Großkanzlei nur mit Vitamin B?

Was dran ist und worauf es außerdem ankommt


verfasst von Julia Maurer und veröffentlicht am 27.11.2019


Dass die Freunderlwirschaft in Österreich auch im juristischen Bereich Gang und Gebe ist, ist an sich nichts Neues. Doch wieviel steckt wirklich dahinter? Sind die richtigen Kontakte wirklich die einzige Möglichkeit einen begehrten Job in einer Großkanzlei zu landen oder ist das notwendige Vitamin B doch mehr Mythos als Realität? Das Studium der Rechtswissenschaften dauert in Österreich im Durchschnitt zwölf Semester. Das sind also sechs Ausbildungsjahre, nach denen noch ein Gerichtsjahr absolviert werden muss, bis endlich der Einstieg ins Berufsleben gemacht werden kann. Ist die lange Ausbildungszeit dann endlich passé, fängt der Ernst des Lebens erst so richtig an: es muss der richtige Job gefunden werden. Dass der Arbeitsmarkt nicht immer rosig ist und der Kampf um begehrte Jobs hart und unerbittlich sein kann wissen all jene, die den Bewerbungsprozess um eine Stelle in einer Großkanzlei schon einmal durchlaufen sind. Nun drängt sich aber doch die Frage auf: Was sind die besten Qualifikationen für den Job? Wie wichtig sind Noten und bisherige Arbeitserfahrungen? Und vor allem: Welche Rolle spielt Vitamin B bei alledem?


Für die Jobbewerbung gibt es kein Erfolgsrezept, nach dem man sich den optimalen Lebenslauf basteln kann. Die Anforderungen und Vorlieben sind von Arbeitgeber zu Arbeitgeber verschieden, denn jede Kanzlei legt auf unterschiedliche Dinge wert. Jedoch gibt es den einen oder anderen Anhaltspunkt, den einen angehenden Juristen am Arbeitsmarkt sehr attraktiv erscheinen lassen. Praktika, Auslandserfahrung und persönliches Engagement All jene Fähigkeiten die unter dem Begriff „soft skills“ zusammengefasst werden können, erlangen im Bewerbungsprozess immer größere Bedeutung. Diese unterscheiden sich von den „hard skills“ – den fachlichen Kompetenzen – dadurch, dass sie Aufschluss über überfachliche Qualifikationen wie beispielsweise Selbstdisziplin, Einfühlvermögen, Teamfähigkeit, Motivation und Kritikfähigkeit sowie auch Stressresistenz und Präsentationstechniken geben.
 


Bei diesen Großkanzleien wird fachliche Expertise großgeschrieben:



Jene Qualifikationen lassen sich nicht nur schwerer überprüfen, sie sind auch nicht einfach auf einem geradlinigen akademischen Weg zu erwerben. Sich diese Fähigkeiten anzueignen bedeutet ein über das universitäre hinausgehende Engagement zu zeigen, zum Beispiel durch einen Auslandsaufenthalt, durch die Mitarbeit in einem Verein oder im Zuge von Praktika. Als Jurist in einer Großkanzlei ist es heutzutage unerlässlich ein Teamspieler zu sein, sowie auch Empathievermögen zu besitzen, denn gerade Juristen müssen einen geschulten Umgang mit Menschen an den Tag legen können. Seien es also Fremdsprachenkenntnisse die beispielsweise durch ein Erasmussemester erworben wurden, Ferialpraktika oder ehrenamtliches Engagement, wer zusätzliche Erfahrung und „soft skills“ vorzuweisen hat, sticht mit seinen Qualifikationen beim potentiellen Arbeitgeber mit Sicherheit hervor und verschafft sich so einen klaren Vorteil mit seiner Bewerbung.
 


Kompetenz und know how auf jeder Stufe der Karriereleiter

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Einschlägige Fachrichtung

Der Rechtsbegriff ist ein unglaublich weiter, der mit seinen unterschiedlichen Zweigen gar nicht so schnell gefasst werden kann. Um sich einen Vorteil bei der Jobsuche zu verschaffen ist es ratsam, sich schon während der Studienzeit für eine bestimmte Richtung zu entscheiden und dementsprechend Arbeitserfahrung zu sammeln, denn so ist es ein Leichtes mit fachlich versiertem Know-How punkten zu können. Selbstverständlich und gerade weil der Rechtsbereich so vielfältig ist, ist es durchaus keine leichte Aufgabe genau zu wissen, in welchem Bereich man arbeiten möchte. An dieser Stelle heißt es wieder – ganz entgegen dem Motto „weniger ist mehr“ –: Arbeitserfahrung sammeln und in den Wunschbereich hineinschnuppern. Denn nur durch praktisches Arbeiten ist es möglich ein realitätsgetreues Bild der zukünftigen Arbeit zu zeichnen.


Der Notendurchschnitt

Natürlich können und werden die Noten des Abschlusszeugnisses nicht ganz außer Acht gelassen. Ein Vorzeigezeugnis ist jedoch nicht mehr das Maß aller Dinge. Hat der Bewerber nämlich Auslands- oder Praxiserfahrung oder eine Zusatzausbildung absolviert, so wird der Fokus bei der Bewerbung nicht auf den Noten liegen. Entscheidend ist hierbei wieder der Lebenslauf. Mit Zusatzqualifikationen werden die Noten sicherlich ein Stück weit in den Hintergrund geraten. Ist das Universitätszeugnis jedoch das Einzige, das vorgewiesen werden
kann, liegt darauf bestimmt das Hauptaugenmerk und der Notendurchschnitt ist durchaus relevant.
 


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Last but not least: Vitamin B

Und nun der Knackpunkt: die Herkunft. Es ist nicht zu leugnen, dass das Elternhaus immer noch eine gewisse Rolle, den Jobchancen betreffend, spielt. Im Wettkampf um den Arbeitsplatz schadet Vitamin B auf keinen Fall. Hat die Mutter beispielsweise eine eigene Kanzlei und verfügt somit über etliche Kontakte, vereinfacht dies die Jobsuche ungemein. Es können Jobs vermittelt werden und besteht ein persönliches Naheverhältnis, steigert dies die Chancen auf die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch enorm. Doch nichtsdestotrotz geht es im Anschluss noch darum, persönlich zu überzeugen. Großkanzleien operieren in der Regel international, weshalb gute Englischkenntnisse wie auch sonstige Fremdsprachenkenntnisse Schlüsselqualifikationen darstellen. Außerdem sind ein kompetentes Auftreten, Stressresistenz und eine schnelle Auffassungsgabe aufgrund der Schnelllebigkeit in der Kanzlei essenziell. Um diese Eigenschaften mitzubringen reichen gute Verwandtschaftsverhältnisse nicht aus, vielmehr müssen eben jene Fähigkeiten selbst erarbeitet werden. Dies zeigt auf, dass Vitamin B nicht das non plus ultra ist, vor allem in Großkanzleien, da das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter sehr hoch ist. Die Ansprüche die der Arbeitgeber an Bewerber hat, haben sich im Laufe der Zeit weitgehend geändert. Es ist dabei essenziell am Punkt der Zeit zu sein, wobei die familiäre Herkunft weitgehend in den Hintergrund gerät.

Unternehmen
TalentRocket GmbH

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Über den Autor

Julia Maurer - TalentRocket Autorin

Julia Maurer

Julia Maurer hat 2019 ihren Bachelor in Publizistik und Komunikationswissenschaft abgeschlossen und studiert im 5. Semester Rechtswissenschaften am Juridicum in Wien. Seit 2018 ist sie als Autorin für TalentRocket tätig.

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