Einen Anwalt ausborgen? Das ist ein Secondment!

Wenn Kanzleien ihre Anwälte ins Ausland schicken


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 21.08.2019

 

Als Anwalt für ein paar Monate beruflich ins Ausland? Das geht! Besonders in internationalen Großkanzleien ist das Secondment beliebt und gilt als personalfördernd. Trotzdem scheint vielen Juristen nicht ganz klar zu sein, was sich hinter diesem Begriff überhaupt verbirgt, ganz zu schweigen davon, was sie selbst für Vorteile aus einem Secondment ziehen können. Alle offenen Fragen zu diesem Thema wollen wir deshalb in diesem Artikel beantworten und etwas Licht ins Dunkel bringen.


 

Firmenbotschafter mit Berufserfahrung

Eigentlich ist es ganz einfach: Bei einem Secondment wird ein Anwalt, der fest bei einer Kanzlei beschäftigt ist, ins Ausland versetzt. Allerdings muss das Secondment nicht kanzleiintern sein. Der Jurist kann zwar an eine andere Niederlassung (Office Secondment) versetzt werden, genauso möglich ist es aber, dass er an internationale Mandanten (Client Secondment) oder sogar an Partnerkanzleien „verliehen“ wird. Dabei handelt es sich in der Regel nicht um Berufseinsteiger, sondern um Associates, die schon einige Jahre Erfahrung vorweisen können. 

Vorteile bringt das sowohl dem verliehenen Anwalt, als auch der verleihenden Kanzlei. Der Anwalt profitiert bei dem in der Regel drei bis sechsmonatigen Aufenthalt von der internationalen Erfahrung und der Erweiterung seines beruflichen und persönlichen Horizonts. Neue und unbekannte Aufgaben kommen auf ihn zu und er muss sich neu beweisen.

Für die Kanzlei wiederum nimmt der Secondee (also der verliehene Anwalt) sozusagen die Rolle des Firmenbotschafters ein. Er soll die Kanzlei möglichst positiv vertreten und so ihr Ansehen bei Klienten oder den internationalen Partnern stärken. Wer also die Möglichkeit angeboten bekommt, ein Secondment anzutreten, der sollte nicht fürchten, dass der Arbeitgeber ihn loswerden möchte. Im Gegenteil: Ein solcher Vorschlag ist eindeutig als Kompliment für gute Arbeit zu betrachten und als Investition der Kanzlei in den Anwalt, um dessen Profil zu stärken – ganz zu schweigen von dem Vertrauensbeweis gegenüber dem Secondee.

 


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So geht es – Eigeninitiative und die Gehaltsfrage

Natürlich muss dem Anwalt das Secondment nicht explizit vorgeschlagen werden. Oftmals geht die Initiative vom Kandidaten selbst aus. Der angehende Secondee sollte sich dabei an den Partner des jeweiligen Fachbereichs wenden und sein Vorhaben anschließend mit der Personalabteilung besprechen. Allerdings sollten einige Grundvoraussetzungen gegeben sein, um überhaupt an die Sache heranzugehen. Dazu gehört, dass man in der Regel mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringt. Genauso wichtig ist es natürlich, dass man die Sprache in seinem Zielland perfekt beherrscht – oder zumindest die dortige Geschäftssprache. 

Das Gehalt wird normalerweise weiterhin vom Arbeitgeber des Anwalts bezahlt, also von der Kanzlei, die ihn verleiht. In der Regel entspricht das Gehalt während des Secondments dem, was der Secondee auch zu Hause verdienen würde. Dazu kommt aber oftmals noch ein Zuschlag für Mehrkosten wie beispielsweise Verpflegung. Auch sonst ändert sich aus organisatorischer Sicht für den Secondee während seines Auslandsaufenthalts nichts besonders viel: Beschränkt sich der Aufenthalt auf einen Zeitraum unter sechs Monaten, laufen die Versicherungen gewöhnlich weiter und auch Steuern und Beiträge werden wie gewohnt im Heimatland abgegeben. Eventuell müssen jedoch zusätzliche Versicherungen wie eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden. 

 


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Das hat der Secondee davon

Davon abgesehen, dass es eine unvergessliche Erfahrung ist, für eine Zeit im Ausland zu arbeiten, bringt es für einen Secondee viele Vorteile, sich ausleihen zu lassen. Während des „Client Secondment“ bekommt er beispielsweise einen wertvollen Einblick in die Denkweise und die Anforderungen und Bedürfnisse von Klienten. Dieser Perspektivwechsel hilft, einen differenzierteren Blick auf die eigene Tätigkeit zu bekommen und kundenorientierter zu arbeiten.

Gleichzeitig erweitert ein Secondee sein Netzwerk erheblich durch die Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen. Er hilft damit nicht nur sich selbst, sondern auch der Kanzlei. Die interne Kommunikation wird durch den Austausch verbessert und während eines Aufenthalts in einer Partnerkanzlei kann der Secondee seine Kanzlei repräsentieren und dadurch ein größeres und stabileres Netzwerk aufbauen. 

 

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Neben den beruflichen Vorteilen bringt ein Secondment natürlich auch persönliche Vorzüge mit sich, die an dieser Stelle nicht vernachlässigt werden sollen. So ist es oftmals der Fall, dass Secondees im Vergleich zu ihrer Heimat eine geringere Arbeitszeit abzuleisten haben. Das ermöglicht es ihnen, die Umgebung zu erkunden, mit Menschen im Gastland in Kontakt zu kommen und sich kulturell weiterzubilden. Besonders Anwälte, die während des Studiums keine Möglichkeit für einen Auslandsaufenthalt hatten, können von dieser Erfahrung profitieren und werten damit gleichzeitig ihren Lebenslauf auf – internationale Erfahrung ist in der Kanzleiwelt nicht nur bei Großkanzleien immer gefragt – besonders, wenn es sich um professionelle Aufenthalte handelt. 

Wie man sieht, sind der Nutzen und die Möglichkeiten eines Secondments nicht von der Hand zu weisen. Von dem bloßen Vertrauensbeweis der eigenen Kanzlei einmal abgesehen, ist der Auslandsaufenthalt ein Zeichen, dass die Kanzlei in dem Anwalt einen guten Repräsentanten sieht und ihm deshalb die Möglichkeit bieten will, internationale Erfahrungen zu sammeln. Der Anwalt kann sich so persönlich weiterentwickeln und sein Profil schärfen und nebenbei noch einzigartige Erfahrungen mit Land und Leuten machen. 


 

Bei all den Vorteilen sollte man allerdings auch den organisatorischen Aufwand eines Secondments nicht unterschätzen. Die Planung sollte früh genug beginnen, vor allem, wenn Secondments in der Kanzlei nicht regelmäßig durchgeführt werden. Dazu gehört es auch, sich persönlich auf die Gegebenheiten und die Arbeitsbedingungen im Land vorzubereiten und gegebenenfalls auch fachlich sein Wissen aufzufrischen. Wer die Sache mit Motivation und guter Organisation angeht, dem ist eine bereichernde Erfahrung garantiert!

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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