Gute Führung will als Jurist gelernt sein!

​Leadership-Tipps: Worauf juristische Vorgesetzte achten sollten


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 17.07.2019

 

Ein inkompetenter Chef kann einem ganz schnell die Lust am Arbeiten nehmen. Oftmals fängt das schon im Vorstellungsgespräch an und zieht sich durch das ganze Arbeitsleben. Kritik wird unsachlich formuliert, Arbeitsanweisungen sind sprunghaft und nicht durchschaubar, manch einer wird sogar persönlich angegriffen oder belästigt. Wie der Chef sich verhalten sollte, um seine Mitarbeiter zu motivieren und wie man selbst zu einem erfolgreichen Vorgesetzten wird, möchten wir in diesem Artikel genauer betrachten. 

 

Zuerst einmal vorneweg: niemand wird als Chef geboren. Auch wenn es sicherlich Menschen gibt, die von Natur aus geeigneter für eine Führungsposition sind als andere, so basiert die Fähigkeit andere anzuleiten immer auf Erfahrung und aktiven Lernprozessen. Egal ob man der Chef eines kleinen Teams oder einer Großkanzlei ist, gute Führung will gelernt sein! Auch ein Chef darf übrigens einmal Fehler machen, so wie er auch die Fehler seiner Mitarbeiter akzeptieren sollte. Ein guter Chef aber lernt aus seinen Fehlern.

 



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Motiviert durch Visionen

Harvard-Professor John P. Kotten hat eine genaue Vorstellung von der Definition von „Leadership“ oder Führung. Seiner Meinung nach basiert eine gute Führung auf Visionen, die gut kommuniziert werden und so die Mitarbeiter zu einer sinnstiftenden Arbeit motivieren sollen.

 

Die geschieht sowohl auf einer emotionalen als auch auf einer mentalen Ebene. 

 

Um dies richtig umzusetzen, muss der Chef von operativen Gesichtspunkten Abstand nehmen und sich mehr auf eine persönliche Kommunikation einlassen. Bürokratie und starre Prozesse sind dabei hinderlich. Trotzdem sollten natürlich auf bürokratische Prozesse nicht ganz vernachlässigt werden, denn ganz ohne geht es eben doch nicht – Bürokratie erfüllt schließlich auch ihren Zweck. 

 

Erfolg ist nicht gleich Erfolg

Luthanns, Hodgetts und Rosenkrantz brachen in einer Studie aus dem Jahre 1988 die generellen Tätigkeiten einer Führungskraft herunter auf vier Komponenten:

  • Netzwerken,
  • Personalmanagement,
  • Routine-Kommunikation und
  • traditionelles Management, also die Planung und Kontrolle von Arbeitsprozessen.

Wie diese Tätigkeiten proportional auf die Arbeitszeit verteilt waren, hing von den Individuen ab. 

Es zeigte sich, dass die Ergebnisse der Erfolgsmessung sich unterscheiden, je nachdem, worauf die Führungskraft ihren Fokus legte. Verwendete der Chef viel Energie auf die Routine-Kommunikation mit und unterhalb des Teams sowie auf das Personalmanagement, dann verbesserte das die Leistung des Teams. Konzentrierte er sich jedoch vornehmlich – zu fast 50% – auf den Ausbau seines beruflichen Netzwerkes, dann förderte er damit nicht die Leistung des Teams, wohl aber seine eigene Karriere.

 

Ob Erfolg also als Erfolg des Teams oder als Erfolg des Teamleiters definiert wird, hat eine große Auswirkung auf die Arbeitsweise des Chefs – und umgekehrt.

 



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Einer für alle – und alle für einen?

Ein Team besteht – wer hätte es gedacht – aus vielen Individuen mit individuellen Bedürfnissen. Als Vorgesetzter ist es wichtig, auf all diese individuellen Komponenten einzugehen und Leistungen des Einzelnen anzuerkennen. Nur eine gute individuelle Leistung kann letztendlich zu einer guten Teamleistung führen. Dazu muss gute Arbeit erkannt und anerkannt werden. Viele Führungskräfte haben ein Problem damit, ihren Fokus von sich selbst hin zu ihren Mitarbeitern zu lenken und halten mitreißende Reden, anstatt sich einzelnen Mitarbeitern zu widmen.

Die individuelle Betreuung stellt viele Teamleiter vor eine große Herausforderung. Gerade zur heutigen Zeit, in der Home-Office und flexible Arbeitszeitmodelle nicht mehr die Ausnahme der Regel sind, ist es schwer, an seinen Mitarbeitern dranzubleiben.

 



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Trotzdem sollte man davon absehen, die Kommunikation auf generische Sammelmails zu beschränken, sondern sich die Mühe machen, im Einzelgespräch auf die Personen einzugehen und damit Beziehungen zu stärken. Das motiviert nicht nur die Mitarbeiter, sondern hilft auch dem Chef dabei, einen besseren Einblick in die Vorgänge im Unternehmen zu gewinnen und letztendlich auch einen größeren Einfluss auf die Mitarbeiter auszuüben. Der Aufwand lohnt sich hier definitiv.

 

Konstruktiv oder destruktiv?

Wir alle haben es schon in der Schule gelernt: Auch wenn man etwas Schlechtes sagen möchte, sollte man mit etwas Positivem beginnen. Einige Chefs haben damit aber trotzdem noch Probleme. Oftmals wird Kritik unsachgemäß geäußert und das kann schwere Folgen haben: Wenn nur gemeckert wird, dann wirkt sich das demotivierend auf die Mitarbeiter aus und das ist das Gegenteil von dem, was eine Führungskraft erreichen will. 

Konstruktive Kritik zu geben, kann man lernen. Juristen kommen jedoch während ihres Studiums nicht wirklich damit in Berührung, was oft dazu führt, dass Kritikpunkte geradeheraus und ohne jedes Feingefühl weitergegeben werden.

 

Gerade Juristen sollten sich deshalb privat darauf vorbereiten, Kritik sachlich zu formulieren ;).

 

Das hilft nicht nur, wenn man eine Führungsposition anstrebt: Auch unter Kollegen sollten kritische Worte gut gewählt werden. So sammelt man Pluspunkte im Team.

 

TIPP: Eine wichtige Regel, wenn es um die Ausübung von Kritik geht, ist, dass Kritik immer unter vier Augen geäußert werden sollte. Das gilt besonders dann, wenn es sich um etwas Ernsteres handelt. Werden  Mitarbeiter vor den Kollegen bloßgestellt, verschlechtert das in jedem Fall das Arbeitsklima und das Selbstbewusstsein des Mitarbeiters.

 

Die Äußerung sollte niemals in einem Vorwurf enden, sondern immer als Vorschlag oder Wunsch formuliert werden und auch sonst klar formuliert sein, so dass kein großer Raum für Interpretation mehr bleibt. Gerade in solchen, für die Mitarbeiter in der Regel stressigen Situationen, riskiert man sonst, dass die andere Person den eigentlichen Punkt gar nicht versteht und nur das Gefühl hat, dass der Chef eben einmal Dampf ablassen wollte. Dazu gehört auch, dass man ruhig und sachlich bleibt und sich auf zwei bis drei Punkte beschränkt, die man gerne verbessert hätte.

 

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Wie ein offenes Buch

Ein offenes Buch sollte ein Vorgesetzter natürlich nicht sein. Trotzdem sollte er Wert darauf legen, so offen wie möglich mit seinen Angestellten umzugehen und ihnen so klar zu machen, was ihre Aufgaben sind und wie diese Aufgaben mit dem Geschäftsziel zusammenhängen. Werden Mitarbeitern Informationen vorenthalten, die andere kennen, dann ist das Team nicht auf dem gleichen Nenner - Verwirrung und Eifersucht sind vorprogrammiert. Etwas ähnliches geschieht, wenn gar niemand Bescheid weiß.

 

Wie soll ein Team auf etwas hinarbeiten, wenn es gar nicht weiß, was das eigentliche Ziel ist?

 

Auch hier sind Kommunikation und Offenheit der Schlüssel zum Erfolg. Wer offen mit seinen Angestellten ist, egal, ob es sich um positive oder negative Angelegenheiten handelt, der kann sich eine hohe Vertrauensbasis schaffen und sich auf sein Team verlassen. 

 

Die meisten dieser Punkte scheinen auf den ersten Blick offensichtlich, dennoch schaffen es viele Vorgesetzte nicht, sie richtig umzusetzen. Dahinter steckt oft das eigene Ego, aber auch Unsicherheit und fehlende Erfahrung. Wie schon erwähnt, muss auch ein Chef erst einmal lernen, wie er sein Team anführt. Schließlich ist ja auch jedes Team so wie seine Mitglieder individuell. Dazu ist es wichtig, sich Fehler einzugestehen und auch seinen Angestellten zu kommunizieren. Die Zeiten, in denen ein Vorgesetzter unfehlbar war und immer Recht behalten musste, sind vorbei. Stattdessen sollte sich ein Chef heute mehr als ein Teil des Teams sehen als ein übergeordneter Befehlshaber und mit – und nicht gegen – seine Angestellten arbeiten. 

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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