Neuer Job gesucht? So meistert man das Vorstellungsgespräch

Wie Juristen einen Jobwechsel begründen sollten


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 19.06.2019

 

Unzufrieden mit seinem Job zu sein ist keine Seltenheit – auch nicht unter Juristen. Das kann viele Gründe haben: Fehlende Aufstiegschancen, nervige Kollegen, unangemessenes Gehalt, zu wenig Freizeit... Auch Juristen sind hier keine Ausnahme: Wenn man aus einer Stelle herauswächst und in der Kanzlei oder dem Unternehmen keine Zukunft mehr sieht, steht bei vielen ein Jobwechsel an. Im Bewerbungsprozess finden sich jedoch viele mit der Frage konfrontiert, wie sie ihre neue berufliche Orientierung rechtfertigen sollen und sehen sich dabei in einer Zwickmühle. Dabei ist das gar nicht so schwer. Wir erklären, wie man sich am besten verhält, wenn der potenzielle Arbeitgeber kritische Fragen stellt.


 

Warum die Motivation für Personaler überhaupt relevant ist

Natürlich ist es für Personaler wichtig, warum ein Bewerber auf der Suche nach einer neuen Stelle bist. Wurde er beispielsweise entlassen, macht das natürlich einen schlechten Eindruck und sollte gerechtfertigt werden, besonders wenn es aufgrund von schlechter Leistung oder persönlichen Differenzen dazu kam. Aber nicht nur das interessiert den Arbeitgeber: Dieser möchte wissen, warum der Bewerber bei seiner letzten Tätigkeit unzufrieden war. Wenn der neue Arbeitsplatz eben auch nicht das Umfeld bieten kann, nach dem der Bewerber sucht, dann macht es nur wenig Sinn, ihn einzustellen und einen potenziell unzufriedenen Mitarbeiter zu beschäftigen. Beschwert sich beispielsweise ein Bewerber über die zu hohe Arbeitsbelastung, obwohl auch in dem neuen Unternehmen 50-Stunden Wochen keine Ausnahme sind, so kann das für einen Personaler ein wichtiges Kriterium sein.

 

So antwortet man richtig

Natürlich hängt es ganz von der Situation ab, wie man auf die Frage nach der Motivation für einen Jobwechsel antworten sollte. Ein paar Dinge gibt es allerdings zu beachten und sollte man im Vorstellungsgespräch immer im Hinterkopf behalten:

 

  1. Hinter der Entscheidung stehen

    Selbstbewusstsein ist das A und O, wenn es darum geht, einen Veränderungswunsch zu erklären. Wer im Vorstellungsgespräch klein beigibt oder gar durchscheinen lässt, dass er seine Entscheidung bereut, der hat schlechte Karten. Besonders wenn es eine Kündigung zu erklären gilt, sollte man versuchen, keinen verzweifelten Eindruck zu machen, sondern seine positiven Errungenschaften in den Vordergrund stellen. Das gilt natürlich auch dann, wenn man selbst gekündigt hat: Wer sich selbst schlecht redet, der könnte schnell als nicht durchsetzungsfähig und nicht selbstbewusst genug für die Stelle wahrgenommen werden. Besonders, wenn man sich auf eine höhere Stelle bewirbt oder ein höheres Gehalt anstrebt, sollte man voll und ganz hinter dieser Entscheidung stehen und ausstrahlen, dass man die richtigen Voraussetzungen mitbringt. Arroganz ist hingegen auch nicht angebracht:
    Wer sich verhält, als hätte er die Stelle schon in der Tasche, wirkt schnell unsympathisch. Ein Mittelmaß zu finden, sollte im Vordergrund stehen.

 

  1. Lügen haben kurze Beine

    Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, trotzdem neigen manche Bewerber dazu, die Realität zu verdrehen. Notlügen und Halbwahrheiten sollten während des Bewerbungsgesprächs hinten angestellt werden, stattdessen sollte man sich auf die Zukunft konzentrieren. Anstatt beispielsweise ausführlich aufzuzählen, was bei dem letzten Job alles schief ging und die Schuld auf andere zu schieben, sollte man lieber davon sprechen, welche neuen Herausforderungen man sich von der ausgeschriebenen Stelle verspricht. Es gilt: Betone lieber, warum du einen neuen Job möchtest, als zu erklären, warum du deinen alten Job nicht mehr möchtest. Auch Gründe, die mit der eigentlichen Stelle nichts zu tun haben, sollte man vermeiden. Wenn beispielsweise die Kita des Kindes viel näher an dem Standort der neuen Kanzlei liegt oder man gehört hat, dass die Weihnachtsfeier hier der Wahnsinn sein soll, dann sollte man das für sich behalten. Den Personaler interessiert die fachliche Motivation, nicht deine persönlichen Interessen.

 

  1. Wer lästert, fliegt raus

    Im alten Job ständig Stress mit den Kollegen gehabt? Auch das sollte man lieber für sich behalten. Wer schon im Vorstellungsgespräch beginnt zu lästern und andere schlecht zu machen, der wird schnell als schwieriger Mensch und nur bedingt teamfähig identifiziert. Über den letzten Arbeitgeber herzuziehen ist schlicht unprofessionell und zeugt von schlechter Selbstreflexion. Wer dagegen authentisch bleibt und eigene Fehler einräumt, kann Sympathiepunkte sammeln – natürlich sollte auch das im Rahmen bleiben und immer klar werden, dass man an sich gearbeitet hat.


 

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Gründe für den Jobwechsel

 

Welche Gründe sollte man also nun konkret anführen, wenn man darauf angesprochen wird? Legitime Begründungen können beispielsweise sein:

 

  • Man möchte sich auf ein Rechtsgebiet spezialisieren, hat dazu aber in seiner bisherigen Kanzlei keine Möglichkeit, möchte deshalb in eine spezialisierte Kleinkanzlei wechseln – oder aber man möchte seine Kenntnisse erweitern und wechselt deshalb in eine größere Kanzlei

  • Man wurde bei seinem vorherigen Arbeitgeber nicht als Partner berücksichtigt und sieht bei der neuen Kanzlei die Möglichkeit für einen Aufstieg auf der Karriereleiter

  • Der bisherige Job bestand zu sehr aus Schreibarbeit und weniger aus Zeit im Gericht


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Überblick: Das sind die No-Gos:

 

  • Keine Selbstkritik und Selbstverantwortung

  • Lästern über vergangene Arbeitgeber und Kollegen

  • Arrogantes Auftreten

  • Unverhältnismäßige Gehaltsforderungen

  • Unhöflichkeit und Unpünktlichkeit


 

Das ist alles, was du wissen musst, wenn du dich auf eine neue Stelle bewirbst. Am wichtigsten ist es, sich gut auf eventuelle Fragen vorzubereiten und eine plausible und diplomatische Antwort bereitzuhalten, dabei aber immer bei der Wahrheit zu bleiben. Wer einen guten Grund für seinen Wechsel hat, wird dann auch keine Probleme haben, seinen Wunsch nach Veränderung zu erklären. Geht man mit einer positiven Einstellung in das Gespräch, kann eigentlich nicht mehr viel schief laufen!

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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