Studium abgeschlossen hättest, bevor du dein Jusstudium begonnen hast. Aber ein Nachteil ist es ganz sicher nicht, vor allem, wenn du es gut verkaufen kannst.
 

Ein Wechsel des Studiums kann außerdem dafür sprechen, dass du dir Gedanken gemacht hast und bereit bist, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen.


Wer mit seiner Situation nicht zufrieden ist, der sollte etwas daran ändern und nicht aus Angst vor einer Lücke im Lebenslauf daran festhalten. Auch Personaler wissen, dass du vielleicht nicht älter als 18 warst, als du dich für dein ehemaliges Fach entschieden hast – ein sehr junges Alter, um zu wissen, was man einmal machen möchte.

In jedem Fall solltest du aber gut erklären können, warum du dich für einen Wechsel entschieden hast. Hat dich eine Vorlesung im vorherigen Studiengang dazu inspiriert? Hast du in einem Praktikum Berührungspunkte mit Jus gehabt?
 

Konzentriere dich hier darauf, zu erklären, warum du dich für Jus und nicht warum du dich gegen dein bisheriges Studium entschieden hast und zeige so den Personalern, dass du eine bewusste Entscheidung getroffen hast und nun ganz hinter deinem Studium stehst.

 


Schlechte Noten sind kein Weltuntergang

Wir möchten nicht lügen: Schlechte Noten sind bei juristischen Arbeitgebern nicht gerne gesehen. Doch was tun, wenn die Prüfungen bei dir nicht den gewünschten Erfolg brachten? Zunächst einmal solltest du dich darauf einstellen, dass dein Zeugnis zu Absagen führen kann, ohne dass du überhaupt zum Gespräch eingeladen wirst. Bleibe realistisch und bewerbe dich nicht nur bei Top-Kanzleien (was nicht heißen soll, dass du das nicht versuchen solltest).

Trotzdem darfst du nicht vergessen, dass Noten nicht alles sind. Auch wenn du es so vielleicht schwerer hast, ist es nicht unmöglich, an deine Wunschstelle zu kommen.
 

Wie bereits erwähnt, macht es hier Sinn, dich auf deine anderen Stärken zu konzentrieren.


Kannst du einen Auslandsaufenthalt vorweisen? Gibt es wichtige Soft Skills, die du durch praktische Erfahrung stärken konntest? Hast du Zusatzqualifikationen erworben? Engagierst du dich in deiner Freizeit für soziale Projekte oder bist du politisch aktiv (letzteres kann ein Vorteil sein, hier sollte man aber je nach Situation abwägen)?

Siehst du mit deinen Noten keine Chance in deiner Traumkarriere, solltest du dich schon während des Studiums informieren, ob es eine Möglichkeit gibt, die Leistungen zum Beispiel durch das Ablegen einer Wiederholungsprüfung zu verbessern.

 

Der Einstieg nach dem Studium ist nicht gleich gelungen?

Wenn du nicht gleich im Anschluss an dein Studium einen Job findest, solltest du dir nicht zu viele Sorgen machen.
 

Bis zu sechs Monate sind für die meisten Personaler*innen akzeptabel und auch keine Seltenheit. Achte aber darauf, dass du die Zeit mit einer sinnvollen Tätigkeit überbrückst.


Das können Praktika sein, die vielleicht auch gleich zu einem Job führen können, eine Zusatzqualifikation wie zum Beispiel ein Sprachkurs oder – wenn der Geldbeutel dir keine andere Wahl lässt – auch ein Nebenjob, der die Miete sichert. Zeige, dass du nicht nur auf der faulen Haut lagst.

 

Arbeitslosigkeit zwischen den Jobs

Nicht nur nach dem Studium kann es zu einer längeren Arbeitslosigkeit kommen. Auch eine Kündigung kann dazu führen, dass du nicht nahtlos von einem Job in den anderen wechseln konntest. Das hat oftmals gar nichts mit dir persönlich zu tun. Eine Kündigung kann beispielsweise wegen Insolvenz oder Stellenabbau erfolgen und das sollte in deiner Bewerbung auch klar kommuniziert werden. Eine solche Aussage kann aber sehr leicht überprüft werden, deshalb solltest du hier unbedingt bei der Wahrheit bleiben.

Wurdest du aufgrund von schlechten Leistungen oder sonstigen persönlichen Gründen entlassen, dann erwähne das nicht in deiner Bewerbung. Versuchst du, dich zu verteidigen, kann das schnell einen schlechten Eindruck machen und dich nur in einem noch schlechterem Licht dastehen lassen.

Noch ein Tipp zum Thema Arbeitslosigkeit: Verwende das Wort „arbeitslos“ niemals in deiner Bewerbung. Spreche stattdessen lieber von „arbeitssuchend“. Das klingt deutlich positiver und proaktiver und kann auch die Wahrnehmung des Personalers beeinflussen.
 

Auch hier solltest du erwähnen, wie du deine „freie“ Zeit genutzt hast und eventuelle Fortbildungen oder Freiwilligenarbeit auf keinen Fall unterschlagen.


 

Die Jobsuche ist auch für Jurist*innen meist eine nervenaufreibende Angelegenheit. Die Tatsache, dass die Studienkollegen oder fiktive Mitbewerber scheinbar bessere Leistungen bringen und besser qualifiziert sind, macht die Sache nicht einfacher. Es gilt, die eigenen „Schwächen“ zu erkennen, das Gute in ihnen zu sehen und offen mit sich selbst und dem potenziellen Arbeitgeber zu sein. Sich selbst in ein gutes Licht zu rücken, wenn man das Gefühl hat, dass man eigentlich hochstapelt, ist oft nicht einfach. Mache dir deshalb bewusst, dass nichts dabei ist, die Realität etwas zu beschönigen – und dass Personaler*innen genau das von dir erwarten!

 

 


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