Jus Corona Studium

Verfasst von Sonja Vass. Veröffentlicht am 02.09.2020.

Lehren aus dem Corona-Semester

Positiver Blick auf ein halbes Jahr Ausnahmezustand

Das letzte Sommersemester war für viele von uns nicht einfach. Lockdown, Universitätsschließungen, Umstieg auf e-learning innerhalb weniger Wochen, allgemeine Unsicherheit – alles nicht ganz einfach zu bewältigen. Und die Unsicherheit bleibt. Bekommen wir jemals unseren gewohnten Studienalltag zurück? Rückblickend war vieles vielleicht gar nicht so schlimm – oder wäre nicht schlimm gewesen, hätte man bloß etwas mehr Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Wir haben uns nun, mit ein wenig zeitlichem Abstand gefragt, was wir aus dieser Zeit lernen können, und wie wir im kommenden Semester, das sicherlich noch nicht ganz normal ablaufen wird, mit positivem Blick auf kommende Herausforderungen zugehen können.
 

Lernen, wann, wo und wie du willst

Es klingt angesichts von Ausgangsbeschränkungen zwar merkwürdig, aber die Online-Lehre brachte doch in manchen Bereichen ein wenig mehr Freiheit. Oder hättest du es gewagt, im Pyjama an die Uni zu gehen? Vor dem Laptop kein Problem – das ging auch bequem im Bett, und du störst  keine Sitznachbar*innen, wenn du krümelige Kekse nebenbei isst. Keine mühsame „Anreise“ zur Uni mit öffentlichen Verkehrsmitteln, kein Stau, keine Hektik, wenn du mal verschlafen hast – sind wir  ehrlich, all diese Nebeneffekte der Online-Lehre sind doch ungemein praktisch. Lerne sie zu schätzen – so viel Gemütlichkeit in deinem Studienalltag hattest du doch noch nie!
 

Nütze außerdem die Möglichkeit, aufgezeichnete Vorlesungen mehrmals anzuschauen – vielleicht auch erst dann wenn du wirklich ausgeschlafen bist, statt um acht Uhr früh. Auch das ein Luxus, von dem wir vor einem Jahr nur geträumt hätten!


Selbständig werden

Klar, die wöchentliche Lerngruppe ist praktisch, das Seminar in dem man den Lehrstoff wiederholt ebenfalls. Termine bringen Struktur ins Leben, und wenn die plötzlich wegfällt, bleibt zunächst ganz viel Leere. „Eigentlich habe ich mich auf den Semesterstart gefreut, aber ohne Vorlesungen weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll“ - so ähnliche Sätze hat man Mitte März oft gehört. Wir raten: Mit einem Buch. Am besten von vorne. Versuch es einfach! Tatsächlich sind wir so gewohnt, einen „Stundenplan“ vorgegeben zu bekommen, ohne fällt vieles schwer. Nur: wenn dein beruflicher Werdegang erfolgreich ist, hast du nicht immer eine*n Chef*in der dir deine Aufgaben und den Zeitplan vorgibt. Irgendwann bist vielleicht DU der Chef oder die Chefin und musst entscheiden, was, wann und wie es gemacht wird. Nütze „planlose“ Zeiten als ideale Berufsvorbereitung, mache deine eigenen Pläne und versuche dich daran zu halten. Oder verzichte auf den Plan und versuche dich in Spontaneität, vielleicht liegt sie dir ja und du bist erfolgreicher beim Lernen als du es mit Stundenplan je warst.
 


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Computerprobleme locker nehmen

Computer, so scheint es, haben manchmal ein Eigenleben. Es heißt zwar, das wahre Problem würde in den meisten Fällen zwischen Bildschirm und Sessellehne sitzen, nur wer selber gerade an der Elektronik verzweifelt, dem ist mit schlauen Sprüchen nicht geholfen.

Gerade wenn viele Menschen sich in kurzer Zeit mit zuvor kaum genützten Computerkram auseinandersetzen müssen, geht das nicht immer glatt, und so gab es zu Beginn der Online-Lehre doch immer wieder einige Pannen. Mal war der Bildschirm dunkel, oder die Tonspur weg, die Diskussion auf Zoom nur abgehackt zu hören, das Internet überlastet, oder ein Online-Test klappte nicht. Und vereinzelt – insbesondere wenn Prüfungen betroffen waren – führten die Pannen zu einer entrüsteten E-Mail-Flut seitens der Studierenden. Oder man ärgerte sich alleine vor sich hin. Wir raten zu Gelassenheit – abwarten und Tee trinken. Und überlegen wie groß das Problem wirklich ist. Was habe ich wirklich verpasst? Kann ich es vielleicht wo anders nachlesen? Wird irgendjemand meine Computerprobleme gegen mich verwenden, vielleicht bei einer Klausur? Eher nicht, viel wahrscheinlicher haben mehrere dasselbe Problem. Also: Entspannen, den Bildschirm auch mal dunkel sein lassen und im Mailverkehr freundlich bleiben. Niemand legt euch absichtlich das Internet lahm!

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Alle relevanten Infos auf einen Blick

Einen Plan B haben

Situationen aus dem Alltag von Jurist*innen, die durchaus denkbar sind: Der vermeintliche Entlastungszeuge hat eigentlich nichts gesehen. Eine Vertragspartnerin überlegt sich ihre Sache kurz vor Vertragsabschluss anders. Und vor Gericht, so sagt man, liegen die Dinge ohnehin in Gottes Händen. Nun gut, letzteres stimmt so nicht ganz. Aber komplett vorhersehen lässt sich der Ablauf eines Verfahrens nicht wirklich. Gerade als Jurist*in musst du damit rechnen, dass sich Dinge schnell ändern, und vor allem in einer Verhandlung auch schnell reagieren können. Und manchmal hast du auch mit ziemlichen Katastrophen zu tun. Die Insolvenz einer großen Firma kann auch juristisch ganz schnell mal einiges durcheinanderwürfeln. Das letzte halbe Jahr hat uns allen gezeigt, wie schnell sich alles ändern kann. Was du daraus lernen kannst?
 

Habe einen Plan B, egal was du tust. Vielleicht auch noch Plan C oder D. Was auch immer nächstes Semester auf uns zukommt – wenn du Alternativen mitdenkst wird vieles einfacher, sowohl im Studium als auch später im Berufsleben.


Anders feiern

Du hast mehrere Wochen Lernmarathon hinter dich gebracht, alle wichtigen Prüfungen geschrieben. Alles gut gelaufen, auf in die wohlverdienten Ferien! Und doch – es fehlt etwas. Das Lokal, in dem ihr immer gefeiert habt hat zu, die fast schon traditionelle Post-Prüfungs-Party fällt heuer aus. Wir finden: kein Grund zum Trübsal blasen. Du darfst dich trotzdem freuen, und diese Freude auch mit anderen teilen. Lade doch einfach ein paar Freund*innen zu einer Gartenparty ein, oder macht einen gemeinsamen Ausflug ins Grüne. Das geht auch mit weniger Leuten, in der frischen Luft und mit ausreichend Abstand und macht trotzdem Spaß. Vielleicht merkst du, dass es gar nicht immer die feuchtfröhliche Partynacht in der Stammdisco sein muss, um eine Prüfung gebührend zu feiern, und in ruhiger Umgebung ohne Disco-Geräuschpegel kommen nette Gespräche zustande, die du sonst nie geführt hättest.
 


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Die Stille genießen

Zuletzt eine Sache die ganz unabhängig davon ist, ob wir nun studieren, ob wie Jus machen oder irgendetwas anderes, und wie betroffen wir von der Krise sind: Wir haben für kurze Zeit, wenn auch unfreiwillig, eine Ruhe kennengelernt, für die manche in Meditationsretreats im Kloster viel Geld zu zahlen bereit sind. Vielleicht ist manchen von uns erst bewusst geworden, wie gut diese Stille tut. Wenn dir einmal alles zu viel wird, erinnere dich an diese Stille und nimm dir – bewusst und freiwillig – eine Auszeit. Sie wird dir wieder gut tun!

 

Fazit: Es war nicht alles eine einzige Katastrophe, und ganz besonders wenn wir zu der glücklichen Mehrheit derer gehören, die gesund geblieben sind (man glaubt es angesichts mancher Medienberichte kaum, aber die zahlenmäßige Mehrheit blieb tatsächlich gesund!), sind wir eigentlich ganz gut über die Runden gekommen. Viele konkrete Probleme lassen sich zwar nicht wegdiskutieren, aber für die gute Stimmung hilft oft schon ein Wechsel der Sichtweise. Wir hoffen, dass dir mit ein wenig positivem Denken auch in einer ungewöhnlichen Situation ein erfolgreicher Semesterstart gelingt!
 


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