Raus aus der Kanzlei, rein in die Welt: So funktioniert ein Sabbatical

Wie du als Jurist eine Auszeit bekommst...


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 03.04.2019

 

„Nimm dir doch mal eine Auszeit!“ Welcher vielbeschäftigte Jurist hat diese Aussage noch nie zu Ohren bekommen? Einfach mal ausspannen und das tun, was man möchte, ist oft leichter gesagt als getan. Wenn der normale Alltag durchgeplant ist, die Urlaubstage für familiäre Verpflichtungen oder, noch schlimmer, für Arztbesuche oder ähnliches draufgehen, dann bleiben im Normalfall vielleicht noch ein oder zwei Wochen im Jahr, die man ganz für sich selbst hat. Zu wenig – findet besonders die Generation Y, die in den letzten Jahren den Arbeitsmarkt erobert hat. Viele Kanzleien haben darauf eine Antwort gefunden: Das Sabbatical!

 

 

Was ist ein Sabbatical überhaupt?

Wer jetzt schon plant, wie viele unerfüllte Träume er in seinem Sabbatjahr verwirklichen kann, der muss jetzt erst einmal ganz stark sein. Von einem ganzen Jahr Pause, wie das ursprünglich in der Bibel nach sechs Jahren Arbeit vorgesehen war, kann hier nämlich überhaupt keine Rede sein.

 

Vielmehr versteht man unter einem Sabbatical in der Kanzleiwelt oft nicht mehr als einen verlängerten Urlaub.

 

Mehr als sechs Monate sind bei den wenigsten drin, oft gelten auch schon drei oder vier zusätzliche Urlaubswochen als Sabbatical. Und das kann man sich natürlich auch nicht jedes Jahr erlauben. Einen Lichtblick gibt es zumindest: Mittlerweile werden vereinzelt auch schon Sabbaticals für Associates angeboten. Der Luxus einer Auszeit ist also nicht mehr nur Partnern vorbehalten. Das hängt aber, wie so vieles bei diesem Thema, ganz von der Kanzlei ab. Länge, Zeitpunkt und auch, ob während des Sabbaticals der (volle) Lohn weitergezahlt wird, ist individuell vom Arbeitgeber abhängig und je nachdem, wie strikt die Vorgaben sind, lässt sich hier mit viel Überzeugungskraft noch ein wenig verhandeln.

 

Und was sage ich meinem Chef?

Deine Kanzlei bietet also ein Sabbatical an und du möchtest es nutzen. Soweit so gut. Urlaub eintragen und nichts wie weg? So einfach ist es leider im Regelfall nicht. Normalerweise steht ein Gespräch mit dem Vorgesetzten an. Der wird dich vermutlich nach dem Grund für deine Auszeit fragen. Auch wenn du offiziell meist keine Angaben machen musst, solltest du auf diese Frage vorbereitet sein. Gerade bei kleinen Kanzleien, wo ein Sabbatical nicht an der Tagesordnung steht, solltest du gut argumentieren können. Eine Auszeit bringt im Endeffekt nicht nur dir etwas, auch der Arbeitgeber profitiert davon, wenn seine Mitarbeiter ausgeruht und motiviert sind. Mitarbeiterzufriedenheit ist heute schließlich so wichtig wie nie. Um dieses Argument anzuführend, solltest du allerdings im besten Fall schon einige Jahre dabei sein und mit guter Arbeitsmoral auffallen. Ansonsten ist dieser Vorwand eher fadenscheinig. Bleib auf jeden Fall bei der Wahrheit.

 

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Geht überhaupt etwas ohne mich?

Als guter Jurist fragt man sich natürlich: Was passiert denn dann, wenn ich nicht da bin? Berechtigte Frage. Du bist schließlich ein wichtiger Teil eines Teams. Aber - wenn du wirklich absolut unentbehrlich bist und bei deinem Wegbleiben sämtliche Kanzleistrukturen in Trümmern liegen würden, dann würde dich dein Arbeitgeber vermutlich auch nicht gehen lassen. Also mach dir darüber, wenn dein Antrag bewilligt wird, absolut keine Gedanken. Du sollst die Zeit ja nutzen, um einmal nicht an die Arbeit zu denken. Trotzdem musst du natürlich vor deinem Wegfall einiges bedenken. So solltest du darauf achten, dass nicht mehrere Kollegen zur gleichen Zeit im Urlaub sind.

 

Du solltest dich außerdem gut und ausführlich mit deinen Kollegen um die Übernahme deiner Aufgaben absprechen, damit ohne dich alles wie gewohnt über die Bühne geht.

 

Plane eventuell Zeit ein, um einen anderen Mitarbeiter einzuarbeiten. Stelle sicher, dass auch ohne dich (zumindest vorübergehend) alles glatt läuft. Gute Kommunikation ist hierfür unerlässlich.

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Die Qual der Wahl: Was mache ich dann eigentlich?

Solch eine lange, teils bezahlte Auszeit kannte man bisher nur von Beamten, vielleicht sogar von den eigenen Lehrern, die plötzlich einfach mal ein Jahr weg waren und dann mit Urlaubsfotos und tollen Geschichten wieder frisch im Klassenzimmer standen. Längere Reisen stehen natürlich ganz oben auf der Liste, wenn es um die genaue Planung geht. Aber auch andere Möglichkeiten sollte man in Betracht ziehen. Warum nicht die Zeit nutzen, um sie an die Familie zurückzugeben? Qualitative Zeit mit dem Partner und den Kindern verbringen. Zusammen mit den Eltern oder Großeltern etwas unternehmen, mit denen man vielleicht sonst nicht mehr viel Zeit hat. Auch soziale Projekte sind beliebt: Diese lassen sich gut mit einem Auslandsaufenthalt verbinden. Wie man seine freie Zeit nutzen möchte, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Wer möchte, kann auch einfach ein paar Wochen auf dem Sofa verbringen. Oder man fängt mal etwas ganz Neues an. Du wolltest schon immer mal einen Roman schreiben – Füll die leeren Seiten! Endlich mal richtig kochen lernen – Dann ran an die Pfannen!

 

Du darfst tun, was immer du möchtest.

 

Wo gibt es Sabbaticals?

Gerade bei Großkanzleien gehört es fast schon zum guten Ton, eine Auszeit der ein oder anderen Art anzubieten. Dazu gehören auch Modelle wie Unpaid Leave oder Study Leave. Auch eine Kombination mit den regulären Urlaubstagen, die dann einfach im Anschluss genommen werden können, ist im Regelfall kein Problem. In Österreich bieten beispielsweise Großkanzleien wie Dorda Sabbaticals an und auch bei Freshfields wird das Angebot gerne und regelmäßig von den Mitarbeitern in Anspruch genommen. Aber auch mittelständische und Boutiquekanzleien solltest du im Auge behalten. Mit Benefits wie diesen versuchen viele Kanzleien, potenzielle Arbeitnehmer von sich zu überzeugen und gerade für kleinere Kanzleien kann eine solche Maßnahme den Ausschlag geben. Normalerweise ist es bekannt, ob die eigene Kanzlei ein Sabbatical anbietet. Im Zweifelsfall darf man gerne einmal nachfragen. Es gilt: Fragen kostet nichts. Vielleicht gibst du damit ja den richtigen Anstoß und im schlimmsten Fall bekommst du einfach ein „Nein“ zu hören.

 

Du siehst: Als Luxus oder „Karrierekiller“ kann man das Sabbatical schon lange nicht mehr bezeichnen. Zwar ist die Auszeit zeitlich oftmals nicht ganz so umfangreich, wie sich das viele wünschen würden, andererseits darf heutzutage ein großer Teil der bei Kanzleien beschäftigten Juristen von diesem Konzept profitieren, ohne sich Gedanken über das berufliche Image zu machen und negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Wenn dir eine gute Work-Life-Balance wichtig ist, dann solltest du also bei der Kanzleiwahl darauf achten, wie die Regelungen bezüglich Sabbaticals gehandhabt werden.

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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