Besprechung Arbeitskollegen

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 09.12.2020.

Richtig Feedback geben in 5 Schritten

Wann wurdest du das letzte Mal gelobt?

Eine schwäbische Redensart besagt: „Nicht geschimpft ist genug gelobt“. An diesem Sprichwort scheinen sich auch österreichische Chefs gern zu orientieren. Im Gegensatz zu anderen Ländern wird hier nämlich weniger positives Feedback verteilt: Wenn etwas gut läuft, muss man es ja schließlich nicht erwähnen, oder? Dabei kann richtiges Feedback so viel bewirken – egal, ob positiv oder negativ. Denn nur wer seinen Mitarbeitern kommuniziert, dass seine Erfolge gesehen und Misserfolge konstruktiv angegangen werden, kann sein Team auf Dauer motivieren. Doch wie gibt man eigentlich richtig Feedback?

 

1. Der richtige Zeitpunkt

Feedback solltest du immer zeitnah geben – kritisierst du die Arbeit eines Mitarbeiters eine Woche später, kann dieser die Rückmeldung nicht mehr wirklich mit dem eigentlichen Ereignis verbinden. Die Reflexion, was denn nun eigentlich gut oder schlecht lief, fällt demjenigen dann deutlich schwerer. Stattdessen solltest du gleich im Anschluss an ein Projekt Feedback geben und dir dafür ausreichend Zeit nehmen. Bei einer Rückmeldung zwischen Tür und Angel wird sich die Person nur bedingt respektiert fühlen.

Ziel ist, dass sich dein Gegenüber in der Situation wohlfühlt, schaffe also eine angenehme Atmosphäre und bleibe auf jeden Fall unter vier Augen, wenn du eine negative Rückmeldung geben möchtest. Wichtig zu beachten ist außerdem, dass du zum Zeitpunkt des Feedbacks nicht gestresst oder anderweitig schlecht gelaunt bist. Das wirkt unprofessionell und signalisiert, dass du der Sache nicht neutral gegenüberstehst. 
 

Tipp: Feedback sollte es nicht nur zwei Mal im Jahr geben!


Regelmäßige Rückmeldungen helfen bei der Weiterentwicklung und geben die Richtung vor. Halte dich dabei auch mit positivem Feedback nicht zurück. Zwar solltest du deine Mitarbeiter oder Kollegen nicht mit Lob überschütten, aber das ein oder andere Meeting kann auch mal für ein „Thumbs-Up“ genutzt werden.


2. Die richtige Vorbereitung

Gerade auf ein längeres Feedback-Gespräch solltest du auf jeden Fall gut vorbereitet sein! Denn auch wenn du genau weißt, was du sagen möchtest, heißt das noch lange nicht, dass du auch weißt, wie du es sagen möchtest. Wenn es sich nicht um eine umfangreiche Bewertung handelt, ist es wichtig, dass du dich auf wenige Punkte beschränkst, die du ansprechen willst – am besten nicht mehr als drei. Mehr kann der Mitarbeiter oder Kollege gar nicht verarbeiten und so auch nicht wirklich daraus lernen. 
 

Überlege dir, wo für dich am meisten Verbesserungspotenzial liegt, beziehungsweise, was die Person ganz besonders gut gemacht hat, und lege dir dann die richtigen Worte zurecht.


Denn selbst wenn man sich vornimmt, einmal ein nettes Wort zu jemandem zu sagen, fällt das oft nicht leicht. Seine Mitarbeiter, Kollegen oder Studienkollegen zu loben, kostet viel Überwindung – viele haben darin einfach zu wenig Übung. 
 


3. Die richtige Formulierung

Wahrscheinlich hast du das schon in der Schule gelernt: Wer etwas Negatives sagen möchte, sollte zuerst etwas Positives sagen. An dieser Technik ist etwas dran. Negatives Feedback solltest du so verpacken, dass sich der Betroffene nicht vor den Kopf gestoßen fühlt. Dazu gehört, auch seine positiven Leistungen hervorzuheben. Leider haben viele Vorgesetzte damit ein Problem. Oder sie vergessen es schlichtweg. Viel zu oft sehen sie ihre Aufgabe nur darin, die Fehler ihrer Mitarbeiter aufzudecken und zu beheben. Auch wenn sie oft registrieren, dass sehr viel gute Arbeit geleistet wird, konzentrieren sie sich nur auf das, was verbessert werden soll. Das kann im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass sich die Leistung des Mitarbeiters weiter verschlechtert.
 

Denn viele Menschen werden nicht von Kritik dazu angespornt, sich dazu verbessern, sondern von Lob. Haben sie das Gefühl, dass ihre Leistungen nicht gesehen werden, resignieren sie.


Das ist jedoch nicht die einzige Technik, Kritik so zu vermitteln, dass sie richtig aufgenommen wird. Egal, ob man einem Mitarbeiter oder einem Kollegen Feedback gibt, ist es immer wichtig, hervorzuheben, dass es sich dabei um einen persönlichen Eindruck handelt. Das gelingt durch sogenannte „Ich-Botschaften“. Sätze, die mit Formulierungen beginnen wie „Ich finde, dass...“ oder „Ich habe den Eindruck, dass...“, wirken diplomatischer und weniger einschüchternd als „Du musst...“ oder „Es ist nicht gut, dass du...“. Wähle dennoch klare Worte und versuche, nicht allgemein zu sprechen. Dein Gegenüber muss genau verstehen, was er oder sie nicht gut gemacht hat oder was er verbessern soll. 


4. Der richtige Effekt

Damit du mit deinem Feedback das erreichst, was du möchtest, musst du auf jeden Fall konstruktive Kritik üben. Das bedeutet, dass du, wenn du eine Verbesserung sehen möchtest, auch einen Verbesserungsvorschlag bringen solltest. Statt einem „Du musst schneller arbeiten“ könntest du zum Beispiel vorschlagen: „Ich finde, du hast das Potenzial, noch produktiver zu arbeiten. Stelle dir am besten einen Zeitplan für die nächsten Wochen auf. Wir können auch zusammen daran arbeiten.“
 

Gebe der Person konkrete Ideen und Ziele mit auf den Weg, anstatt sie mit bloßen Aussagen zu verunsichern.


Dabei solltest du, vor allen, wenn du in einer Führungsposition bist, unbedingt darauf achten, mit gutem Vorbild voranzugehen. Erwartest du von deinen Mitarbeitern Dinge, die du selbst nicht schaffst, sorgt das nur für Frustration oder gar Wut und hat somit den gegenteiligen Effekt. 
 


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5. Die richtige Reaktion

Wenn du eine angenehme Atmosphäre geschaffen und deine Kritik konstruktiv und sachlich gehalten hast, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dein Gegenüber nicht still dasitzt und das Meeting über sich ergehen lässt. In der Regel wird derjenige versuchen, sich zu verteidigen, sich zu erklären – oder sich bedanken und selbst Vorschläge machen, wie es besser laufen kann. Während letzteres natürlich der Idealfall ist, solltest du auch mit einer negativen Reaktion rechnen. Das ist im ersten Moment durchaus verständlich.
 

Höre gut zu und zeige, dass du die Argumente und Einwände verstehst. Gehe dabei nicht davon aus, dass du es besser weißt, sondern versuche dich auch in dein Gegenüber hineinzuversetzen und seine Bedürfnisse zu berücksichtigen. 


Das bedeutet nicht, dass du deine Kritik zurücknehmen sollst. Jedoch ist es wichtig, dass du Verständnis zeigst und auch bereit bist, bei der Lösungsfindung Kompromisse einzugehen. Oft wissen die Mitarbeiter selbst, dass sie eine schlechte Leistung erbracht haben und haben eigene Ideen, wie sie das in Zukunft vermeiden möchten. Arbeite mit deinem Team und nicht dagegen!
 

Gutes Feedback zu geben, ist eine Kunst für sich. Dabei ist es ein wichtiger Teil der Kommunikation nicht nur im professionellen, sondern auch im persönlichen Bereich. Zu lernen, wie man seinen Mitarbeitern, Arbeitskollegen oder Studienkollegen richtig Feedback gibt, bedeutet zu lernen, richtig zuzuhören und konstruktiv mit Problemen umzugehen. Und nicht vergessen: Feedback kann genauso positiv sein. Habe immer ein gutes Wort für die Menschen um dich herum übrig und beobachte, wie positiv sie darauf reagieren. Jeder freut sich über ein wenig Lob!
 


 

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