Sind Soft Skills wichtiger als gute Noten?

Diese Sozialkompetenzen brauchen Juristen


Hoch qualifizierte Bewerber*innen sind bei Kanzleien heiß umkämpft – aber wer sagt eigentlich, dass es bei der Qualifikation nur um das geht, was auf dem Papier steht? Ohne Soft Skills kommt auch der*die Anwält*in mit den besten Noten und Referenzen irgendwann an seine Grenzen. Was sollte man als gute*r Jurist*in also können, um auch die besten Kanzleien zu überzeugen?


Als Anwält*in geht es um weit mehr als ein paar Paragrafen zu kennen und diese zum Vorteil der Mandantschaft auszulegen. Wäre das der Fall, gäbe es vermutlich viel mehr wirklich gute Jurist*innen. Was vielen fehlt, ist das sprichwörtliche Sahnehäubchen – die Soft Skills! Eine hervorragende Rhetorik, Durchsetzungsvermögen, Teamfähigkeit und emotionale Intelligenz sind nur einige der Kompetenzen, die ein*e Anwält*in mitbringen sollte, um wirklich erfolgreich zu sein. Keine dieser Fähigkeiten lernt man direkt an der Uni und wenn doch, wird deren Bedeutung nicht nur von den Dozent*innen, sondern vor allem auch von den Studierenden gern unterschätzt. Dabei werden Soft Skills immer wichtiger!
 

Diese Soft Skills gilt es zu meistern

Der Beruf als Anwält*in, Richter*in oder Unternehmensjurist*in ist außerordentlich vielfältig. Dennoch gibt es ein paar Soft Skills, die fast überall gefragt sind. Dazu gehören zum Beispiel: 

  • Konfliktmanagement: Du solltest wissen, wie du mit schwierigen, aufgeladenen Situationen umgehen musst und wie du in solchen als Mediator*in vermitteln kannst.

  • Verhandlungstechniken: Als Anwält*in musst du die Interessen deiner Klient*innen durchsetzen. Bestimmte Techniken helfen dir dabei und machen aus dir eine*n erfolgreiche*n Jurist*in.

  • Kommunikation: Nicht alle Menschen, mit denen du zusammenarbeitest, sind selbst Jurist*innen – auch aus diesem Grund musst du an deiner Kommunikationsfähigkeit arbeiten. Doch auch im Team ist eine effektive Kommunikation die beste Basis für Erfolg.

  • Rhetorik: Nicht nur, was du sagst, sondern auch wie du es sagst, ist im Anwaltsberuf von großer Bedeutung. Eine professionelle Rhetorik hilft dir dabei, dich richtig auszudrücken.

  • Teamfähigkeit: Die Zeiten des Einzelkämpfers sind vorbei. Heutzutage musst du wissen, wie du dich in ein Team einfügst und mit anderen zusammenarbeitest.

  • Selbstbewusstes Auftreten: Als Jurist*in musst du Kompetenz vermitteln. Mit einem selbstsicheren und ruhigen Auftreten sicherst du dir das Vertrauen deiner Mandanten.
     


Soft Skills und Hard Skills auf jeder Stufe der Karriereleiter

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Wie lernt man Soft Skills?

Im Grunde sind Soft Skills die Grundlage für die Arbeit mit Mandanten. Nur wer gut mit Menschen kann, kann diese auch gut beraten oder verteidigen. Doch wo lernt man so etwas? 

Wer seine Hard Skills um ein paar Soft Skills ergänzen möchte, der sollte schon an der Uni die Augen aufhalten. Hier werden nämlich oft Seminare oder Wahlfächer angeboten, in denen man sich auf den Alltag in der Kanzlei vorbereiten kann. Werden diese spezifisch für Jurist*innen angeboten, umso besser – doch auch von allgemeinen Kursen kannst du profitieren. Diese sind nicht immer direkt auf Jus zugeschnitten, können aber auch dir bei der Entwicklung deiner zwischenmenschlichen Fähigkeiten helfen.

Wenn du noch studierst, gibt es keine bessere Möglichkeit deine Soft Skills als Jurist*in zu trainieren als Moot Courts, Law Clinics oder studentische Rechtsberatung. Hier sammelst du erste praktische Erfahrungen und kannst diese sozusagen als „Trockenübung“ nutzen, um deine Fähigkeiten weiter auszubauen und dir Feedback von deinen Studienkollegen oder Professoren einzuholen. Nicht nur lernst du hier, woran du noch arbeiten musst – du kannst auch entdecken, wo deine Stärken liegen, und diese noch weiter ausbauen.

Bist du bereits im Berufsleben angekommen, hast du in der Regel auch hier mehr als genug Möglichkeiten, um dich in diese Richtung weiterzubilden. Fortbildungen sind bei den meisten Arbeitgebern immer gern gesehen und gerade wenn du in der ein oder anderen Disziplin noch Verbesserungsbedarf siehst, wird es nicht schwierig sein, deine*n Chef*in davon zu überzeugen. Oft übernimmt auch dein Arbeitgeber die Kosten für entsprechende Seminare und Weiterbildungen.
 

Ab in die Praxis – Learning on the Job

Im Gegensatz zu den Hard Skills, die man oft auch in der Theorie sehr gut erlernen kann, sind Soft Skills Fähigkeiten, die man sich am besten in der Praxis aneignet. Manchmal muss man dazu ins kalte Wasser springen – doch als Anwält*in solltest du vor neuen Situationen keine Scheu haben (auch das ist übrigens ein wichtiger Soft Skill). Bereits während des Studiums kannst du in einem Praktikum lernen, wie du mit Mandanten umgehst, wie du Konflikte löst oder wie du besonders wirkungsvoll vor anderen sprichst. Auch wenn in deinem Studium kein Pflichtpraktikum vorgesehen ist, kann es dir sehr weiterhelfen, ein solches zu absolvieren – am besten in einer Kanzlei oder in der Rechtsabteilung eines Unternehmens. Als sogenannte*r Rechtshörer*in lassen sich ebenfalls praktische Erfahrungen sammeln.

Sinn eines Praktikums ist es, die eigenen Fähigkeiten zu testen und vor allem denen über die Schulter zu schauen, die wissen, wie es geht. Zwar lernst du am meisten, wenn du etwas selbst tust, doch auch wenn du noch keinen direkten Mandantenkontakt hast, kannst du vom bloßen Zusehen stark profitieren. 
 


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Mit den richtigen Soft Skills zum Traumjob

Gute Noten bringen dich zum Vorstellungsgespräch – Soft Skills sichern dir die Stelle. Wenn du bei der Bewerbung und später auch im Job überzeugen willst, sollten deine Soft Skills nicht zu Wünschen übrig lassen. Weil dein potenzieller Arbeitgeber nicht in dich hineinschauen kann, ist es wichtig, dass du zumindest den ein oder anderen Nachweis deiner Fähigkeiten mitbringst. Dafür eignen sich zum Beispiel Zertifikate für bestandene Seminare, Nachweise über die Teilnahme an Moot Courts oder Tätigkeiten in Law Clinics, aber auch fachfremde Qualifikationen wie die Mitgliedschaft im Sportverein, ehrenamtliches oder politisches Engagement (bei letzterem ist immer etwas Vorsicht geboten), Tätigkeiten als Nachhilfelehrer*in oder Tutor*in und viele weitere „Beweise“, dass du neben guten Studienleistungen auch noch das gewisse Etwas mitbringst. Auch bei weniger guten Noten können Soft Skills ausschlaggebend sein, hier solltest du also auf keinen Fall tiefstapeln!

 

Soft Skills waren schon immer wichtig – nicht erst, seit die Bezeichnung Einzug in den deutschen Sprachgebrauch hielt. Dennoch lässt sich beobachten, dass Kanzleien und Unternehmen immer mehr Wert auf diese Fähigkeiten legen und Bewerber ohne Sozialkompetenzen es trotz guten Noten schwerer haben. Soft Skills setzen übrigens nicht voraus, dass du ein charismatischer, extrovertierter Mensch bist – auch introvertierte Jurist*innen können über sehr beeindruckende Soft Skills verfügen und so in der Jus Arbeitswelt sehr erfolgreich werden. 


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