Faszination Strafrecht

Oder warum du dich vor Mord und Totschlag nicht fürchten solltest


verfasst von Sonja Vass und veröffentlicht am 04.03.2020

 

Strafrecht ist wahrscheinlich jenes Fach, unter dem sich auch Nichtjuristen und Nichtjuristinnen einigermaßen etwas vorstellen können. Dennoch begegnen wir dem Strafrecht im Studium häufig mit gemischten Gefühlen. Es gilt als eine der großen Hürden im Studium und wer sich darauf spezialisieren möchte, wird häufig mit kritischen Fragen aus dem Bekanntenkreis konfrontiert – „Möchtest du denn wirklich einen Mörder verteidigen?“ Manche behaupten sogar, dieses Fach könne man nur entweder lieben oder hassen. Nachdem Hass nicht unbedingt ein erfreuliches Gefühl ist, hier einige Gründe, Strafrecht zu lieben. 

 

Strafrecht betrifft uns alle

Auch wenn wir es im Alltag nicht wahrhaben wollen – Kriminalität ist ubiquitär, so nennen es Soziologen. Allgegenwärtig. Das heißt, jeder von uns hat grundsätzlich ein gewisses Risiko, kriminell zu werden – oder Opfer von Kriminalität. Vielleicht sind wir es sogar schon einmal geworden, und uns dessen gar nicht wirklich bewusst. Kriminalität, wie wir sie definieren und wie wir damit umgehen betrifft uns in unserem juristischen wie persönlichen Alltag genauso regelmäßig wie die Regeln zum Abschluss von Verträgen. Allein das ist schon ein Grund, sich damit intensiver zu beschäftigen. 

 


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Schnittstellen zu anderen Disziplinen

Die Beschäftigung mit dem Strafrecht beinhaltet viele Möglichkeiten, über den juristischen Tellerrand hinauszusehen. Bereits während des Studiums kann im Rahmen eines Studienschwerpunkts oder Spezialvorlesungen in Grenzbereiche und verwandte Disziplinen hineinschnuppern. Da wären etwa naturwissenschaftliche Fächer wie Gerichtsmedizin oder forensische Psychiatrie, oder Sozialwissenschaften wie Kriminologie und Viktimologie. Aber auch Polizeirecht, Strafvollzug oder Spurensicherung und Tatortarbeit sind Themenbereiche, die für den Strafrechtler relevant sind. 

 

Jurist sein abseits von Klischees

Wir alle haben ein Bild des typischen Klischeejuristen im Kopf, der angetan mit schickem Anzug in seiner noblen Kanzlei sitzt und mit Wirtschaftsbossen verhandelt - „Suits“ lässt grüßen. Wie bei vielen Klischees hat auch dieses einen gewissen realen Hintergrund – und diese Art zu arbeiten hat durchaus seinen Reiz, liegt aber nicht jedem. Im Strafrecht hast du die Möglichkeit dich mit internationaler Wirtschaftskriminalität ebenso zu befassen wie mit dem „gewöhnlichen“ Bankraub. Du wirst viele unterschiedliche Menschen kennenlernen, auch jene die man gewöhnlich zu den Randgruppen der Gesellschaft zählt – und vielleicht erkennen dass es auch nur Menschen sind wie wir selbst auch, trotz der schweren Fehler die sie gemacht haben. Du wirst vielleicht Klientengespräche an eher ungemütlichen Orten führen – etwa in der Polizeidienststelle oder im Gefängnis, aber auch das kann eine interessante Herausforderung sein. 

 


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Sozialer Aspekt

Du möchtest Menschen helfen – warum nicht im Strafrecht? Der Strafverteidiger ist für einen Beschuldigten meist Hoffnungsträger in einer Notsituation, und Strafrecht ist mehr als nur die Frage von „Schuld und Sühne“. Vielmehr geht es im weitesten Sinne darum, auch nach einer Straftat eine Möglichkeit zu finden, wie das Leben für alle Beteiligten sinnvoll weitergehen kann. Als Verteidiger vertrittst du die Interessen des Täters, und das muss nicht immer „Freispruch um jeden Preis“ bedeuten. Zum Beispiel kann für einen suchtkranken Täter ein Schuldspruch mit der Bewährungsauflage einer Therapie durchaus eine Chance darstellen, seine Sucht zu überwinden und in ein geregeltes Leben zurückzufinden. Aber auch abseits vom „klassischen“ Weg der Anwaltsausbildung kann sich ein Jurist mit Strafrechtlichem Interesse in Tätigkeitsbereichen mit starkem sozialen Aspekt engagieren, zum 

Beispiel in der Bewährungshilfe oder bei Opferschutzeinrichtungen. Wer das Strafrecht unter dem Aspekt der Menschlichkeit betrachtet, findet sicher Möglichkeiten, mit seinem Beruf nicht einfach nur Geld zu verdienen, sondern einen Beitrag für eine bessere, menschlichere und gerechtere Gesellschaft zu leisten. Und das ist doch irgendwie doch einer der Gründe, warum wir uns für die Juristerei entschieden haben. 

 

Neue Technik – neue Herausforderung

Wie viele andere Rechtsgebiete auch, muss sich das Strafrecht an neue technische Entwicklungen anpassen. So führte etwa die Einführung von Bankomat- und Kreditkarten zu neuen Möglichkeiten sich auf unehrliche Weise zu bereichern. In der Folge brauchte es neue Straftatbestände wie etwa die „Unterdrückung von unbaren Zahlungsmitteln“. Heute ist es das Internet, das Gesellschaft und Juristen vor neue Herausforderungen stellt. Reichen die bestehenden Straftatbestände aus um mit den unerfreulichen Erscheinungen der digitalen Welt juristisch fertig zu werden? Welches Verhalten im Internet soll überhaupt sanktioniert werden? Wie findet man eine Balance zwischen Strafverfolgung und Freiheitsrechten im Internet und wie passt das ganze in unser Rechtssystem? All das sind aktuelle Fragen, mit denen sich auch die juristische Forschung befassen kann – also jede Menge spannende Arbeitsbereiche! 

 

Blick in den Abgrund

Es klingt zwar zunächst befremdlich, aber mal ganz ehrlich: Abgründe sind faszinierend. Der Strafrechtler blickt in die Abgründe der menschlichen Gesellschaft. Man kann vor Kriminalität Angst haben, und dieses Thema – wie viele andere unerfreuliche auch – tunlichst aus seinem Leben auszuklammern versuchen. Oder man kann bewusst hinschauen und versuchen, zu verstehen. 
 


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Das Strafrecht ist auch jenes Rechtsgebiet, das am intensivsten in das Leben der Menschen eingreifen kann. Gerade deshalb ist es ein Fach, das Genauigkeit und Konsequenz einfordert und dennoch von uns verlangt, Unsicherheiten zu akzeptieren. Ein Schuldspruch kann genauso gravierende Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben wie etwa ein Freispruch „im Zweifel für den Angeklagten“. Du findest es spannend, solche Gedankenexperimente weiterzudenken? Du unterscheidest nicht zwischen schwarz und weiß sondern analysierst mit Begeisterung die Graustufen unserer Gesellschaft? Du gehst Problemen lieber selbstsicher entgegen anstatt davor wegzulaufen? Vielleicht bringst du dann ja die besten Voraussetzungen mit, um sich im Strafrecht wohlzufühlen. 

 

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Über den Autor

Sonja Vass - Autorin bei TalentRocket

Sonja Vass

Sonja Vass studiert Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck und arbeitet hauptberuflich im Rettungsdienst, seit Februar 2019 ist sie als Autorin für TalentRocket tätig.

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