Klassisches Jus Studium, Wirtschaftsrecht oder Fernstudium?

Überblick der Top 3 Möglichkeiten Jus zu studieren...


verfasst von Carolina Kral und veröffentlicht am 03.10.2018

 

Die wohl am häufigsten gewählte Studienrichtung in Österreich ist Jus. Jedes Jahr beginnen über 6.000 junge Menschen das Studium der Rechtswissenschaften. Hierbei stehen ihnen die klassischen juridischen Fakultäten wie Wien, Linz, Graz, Salzburg zur Verfügung oder der Wirtschaftsrechtszweig der WU Wien. Wir wollen euch hier Informationen zu den drei größten Universitäten und deren Studiengängen zukommen lassen sowie den jeweiligen rechtswissenschaftlichen Studiengang etwas näher beleuchten.

 

1. Der Klassiker - das Juridicum Wien

Ist man Wiener/Wienerin oder nach Wien fürs Studium gezogen und möchte Rechtswissenschaften studieren, so ist das Juridicum in der Wiener Innenstadt die erste Anlaufstelle. Hier haben eventuell Verwandte und Bekannte studiert und berichten von den damaligen Zuständen und Vorlesungen in welchen die Professoren noch bei Abhaltungen von Prüfungen genüsslich eine Zigarette rauchten, während der Prüfungskandidat schwitzte - doch heute sieht dies ganz anders aus:

 

Gliederung des Studiums

Das Studium der Rechtswissenschaften der Universität Wien gliedert sich in drei Abschnitte.

  • Den Einführungsabschnitt,
  • den judiziellen Abschnitt und
  • den staatswissenschaftlichen Abschnitt.

Insgesamt sind 13 Diplomprüfungen zu absolvieren. Aber beginnen wir am Anfang.


Aufnahmevoraussetzungen & erstes Semester Jus Wien

Es gibt in Wien derzeit noch keine Aufnahmevoraussetzungen. Seit Jahren werden Aufnahmeverfahren diskutiert doch bis jetzt gab es hier noch keine Zugangsbeschränkungen. Die Anzahl der Studienanfänger soll im ersten Abschnitt etwas reduziert werden durch die sogenannte „StEOP“ (Studieneingangs- und Orientierungsphase), welche aus einer schriftlichen Einführungsprüfung und einer Übung besteht. Hat man die Einführungsprüfung bestanden – bestehend aus Öffentlichem Recht, Privatrecht und Rechtsphilosophie – so geht es rasant weiter und mit viel Eifer zu den nächsten Prüfungen.
 

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Der darauffolgende judizielle Abschnitt, widmet sich den privatrechtlichen Themen, dem Bürgerlichen Recht, dem Unternehmensrecht etc. Diese Prüfungen sind alle mündlich zu absolvieren und sollen euer Können im Sinne von Rhetorik und Schnelligkeit bei Falllösungen zur Schau stellen. Wurden auch all diese Prüfungen und die dazugehörigen Aufbauübungen absolviert, geht es weiter in den staatswissenschaftlichen Abschnitt. Hier steht das Öffentliche Recht im Fokus: Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht, Völker- und Europarecht. Auch diese Prüfungen sind größtenteils mündlich zu absolvieren.

Die Mindeststudienzeit am Juridicum beträgt 8 Semester, dies ist jedoch für kaum einen Studenten zu schaffen, die durchschnittliche Studiendauer liegt derzeit bei 12 oder mehr Semestern.



Das Notensystem Jus Wien

Das Notensystem am Juridicum Wien unterscheidet sich nicht von dem herkömmlichen Schulnotensystem mit „Sehr gut“ als beste Note und „Nicht genügend“ als nicht bestanden.

 

„Ein Sehr gut ist für Gott, ein Gut ist für mich, Befriedigend ist die Leistung meiner Lieblinge, Genügend und Nicht genügend sind für euch.“ - Zitat eines Professors, Juridicum Wien

 

Ganz so dramatisch ist es dann doch nur in Ausnahmefällen. Was allerdings stimmt ist, dass die Anforderungen der Universität selbstverständlich höher sind, als die der Schule. Hier kann es sein, dass junge Studenten nach der Matura erst einmal umdenken müssen, denn das Lernpensum ist doch ein ganz anderes.

 


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2. Die Wirtschaftswissenschaftler – Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien

Schon lange bedeutet Jurist zu werden nicht mehr nur Rechtswissenschaften studiert zu haben, sondern die ideale Alternative für all diejenigen welche die wirtschaftliche Seite ebenso abdecken wollen lautet: „Wirtschaftsrecht“. Jährlich beginnen über 2.000 junge Menschen das Studium des Wirtschaftsrechts an der Wirtschaftsuniversität Wien. Während man Rechtswissenschaften noch klassisch mit dem Magister iuris abschließt, hat man an der WU Wien die Option seinen Bachelor of Law (LL.B.) und anschließend Master of Law (LL.M.) zu absolvieren. Der Bachelor ist als 6-semestriger Studiengang aufgebaut der sich – ebenso wie das Diplomstudium der Rechtswissenschaften – in 3 Abschnitte gliedert. Der erste ist „die StEOP“ (die Studieneingangs- und Orientierungsphase), in der Einführungsgrundlagen in wirtschaftliche Bereiche, sowie Einführungsgrundlagen in die Rechtswissenschaften vermittelt werden. Der zweite Abschnitt „Common Body of Knowledge“ vermittelt breiter gefächertes Wissen in Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften, Statistik und in fremdsprachlicher Wirtschaftskommunikation. Der dritte Abschnitt ist hier das sogenannte „Hauptstudium mit Schwerpunkt juristische Ausbildung“- hier gilt es hauptsächlich in die rechtswissenschaftliche Tiefe vorzudringen und weitere Grundlagen der Wirtschaft kennen zu lernen.

An der Fakultät gilt ebenfalls das herkömmliche „Sehr gut“ bis „Nicht genügend“-Benotungssystem. Darüber hinaus werden Lehrveranstaltungen, sowie Prüfungen auch durch Punkte oder "mit/ohne Erfolg teilgenommen" beurteilt.

 


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Wirtschaftsrecht hin oder her... damit kann ich ja nicht Rechtsanwalt, Richter oder Staatsanwalt werden - oder?

Das Wirtschaftsrechtsstudium ermöglicht mittlerweile, nach Abschluss des Bachelors und Masters, eine juristische Karriere in den klassischen juristischen Berufen, wie Rechtsanwalt, Richter, Notar und Staatsanwalt. Es stehen den Studierenden in dieser Hinsicht alle Türen offen, welche auch den Studenten des herkömmlichen rechtswissenschaftlichen Studiums offen stehen.

Es bietet sich an, aufgrund der Ausbildung mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund, in Berufe oder Kanzleien zu gehen, welche einen wirtschaftlichen Schwerpunkt aufweisen. Dies ist vor allem bei Großkanzleien der Fall in denen zum Beispiel Steuerrecht, Wirtschaftsrecht oder M&A praktiziert wird.
 

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3. Fernstudium Johannes Kepler Universität Linz

Seit 2002 gibt es in Österreich die Möglichkeit durch das Fernstudium der Universität Linz den Abschluss im Studium der Rechtswissenschaften zu absolvieren. Diese Art des Studiums bietet den Studenten eine hohe Lernautonomie und die Möglichkeit aus dem Ausland oder voll berufstätig das Studium der Rechtswissenschaften abzuschließen.

Nach einer Präsenzphase am Beginn des Studiums, in welcher man nicht nur das Studienkonzept vorgestellt bekommt, sondern auch Frontalunterricht erhält, geht es an das Selbststudium daheim. Hierbei werden laufend Lehrveranstaltungen per Stream abgehalten, welche von den Studierenden von Zuhause aus angeschaut werden können und so der relevante Stoff erarbeitet wird. Prüfungen müssen teilweise Vorort absolviert werden, teilweise gibt es die Möglichkeit Klausuren bei Notaren abzulegen.

Der Aufbau des Studiums gliedert sich – anders als an der Wiener Fakultät – in nur zwei Studienabschnitte statt in drei. Der Einführungsabschnitt ist dem in Wien durchaus ähnlich, auch vom Umfang der Prüfungen her. Der zweite Abschnitt dient und widmet sich der rechtswissenschaftlichen Vertiefung. Hier wird innerhalb des zweiten Abschnittes in den öffentlichen- und privatrechtlichen Teil gegliedert.

 

Nach Linz gehen doch nur die, die es in Wien nicht schaffen...

Wahr ist, dass die Möglichkeit bei nicht bestandenen Prüfungen in Wien, nach Linz zu gehen, um dort das Studium fortzusetzen äußerst attraktiv wirkt. Denn man erlangt neue Prüfungsantritte. Gesagt sein muss jedoch, dass trotz allem „wer nicht lernt, der nicht bestehet“. Trotz der Tatsache, dass es sich auch hier um das österreichische Studium der Rechtswissenschaften handelt, kann jede Universität in Österreich ihren Studienplan und den Ablauf des Studiums autonom gestalten. Antrittsvoraussetzungen zu Prüfungen können so voneinander abweichen und der Wechsel an eine andere Universität innerösterreichisch kann somit mit Mehraufwand verbunden sein. Trotz allem ist das Fernstudium der Universität Linz die ideale Möglichkeit für diejenigen den juristischen Abschluss zu erreichen, die voll berufstätig sind, im Ausland leben, oder das Studienkonzept durch das autonome Lernen als besser empfinden.

 


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Wer klassisch die Rechtswissenschaften am Juridicum in Wien, der ältesten rechtswissenschaftlichen Fakultät Österreichs wählt, macht sicherlich nichts falsch. Der Lernaufwand ist erheblich, dies unterscheidet sich jedoch keinerlei von anderen rechtswissenschaftlichen Studien. Die WU Wien mit ihrem Wirtschaftsrechtsstudium ist die beste Alternative für all diejenigen, die wirtschaftlich und an einer breiten Ausbildung interessiert sind. Hier stehen einem alle Türen auch in klassische Juristenberufe offen. Das Studium eignet sich doch ideal für die Führung von Unternehmen oder Wirtschaftskanzleien in denen ein Verständnis von fundierten Wirtschaftskenntnissen von Vorteil ist. Wer gerne autonom lernt, im Ausland lebt, voll berufstätig oder erziehungsberechtigt ist, für den ist das Studium der Rechtswissenschaften an der Johannes Kepler Universität wohl der ideale Weg, um an den rechtswissenschaftlichen Abschluss in Österreich zu kommen. Der Lernaufwand ist nicht weniger als bei den beiden anderen Studien, jedoch erleichtert man sich die Wissensaneignung erheblich durch die flexiblen Lernmöglichkeiten.

 


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Über den Autor

Carolina Kral - Autorin TalentRocket

Carolina Kral

Carolina Kral ist Studentin der Rechtswissenschaften an der Uni Wien und ist seit Beginn des österreichischen Karrieremagazins als Autorin für uns tätig.

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