Die neuen Juristen – Generation Y

So verändern Millennials die Kanzleiwelt


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 04.07.2019

 

Der Schrecken eines jeden Arbeitgebers oder vielversprechende Zukunftsvisionäre? An der Generation Y scheiden sich die Geister. Fakt ist jedoch, dass diese Generation einen immer größeren Teil der Arbeitnehmer ausmachen wird – und das bedeutet in Zeiten des Fachkräftemangels, dass sich Arbeitgeber auf die Ansprüche der neuen Generation einlassen müssen, um hochqualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren. 


 

Was macht diese Generation aus?

 

Die Bezeichnung „Generation Y“ wird von dem englischen „Why“ hergeleitet und ist bezeichnend für das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit sowohl im Privaten als auch im Beruf. Was bisher galt, wird hinterfragt und bestehende Normen der Arbeitswelt kritisiert. Wichtig ist für Millennials vor allem die eigene Individualität. Sie möchten als Person wahrgenommen werden und gemäß ihren persönlichen Bedürfnissen behandelt werden.

Die Generation Y besteht aus Menschen, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Am Arbeitsmarkt machen sie momentan den größten Anteil aus und sind damit auch bei den Juristen in der Überzahl. Es lohnt sich also, ihre Bedürfnisse zu kennen.

Eine große Stärke der Generation Y ist ihre Internationalität. So ist es keine Seltenheit, wenn ein Millennial neben seiner Muttersprache auch noch eine oder sogar mehrere Fremdsprachen fließend spricht. Auslandserfahrung ist dank Erasmus und Auslandspraktika eher die Norm als die Ausnahme und auch sonst gilt die Generation als sehr engagiert. Millennials sind sich ihrer Vorzüge bewusst und dementsprechend recht wählerisch, wenn es um die Wahl ihres Arbeitsplatzes geht.


 

Das treibt Millennials an

 

  • Sinn in der Arbeit

 

Der Arbeitsmarkt steht der Generation Y weit offen und oftmals können sie sich ihren Job aussuchen. Aus dieser Position heraus entstehen Ansprüche, die über bloße Gehaltsvorstellungen hinausgehen. So suchen Millennials nicht nur nach finanzieller Sicherheit, sondern vorrangig nach Flexibilität, nach Selbstbestimmung, der Möglichkeit zur persönlichen und beruflichen Entwicklung und einer ethisch vertretbaren Tätigkeit. 

Ein typisches Bewerbungsgespräch spiegelt diese Einstellung dahingehend wider, dass ein junger Jurist oftmals ganz bestimmte Forderungen bezüglich Gehalt, Aufgabenbereich und Entwicklungsmöglichkeiten stellt, anstatt nur sich selbst zu verkaufen. Im Extremfall werden die Rollen getauscht:

Nicht mehr der Bewerber muss sich der Kanzlei verkaufen, sondern die Kanzlei dem Bewerber. 

 

Die Kanzleien sollten darauf entsprechend reagieren. Es sollte möglich sein, fachlich flexibel zu arbeiten und Raum zur Verwirklichung von beruflichen und privaten Zielen aufgezeigt werden. Der Arbeitsalltag sollte so gestaltet sein, dass der Arbeitnehmer aktiv auf Prozesse Einfluss nehmen kann. Das ist nicht zum Nachteil der Kanzlei, im Gegenteil ergeben sich dadurch überdurchschnittlich motivierte Mitarbeiter. Besonders Großkanzleien sollten ihre Anreize überdenken. Millennials sehen diese aufgrund von zu langen Arbeitszeiten oftmals nur als Sprungbrett an und entscheiden sich nach einiger Zeit gegen das hohe Gehalt und für eine bessere Work-Life-Balance in einer kleineren Kanzlei. Dem sollten Großkanzleien mit Angeboten zur Weiterbildung oder flexiblen Arbeitszeiten entgegenwirken.


 

  • Work-Life-Balance

 

Wie bereits erwähnt, genügt ein hohes Gehalt nicht mehr langfristig als Anreiz für die Generation Y. Ihre Prioritäten liegen hingegen bei der Familie, bei Freizeit und Freunden. Obwohl bisher nur ca. 10% aller Millenials Kinder haben und 25% verheiratet sind, hat das Thema eine sehr hohe Stellung und wird auch schon berücksichtigt, bevor der konkrete Fall eintritt. Eine Kanzlei kann von dieser Einstellung profitieren, wenn sie Homeoffice, Teilzeitarbeit, Gleitzeit oder gar Sabbaticals anbietet und damit qualifizierte Arbeitnehmer auf sich aufmerksam macht. 

Natürlich wissen Großkanzleien von diesem Trend und nicht wenige von ihnen haben bereits entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet. Verträge mit bis zu 50 Urlaubstagen (gegen Abstriche beim Gehalt) oder Sabbaticals sind oftmals möglich und können offen verhandelt werden. So bleibt dem Millennial-Arbeitnehmer zwar unterm Strich weniger Gehalt, dafür kann er sich aber auf die Reise machen, die er schon lange plant oder einfach mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. 

Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist ein wichtiges Stichwort und auch hier sind die Kanzleien in der Pflicht. Eltern-Kind-Arbeitszimmer, kanzleieigene Kita, Notfalldienste und Abholservice machen bei jedem Millennial einen guten Eindruck.

 

  • Leistung vor Stunden

 

Wer Leistung heutzutage noch in abgesessenen Stunden misst, anstatt qualitative Leistung zu würdigen, der wird es bei der Generation Y schwer haben. Nichts frustriert diese Arbeitnehmer mehr als sinnlos abzusitzende Stunden, wenn die Arbeit schon erledigt ist. Sie wollen sich nicht auf Spielchen einlassen, die zum Ziel haben, der letzte im Büro zu sein oder dafür geachtet werden, dass sie regelmäßig vor dem Chef nach Hause gehen. Zeigt ein Millennial gute Leistungen, hat es aber abends eilig, nach Hause zu kommen, dann sollte das so vom Arbeitgeber akzeptiert werden. 

 

  • Ein freundliches Arbeitsumfeld

 

Arbeit ist Arbeit und Freizeit ist Freizeit? Nicht so für die Generation Y. Hier gibt es im idealen Fall einen fließenden Übergang. Die Kollegen als Freunde, den Chef als großer Bruder und den Arbeitsplatz individuell gestaltet arbeitet der Millennial am besten. Wo er sich nicht wohlfühlt, ist er bald wieder weg. Konkurrenzkämpfe schrecken eher ab, als dass sie motivieren und eine konstruktive Zusammenarbeit ist es, was die Generation so richtig aufblühen lässt. Hierbei sollte auch der Führungsstil eine große Rolle spielen. Es gilt: Millennials brauchen keine autoritären Vorsitzenden, sondern kooperative Mentoren, die sich die Anerkennung ihrer Kollegen verdient haben – etwa durch Ehrlichkeit, Transparenz und Fairness. 

 

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Ist die Generation Y wirklich so anstrengend?

 

Millennials haben den Ruf, schwierige Arbeitnehmer zu sein, zu viele Forderungen zu stellen, ständig nach Anerkennung zu suchen und verwöhnt zu sein – ganz schön anstrengend für einen Arbeitgeber. Man sollte das Ganze jedoch von seiner positiven Seite betrachten: So ist die Generation Y unter den richtigen Voraussetzungen zu sehr guten Leistungen fähig, weiß, was sie will, und ist darüber hinaus sehr gut ausgebildet. Sie bringt eine Menge Potenzial mit und ist auf dem Weg, dieses zu entfalten. Wenn die Grundlage dafür Veränderungen sein sollen, dann müssen diese entsprechend ihren Bedürfnissen stattfinden.

 

Auch wenn es in diesem Artikel so scheint: Natürlich sind nicht alle Angehörigen einer Generation gleich. Dennoch gibt es einen bestimmten Grundton, der die Generation Y ausmacht. Und dieser unterscheidet sich deutlich von dem vorheriger Generationen. Eines sollte aber jedem klar sein: Millennials sind die Zukunft – und die Gegenwart. Wer sich gegen sie stellt, stellt sich am Ende gegen sich selbst. Flexibilität ist angesagt: Wer das kann, der macht am Ende nicht nur seine Arbeitnehmer glücklich, sondern auch sich selbst.

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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