Letzte Hürde „Diplomarbeit“

Überlegungen und Stolperfallen bei der Themenwahl


verfasst von Sonja Vass und veröffentlicht am 19.02.2020

 

Die Diplomarbeit ist ein wichtiger Schritt zum erfolgreichen Studienabschluss, aber nicht immer der einfachste. Die Grundlage für Erfolg oder Misserfolg wird häufig schon mit der Themenwahl gelegt, weshalb es Sinn macht sich darüber rechtzeitig Gedanken zu machen. Wir haben einige beliebte Gründe, sich für das eine oder andere Fach zu entscheiden analysiert und auf ihre Tücken abgeklopft.
 

„Der Professor ist unkompliziert/beliebt/sympathisch/da gehen alle hin“

Vor allem Studierende, die sich nicht sicher sind, welcher Fachbereich für die Diplomarbeit in Frage kommt, entscheiden gerne nach „sozialen Kriterien“. Die Bedeutung des sozialen Aspekts steht außer Zweifel – man sollte auch „miteinander können“ bei der Diplomarbeit. Es bringt allerdings keinem etwas, wenn der Betreuer sympathisch ist, aber einem das Fach nicht liegt. Auch Empfehlungen älterer Studienkollegen sind mit Vorsicht zu genießen. Nur weil viele vor dir das Fach super fanden, muss es nicht auf dich zutreffen. Du wirst dich eine nicht unerhebliche Zeit lang mit deinem Diplomarbeitsthema befassen müssen, also solltest du auch selbst großes Interesse dafür aufbringen. Und manchmal kann gerade ein scheinbar unbeliebter Fachbereich auch eine gute berufliche Chance sein. Denn dort wo kaum einer hingeht, hast du mit wenig Konkurrenz die Möglichkeit, von deinem Können zu überzeugen.
 


Diese Arbeitgeber überzeugen auf ganzer Linie:


 

„Das passt zu meinem aktuellen Beruf“

Für berufstätige Studierende ist der Bezug zur beruflichen Tätigkeit oft ein entscheidendes Auswahlkriterium bei Fach und Thema der Abschlussarbeit. Das kann durchaus Sinn machen, insbesondere, wenn du in deinem Berufsfeld bleiben und den Studienabschluss für weitere Karriereschritte nutzen willst. Bestehende Vorkenntnisse können auch beim Verfassen der Arbeit hilfreich sein, sicher weißt du in deinem vertrauten Arbeitsbereich schneller, wo die Knackpunkte liegen könnten. Du solltest dich bei der Themenwahl aber nicht krampfhaft an deinem Berufsfeld festklammern, denn auch wenn keiner am Recht vorbeikommt, nicht jede Tätigkeit ist rechtlich ausreichend ergiebig für eine wissenschaftliche Arbeit. Schwierig kann es auch dann werden, wenn die Belastung im Beruf hoch oder das Verhältnis zum Arbeitgeber nicht mehr das beste ist. Dann hast du vielleicht keine große Lust mehr, dich auch noch in der Freizeit mit deinem Beruf zu befassen, selbst wenn du anfangs gedacht hast, es wäre einfacher, über etwas zu schreiben, was du gut kennst. Ein Blick über den Tellerrand mit einem völlig anderen Thema kann eine erfreuliche Abwechslung sein.
 

„Ich hab noch lange Zeit“

Nein, hast du nicht. Befasse dich rechtzeitig mit der Frage in welchem Fach und bei welchem Betreuer du deine Abschlussarbeit verfassen willst. Denn auch wenn das Studium sich anfangs endlos hinzuziehen scheint, wirst du erstaunt sein, wie schnell die Zeit verfliegt.


„Oh, ein Nischenthema, perfekt für neue Erkenntnisse“

Wer wissenschaftlich arbeiten möchte, sucht sich sinnvollerweise Neuland – eine Arbeit über etwas lange bekanntes ist da wenig interessant. Für die Diplomarbeit ist es aber nicht immer hilfreich, wenn das Thema zu exotisch und noch kaum bearbeitet ist. Dementsprechend schwer wird dann nämlich die Literaturrecherche. Achte bei der Wahl deines Themas deswegen schon im Vorfeld darauf, ob du genug Literatur findest, mit der du sinnvoll arbeiten kannst. Die meisten Betreuer verlangen ohnehin vorab die Vorlage von Gliederung und Literaturliste. Ein wenig Neuland kann aber durchaus zum Erfolg verhelfen – es gibt Studierende die ihre Diplomarbeit schon in einer Fachzeitschrift untergebracht haben!
 


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„Da gibt es ein interessantes neues Gesetzesvorhaben, das wäre doch was“

Eigentlich eine geniale Möglichkeit. Gesetzgebungsprozesse „in Progress“ sind aktuell und „neu“ genug um sinnvoll wissenschaftlich arbeiten zu können, gleichzeitig findest du durch die stets vorbestehende „alte Rechtslage“ auch ausreichend Literatur für deine Arbeit; und allein die Tatsache eines Versuchs der Neuregelung, ist ein Hinweis auf bestehende, auch für die Rechtswissenschaft interessante Lücken und Probleme. Jedoch solltest du auf deinen Zeitplan achten und dazusehen dass du nicht vom Gesetzgeber überholt wirst. Gesetzesvorhaben können nämlich so schnell verworfen werden, wie sie gekommen sind, oder es wird dann doch anders beschlossen – wenn du dann ein paar Monate Pause machst, hinkst du mit deinem bisher verfassten Text vielleicht schon der Realität hinterher. Hier ist also Disziplin und auch eine gewisse Flexibilität gefragt.
 

„Internationales Recht – Prima, ich würde ohnehin gerne ins Ausland!“

In einer globalisierten Welt klingt es erfolgversprechend, sich als Jurist internationalen Themen zuzuwenden, warum also nicht schon bei der Abschlussarbeit damit anfangen? Fächer wie Völkerrecht, Europarecht oder internationales Privatrecht eignen sich perfekt dafür. Allerdings – Vorsicht, Sprachbarriere! Ausgezeichnete Englischkenntnisse sind für solch ein Vorhaben Voraussetzung. Andernfalls tust du dir bei der Recherche ziemlich schwer. Denn selbst wenn du eigentlich ganz gut englisch sprechen kannst, juristische Texte in einer Fremdsprache sind trotzdem eine ziemliche Herausforderung, und du tust dir keinen Gefallen, wenn du mit englischen Texten arbeitest und in jeder Zeile ein Wort nachschlagen musst. Darüber hinaus ist bei fremdsprachigen Texten zu beachten, dass eine wörtliche Übersetzung nicht immer exakt den Sinn des Textes wiedergeben muss – gerade im Recht eine tückische Angelegenheit. Wer sich nicht gerade bei der Abschlussarbeit an das „Wagnis Fremdsprache“ machen möchte, aber trotzdem juristische Auslandserfahrung sucht, dem seien Summer Schools oder ein Praktikum im Ausland nahegelegt.
 

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„Ich will einfach nur fertig werden“

Du hast die wichtigsten Prüfungen hinter dir, das Studium dauert jetzt schon lang genug, und du hast schon eine ziemlich Vorstellung wie dein juristisches Berufsleben aussehen soll – und vielleicht ist dir auch schon klar geworden dass dir wissenschaftliches Schreiben nicht so sehr liegt wie dir Arbeit bei Gericht. Trotzdem solltest du nicht das nächstbeste Thema nehmen das dir gerade unterkommt, auch wenn es der einfachste Weg zu sein scheint. Ohne ein wenig Begeisterung für das Thema geht dir die Schreiberei möglicherweise recht bald auf die Nerven, und es wäre doch wirklich schade, wenn dein Traum vom Jusstudium dadurch in den letzten Monaten noch zum Alptraum wird. Wie du siehst, gibt es für jeden Weg den du einschlägst Argumente dafür und dagegen. Letztendlich hängt vieles von deinen Interessen und deiner persönlichen Situation ab. Die Juristerei ist jedoch ein so vielseitiges Gebiet, sodass es nach ein wenig Recherche sicherlich für jeden möglich ist ein seinen Interessen und Kenntnissen entsprechendes Thema für die Abschlussarbeit zu finden. Viel Erfolg!

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DORDA Rechtsanwälte GmbH

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Über den Autor

Sonja Vass - Autorin bei TalentRocket

Sonja Vass

Sonja Vass studiert Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck und arbeitet hauptberuflich im Rettungsdienst, seit Februar 2019 ist sie als Autorin für TalentRocket tätig.

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