Jus in Mindeststudienzeit?

... warum du das auf keinen Fall machen solltest!


verfasst von Julia Maurer und veröffentlicht am 05.12.2018

 

Ist der Abschluss des Jusstudiums in Mindeststudienzeit reine Illusion oder ein erstrebenswertes Ziel? Das ist wohl eine der meistdiskutiertesten Fragen vor und während des Studiums. Die Meinungen zu diesem Thema gehen hierbei sehr weit auseinander und "die eine" Antwort auf diese Frage gibt es wohl nicht.

 

Was bedeutet Jus in Mindeststudienzeit überhaupt?

Das Diplomstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien wird mit der Verleihung des akademischen Grades "Magister/Magistra der Rechtswissenschaften (Mag.iur./Maga.iur.)" abgeschlossen und umfasst 240 ECTS-Punkte. Die Mindeststudienzeit bis zum Abschluss beträgt 8 Semester, also 4 Jahre. Wenn ein Absolvent das Studium innerhalb dieser 4 Jahre abschließt, befindet er sich also in der Mindestzeit, die dieses Studium dauert.

Auf Papier klingt das Ziel, das Studium so schnell wie möglich abzuschließen, ziemlich gut. Eine kurze Studiendauer lässt auf einen strebsamen, ehrgeizigen und disziplinierten Studenten schließen, der seine zukünftige Arbeit ernst nimmt. Doch oftmals gibt es noch mehr Qualifikationen als einen raschen Studienabschluss, die vom potentiellen Arbeitgeber verlangt werden.

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Was soll ein angehender Jurist alles mitbringen?

Natürlich gibt es auf diese Frage keine universelle Antwort, denn die Anforderungen variieren von Arbeitgeber zu Arbeitgeber. Jedoch gibt es einige Punkte, die einen angehenden Juristen am Arbeitsmarkt sehr begehrt wirken lassen:

  • Gute Noten im Arbeitsbereich der Kanzlei: nicht immer schaut der Arbeitgeber auf den gesamten Notenschnitt des Abschlusszeugnisses. Wichtig sind vor allem die Noten in jenen Fächern, mit denen sich die ausgewählte Kanzlei beschäftigt. Spezialisiert sich die Kanzlei also beispielsweise auf Steuerrecht, so sind die Noten in diesem Bereich sicher ausschlaggebender als in Fächern, die mit dem genannten Bereich nichts zu tun haben.

  • Engagement: Neben dem Studium gibt es zahlreiche Möglichkeiten sich zu engagieren, etwa in Vereinen, Studentenvertretungen etc. Das eingebrachte, meist ehrenamtliche Engagement hilft dem Studierenden Soft Skills, also persönliche Kompetenzen wie Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen sowie Teamfähigkeit, zu entwickeln. Diese Attribute stellen einen wichtigen Punkt auf der Checkliste der Arbeitgeber dar, da sie daraus auf die emotionale Intelligenz des Bewerbers schließen können. Die emotionale Intelligenz ist nämlich nicht nur Grundvoraussetzung für Soft Skills, sondern zeigt auch auf inwieweit sowohl mit eigenen Gefühlen als auch mit Emotionen der Mitmenschen umgegangen werden kann.

  • Auslandserfahrungen: ein Semester im Ausland studieren bringt nicht nur Sprachkenntnisse mit sich, die den Betroffenen einen entscheidenden Vorteil im Bewerbungsprozess verschaffen, sondern zeigt auch, dass der Absolvent über einen gewissen Grad an Selbstständigkeit und Organisationstalent verfügt. Außerdem ist auch die akademische Qualität der ausländischen Universitäten sehr hoch, wodurch definitiv ein Pluspunkt im Lebenslauf gesichert ist.

  • Praktika: Arbeitserfahrungen im Studium sind der Grundstein für die spätere berufliche Karriere. Oftmals ist die Universitätsausbildung sehr theoretisch, wodurch sich eine praktische Erfahrung als sehr hilfreich erweist. Außerdem stellt ein Praktikum die ideale Möglichkeit dar, schon mal in die spätere Arbeitswelt hineinzuschnuppern und soziale Kontakte zu knüpfen. Zu beachten ist hierbei jedoch auch die Qualität der Praktika. Oberste Prämisse ist hier nicht Quantität vor Qualität. Denn ein Praktikum bei dem 3 Monate lang nur Kaffee und Kopien gemacht wurden, sagen nichts über die Qualifikationen des Bewerbers aus.

 

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Zurück zur Mindeststudienzeit

Nun stellt sich die Frage inwieweit all diese Punkte mit einem Studienabschluss in Mindeststudienzeit zu vereinen sind und wie wichtig die Punkte allgemein überhaupt sind. So pauschal lässt sich das wohl nicht sagen und werden Arbeitgeber sowie Studierende gefragt, so zeigt sich, dass jeder die eigenen Prioritäten anders setzt.

Ein Studium in Mindeststudienzeit lässt jedenfalls darauf schließen, dass der Fokus der letzten vier Jahre hauptsächlich auf dem Studium und dem Studienfortschritt lag. Das ist definitiv nichts Negatives, sagt allerdings trotzdem einiges über die Entwicklung anderer Fähigkeiten und Eigenschaften aus. Denn liegt das Hauptaugenmerk auf dem möglichst schnellen Abschluss des Studiums, so lässt sich dies nur schlecht mit Praktika nebenher, einem Auslandsaufenthalt oder Engagement neben dem Studium vereinbaren. Soft Skills werden also während des Studiums weniger weiterentwickelt und soziale Kontakte bleiben eventuell auf der Strecke. In der heutigen Arbeitswelt ist es unerlässlich ein Teamspieler zu sein, Empathievermögen zu besitzen und gerade von Juristen wird erwartet, geschult im Umgang mit anderen Menschen zu sein.

 

Das sind jene Fähigkeiten, die man nicht durch Bücher lesen und lernen erwirbt, sondern eben durch zwischenmenschlich Kontakte im Ausland, im Zuge von Praktika oder auch in Vereinen.  

 

Ein weiterer Aspekt der auf keinen Fall aus den Augen gelassen werden darf, ist das persönliche Wohlbefinden des Studierenden. Es ist allgemein bekannt, dass das Jusstudium wohl eines der arbeitsintensivsten Studien überhaupt ist. Studenten verbringen unzählige Stunden lernend in Bibliotheken und anderen Lernplätzen. Viele arbeiten nebenbei noch, machen Praktika oder haben andere Verpflichtungen. Während intensiven Lernphasen wird oft die Work-Life Balance vergessen. Das Lernen nimmt Überhand und außeruniversitäre Aktivitäten und soziale Kontakte treten in den Hintergrund. In intensiven Lernphasen nachvollziehbar. Doch schädlich wird es dann, wenn dies ein Dauerzustand wird und das Studium nicht mehr Hauptfokus, sondern einziger Fokus ist.

Nach dem Jusstudium geht es noch lange genug in jegliche Richtung weiter, deswegen sollte nicht vergessen werden... 

 

...das Studium in vollen Zügen zu genießen!

 

Es ist sehr wichtig, dem Studium die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, doch die anderen Aspekte die das Studium zu bieten hat, sollten nicht ganz aus den Augen gelassen werden. Denn schließlich ist das Studium auch die Zeit Erfahrungen zu sammeln und Interessen zu erkunden, um sich so ein Bild von der Arbeitswelt zu machen, die auf jeden Studierenden wartet. Wer der meist gefragteste Jurist auf dem Arbeitsmarkt ist, darüber lässt sich diskutieren. Am Ende ist es jedoch wichtig, alle Möglichkeiten, die das Studium zu bieten hat, auszuschöpfen und durch außeruniversitäre Aktivitäten für das Leben zu lernen, auch wenn das sehr klischeehaft klingt.

 


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Über den Autor

Julia Maurer - TalentRocket Autorin

Julia Maurer

studiert im 3. Semester Rechtswissenschaften am Juridicum in Wien und ist seit 2018 als Autorin für TalentRocket tätig.

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