Sex is on fire! Die kuriosesten Rechtsfälle rund um Weihnachten

Oder: Wie Weihnachten verboten wurde...


veröffentlicht am 18.12.2018

 

Die sonderbarsten Fälle landen regelmäßig vor Gericht und manchmal kommt man einfach nicht umhin, die verwickelten Juristen zu bemitleiden. Natürlich kann nicht jeder Fall ein Mord- oder ein medienwirksamer Betrugsfall sein. Dennoch rechnen während ihres Studiums die wenigsten damit, einmal einen Beamten zu verteidigen, der während des Schlafens bei der Arbeit vom Sessel fällt und sich die Nase bricht. Mit besonders bizarren und beinahe schon beeindruckend belanglosen Fällen müssen sich Gerichte jedes Jahr zur Weihnachtszeit herumschlagen. Wir haben hier die absurdesten Fälle zusammengefasst, die sicherlich jeden Juristen in Weihnachtsstimmung versetzen! 

 

Fall 1: Das Lichterfest

US-Amerikaner sind ja dafür bekannt, dass sie bei der Weihnachtsdekoration gerne einmal ein wenig übertreiben. Mark und Kathy Hyatt aus Plantation, Florida, brachten das Ganze aber noch einmal auf ein ganz neues Level: mit über 200.000 Lichter schmückten sie ihren Garten, neben kitschigen Dekorationen, einem riesigen Christbaum und sogar einem Riesenrad. Das Weihnachtswunderland war stadtbekannt – und wegen seiner kitschigen und vermeintlich hässlichen Erscheinung mehr als kontrovers. Die Stadt verklagte die Familie deshalb mit der Begründung die Attraktion sein ein Ärgernis und sogar gefährlich. Die Klage wurde jedoch letztendlich abgewiesen, weil die Stadt keine überzeugenden Argumente vorbringen konnte.

Übrigens: Mark hat sich mittlerweile von Kathy getrennt. Die Umstände waren auch hier etwas eigentümlich. Angeblich fälschte er ihre Unterschrift bei der Aufnahme von Krediten im fünfstelligen Bereich und machte sie so zum Kreditnehmer. Der Kredit wurde jedoch nicht zurückgezahlt und Mark und sein Bruder, ein Anwalt, gingen in Kathys Namen vor Gericht – ohne ihr Wissen.

 

Fall 2: Santa Claus gibt es wirklich!

Dieser kuriose Fall wurde 2002 unter dem Namen State v. Hayes bekannt. Ebendieser Herr Hayes war nämlich in einen Autounfall verwickelt und zeigte auf Nachfrage seinen Ausweis dem zuständigen Polizisten vor. Zu dessen Überraschung stand auf diesem jedoch nicht der Geburtsname des Mannes, Warren Hayes, sondern der Name Santa Claus unter der Adresse 1 Noel Drive, North Pole USA geschrieben. Der Mann wurde daraufhin wegen der Benutzung eines fiktiven Namens angezeigt. Nicht nur mit einem Ausweis konnte Hayes jedoch seine Identität als Santa Claus vor Gericht belegen.

 

Auch eine Geburtsurkunde wies ihn als den Mann vom Nordpol aus. Laut des Dokuments sind die Namen seiner Eltern „Mr. Claus and Holly Noel“, der anwesende Arzt operierte unter dem Namen „Dr. Snowflake“.

 

Sein Auto, ein 1965 Volkswagen, war ebenfalls auf den Namen angemeldet. Das amerikanische Bureau of Motor and Vehicles habe laut Gericht ein 20-jähriges Verhältnis mit der Person unter diesem Namen unterhalten. Das Gericht erkannte deshalb die Identität des Mannes als Santa Claus an und gab damit die Antwort auf eine uralte Frage: Santa Claus gibt es wirklich – allerdings erst seit 1982.

 

Fall 3: Oder gibt es ihn doch nicht?

In einem spanischen Kaufhaus ging 2015 der Weihnachtstraum eines siebenjährigen Mädchens abrupt zu Ende. Die Verkäuferin forderte sie und ihren Vater auf, sich doch woanders umzusehen – damit die Mutter sich um die Weihnachtsgeschenke kümmern könne. Für das Kind war das offensichtlich ein Schock, war es doch davon ausgegangen, dass der Weihnachtsmann ihr die Geschenke bringe.

Nicht nur das Kind reagierte „bestürzt“. Auch die Eltern waren entsetzt über die Art, wie die Frau ihr Kind mit der Realität konfrontierte und wollten prompt den Abteilungsleiter sprechen. Die Verkäuferin wurde auf diesen Vorfall hin entlassen. Das Gericht der Kanaren in Santa Cruz de Tenerife gab dem Arbeitgeber Recht und wies damit die Klage der Frau zurück. Die Verkäuferin habe sich auch zuvor schon wenig kooperativ gezeigt.

 

Großkanzlei
Freshfields Bruckhaus Deringer LLP

Freshfields Bruckhaus Deringer LLP


Erfahre mehr über diesen Arbeitgeber und finde heraus, was ihn ausmacht.

 

Fall 4: Der Wurm im Weihnachtsessen

Das Weihnachtsessen sollte eigentlich das Beste im Jahr sein. Ein „traumatisches“ Erlebnis war es hingegen für den Kläger in diesem Fall. Er verlangte vor dem Amtsgericht Aalen, Deutschland, Schmerzensgeld: Für Würmer, die sich in seinen Bio-Paprika im Glas befanden. 

 

Der Anblick habe bei der ganzen Familie Erbrechenserscheinungen ausgelöst und das Weihnachtsfest sei danach alles andere als harmonisch verlaufen: Laut eigener Aussage sei ihm “ein Stück Lebensfreude entgangen”.

 

Das Gericht jedoch zeigte sich von der Familientragödie unberührt. Würmer seien im Alltag immer wieder anzutreffen, so seien beispielsweise Regenwürmer ein normaler Anblick, hätten also kein Potenzial ein Trauma zu verursachen, selbst wenn sich die Würmer in diesem Fall nicht auf der Straße, sondern im Essen befanden. Am Ende des Prozesses folgte dann von Seiten des Gerichts noch ein Seitenhieb gegen den Kläger. Dieser sei möglicherweise von Zeitungsartikeln über das „Land der unbegrenzten (Schmerzensgeld-) Möglichkeiten“ inspiriert gewesen. Dass dies in Deutschland keine Option ist, sollte ihm nun klar sein.

 

Fall 5: (Keine) Weihnachtsstimmung im Gefängnis

Strafgefangene müssen an Weihnachten ohne Christbaum auskommen. Das entschied das Kammergericht Berlin 2005 mit der Begründung, dass mit Hilfe der Bäume Drogen geschmuggelt werden könnten, z.B. in ausgehöhlten Ästen oder, bei einer Topfpflanze, in der Blumenerde. Außerdem bestehe eine erhöhte Brandgefahr. Die Gewährleistung der Sicherheit der Gefangenen stehe in diesem Fall über der Religionsfreiheit des Einzelnen.

 

"Freispruch!" Strafrecht in der Praxis

 

Fall 6: Sex on Fire

Besonders heiß ging es in diesem Fall her. Ein Mann hatte in der Früh die Kerzen des Adventkranzes zum Frühstück angezündet, sei dann aber wieder zu seiner Freundin ins Schlafzimmer gegangen. Das Unvermeidliche ließ nicht lange auf sich warten: Er habe „nach dem Betreten des Schlafzimmers aufgrund der körperlichen Reize seiner Lebensgefährtin nicht mehr an den brennenden Adventskranz gedacht“. Während sich das Paar im Schlafzimmer vergnügte, löste der Adventkranz einen Wohnungsbrand aus. Grob fahrlässig? Nicht für das Oberlandesgericht Düsseldorf! Der Richter zeigte hier Verständnis und die Versicherung musste zahlen. Geholfen habe übrigens, dass die damalige Freundin nun die Frau des Klägers war.

 

Was sind die Alternativen zum klassischen Jus Studium?

 

Fall 7: Weihnachten ist Geschichte

Ein Winter ohne Weihnachten? Geht nicht. Geht doch! Zumindest in diesem historischen Fall. 1659 verboten die Puritaner in Massachusetts einfach mal das Weihnachtsfest. Die Begründung? Die Puritaner waren nicht gerade die fröhlichste christliche Bewegung. Feste standen deshalb bei ihnen auf der Abschussliste, sie lenkten schließlich von der gewissenhaften Ausübung des Glaubens ab. Nicht nur Weihnachten war betroffen, auch Ostern und Pfingsten mussten zeitweilens dran glauben. Nach Meinung der Puritaner war für einen gläubigen Menschen jeder Tag ein Feiertag - besondere Feiertage waren also nicht erwünscht. Hinzu kam, dass Weihnachten an einem Tag gefeiert wurde, der mit heidnischen Bräuchen in Verbindung gebracht wurde. Grund genug, das Fest zu verbieten. 

 

“(T)o the great dishonor of God and offence of others, it is therefore ordered by this Court and the authority thereof, that whosoever shall be found observing any such day as Christmas or the like, either by forbearing of labor, feasting, or any other way, upon such accountants as aforesaid, every person so offending shall pay of every such offence five shillings, as a fine to the county.”

 

Mit diesen Worten wurde Weihnachten also 1659 Geschichte: vorerst, wie wir heute glücklicherweise sagen können.

 

Fall 8: Weihnachtsmann oder nicht Weihnachtsmann - das ist hier die Frage

Der Weihnachtsmann: Ein dicker, bärtiger alter Mann, der mit Hilfe eines Rentierschlittens Geschenke durch den Rauchfang verteilt und zuweilen ein rot-weißes Kostüm trägt, das einem Bademantel verdächtig ähnlich sieht. An sich ist der heute auf der ganzen Welt so allgegenwärtige Weihnachtsmann eigentlich nur - im Gegensatz zur historischen Figur des heiligen Nikolaus - zu Werbezwecken aus verschiedenen Inspirationen zusammengesetzt worden, darunter angeblich auch ein ehemaliger Coca Cola Auslieferungsfahrer, der mit dem Designer befreundet war. Also nicht unbedingt das, was man sich unter einer geschmackvollen Figur vorstellt.

Unsere nächste Klägerin sah das wohl ein wenig anders - und klagte deshalb gegen ein Unternehmen, das eine Weihnachtsmannfigur vertrieb, die ihrer Meinung nach “eine Verletzung ihres Gemeinschaftsgeschmacksmusters” darstelle. Interessant ist dabei, dass die Klägerin eine ähnliche Weihnachtsmannfigur vertrieb, die als Klagemuster diente. Das Gericht musste sich nun also mit der Frage auseinandersetzen: Wie sieht denn eigentlich ein geschmacklich trefflicher Weihnachtsmann aus? Das Gericht entschied wie folgt:

 

Ein Weihnachtsmann sei “traditionell ein meist dicklicher, freundlicher alter Mann mit langem weißen Bart, rotem – früher häufiger auch grünem – mit weißem Pelz besetzten Mantel und einer entsprechenden Zipfelmütze. Er wird häufig mit einem Geschenksack und einer Rute dargestellt.”

 

Der betreffende Weihnachtsmann wies zwar tatsächlich ein paar Abweichungen von diesen Merkmalen auf - weshalb das Landgericht Düsseldorf der Klägerin Recht gab. Das angeklagte Unternehmen ging dann jedoch vors Oberlandesgericht Düsseldorf und behielt schließlich Recht. Die Figur dufte weiter verkauft werden.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Weihnachten kann für Juristen ganz schön anstrengend sein! Aber andererseits - Wer kommt schon nicht gerne in den Genuss einmal den echten Santa Claus zu verteidigen? Diese Fälle zeigen einmal mehr, dass Juristen manchmal eine gehörige Portion Humor mit in den Gerichtssaal bringen müssen. In diesem Sinne - fröhliche Weihnachten wünscht euch das gesamte TalentRocket Team!

 

Spannende Rechtsfälle faszinieren dich?

Dann ist unsere Stelle bei Freshfields etwas für dich!

 


Auch interessant: 

 

 

Juristische Arbeitgeber, Jobs oder Events. Exklusiv für Mitglieder!

Mit der 1-Klick Bewerbung kannst du dich in sekundenschnelle bei den Arbeitgebern bewerben.



Talente haben sich auch diese Artikel durchgelesen:

Lifestyle

Die TOP 6 Apps für Juristen! Download-Tipps,...

...die das Juristenleben erleichtern

Lifestyle

Die Top 11 Witze über Rechtsanwälte

Kommt ein Rechtsanwalt in eine Bar...

Lifestyle

"Na gut, ich verzichte auf das Urteil"

... die besten Richter-Witze

Über 21.500 Talente nutzen bereits TalentRocket. Beobachte Jobs, entdecke spannende Arbeitgeber und bewirb dich mit deinem persönlichen Profil.