Der richtige Mandantenkontakt

Die Kunst des guten Verhältnisses zwischen Rechtsanwalt und seinen Klienten...


verfasst von Carolina Kral und veröffentlicht am 24.10.2018

 

In jeder Gesellschaft der Welt spielen Umgangsformen eine große Rolle. Wird in Österreich gerne die Hand geschüttelt, so küsst man sich beherzt auf die Stirn in anderen Kulturen. Als Jurist steht man täglich vor der Herausforderung im Umgang mit Mandanten, denn das Auftreten gehört genauso zu einem guten Juristen wie sein theoretisches Wissen.

 

Die Wahl des richtigen Outfits

Bevor Hände geschüttelt werden ist es offensichtlich, sein Gegenüber zu erblicken. Es fallen direkt diverse Dinge auf, wie Krawatte oder keine, Sakko oder keines, abgewetzte Schuhe oder nicht. Dabei gelingen auch den besten Juristen immer wieder große Faux-Pas. Die Wahl des richtigen Outfits ist oft entscheidend für den ersten Eindruck. “Kleider machen Leute” ist in diesem Fall nicht all zu weit hergeholt.

Für Damen ist ein Kostüm empfehlenswert, ein adrettes Kleid oder der klassische Hosenanzug, dazu flache dezente Schuhe oder auch Stöckelschuhe, vorausgesetzt man kann auch richtig damit gehen. Ein gepflegtes Äußeres ist für Frauen ebenso wichtig, wie die Wahl der Kleidung. Sitzt ein Mandant einer Rechtsanwältin gegenüber, deren Haare nicht gekämmt aussehen, kann dies schnell einen schlampigen Eindruck machen, der eventuell auf eine ebenso schlampige Arbeitsweise schließen lässt.

Für Herren empfiehlt sich der klassische Anzug mit Hemd und Krawatte, ein dazugehöriges Sakko – ein Muss. Je nach Setting ist hier aber der Krawattenzwang nicht immer gegeben. Beim ersten Mandantenkontakt macht das Tragen einer Krawatte einen seriösen und gut gepflegten Eindruck. Im weiteren Verlauf des Mandats und in den eigenen Büroräumlichkeiten könnte die Krawatte auch weggelassen werden. Bei Herren sind die klassischen Anzugschuhe am besten. Diese sollten immer gepflegt aussehen. Das heißt nicht, dass die tägliche Schuhpflege ein Muss ist, allerdings sollten sie immer mal wieder geputzt werden - gerade im Winter bei potentiellen Rückständen von Streusalz oder im Sommer von staubigen Straßen.

Der erste Eindruck vor Mandanten macht viel aus. Wer sich hier Mühe gibt, kann auch beim zweiten Eindruck nur gewinnen.

 

Die Begrüßung

Dass händeschütteln keine einfache Aufgabe ist, wissen wir alle - der eine drückt zu fest und der potentielle Ring am Finger fühlt sich an wie ein Messer, das in die Haut schneidet. Ein anderer drückt zu lasch und der Gedanke kommt auf “hmm scheint keine starke Persönlichkeit zu sein”. Manch einer schüttelt so lange die Hand, bis man am liebsten im Boden versinken möchte. Hier gilt für Frauen, sowie für Männer, ein selbstsicherer Händedruck – nicht länger als 2 Sekunden – ist ideal. Ein absolutes No-Go ist das Händeschütteln mit der linken Hand auf den sich schüttelnden Händen. Dies ist eine absolute Unart und suggeriert dem Gegenüber Überlegenheit, welche in einem Mandantenverhältnis nichts zu suchen hat. Das Händeschütteln beginnt immer mit der Dame im Raum, ungeachtet dessen, ob man selbst männlich oder weiblich ist. Weiter wird dann auf die “Rangfolge” der Anwesenden geachtet. Ist es ein Ehepaar welches in die Kanzlei kommt, so ist klar: Dame zuerst, Herr danach. Kommen mehrere Herren mit einer Dame ins Büro, so wird die Dame zuerst begrüßt und die Herren in der “Rangreihenfolge”, beginnend mit dem Ranghöchsten beispielsweise dem CEO. Hiernach sein untergeordneter CFO. Beachtet man diese Dinge, so hat man die erste Hürde eines guten Mandantenkontakts gemeistert.

Weiter geht es zu diversen Begrüßungsfloskeln und dem Auftreten währenddessen. Warten Mandanten im Wartebereich der Kanzlei, so können sie von dort abgeholt werden und der Rechtsanwalt befindet sich somit automatisch in einer aufrechten Position um den Mandanten begrüßen zu können. Sollten die Mandanten im eigenen Zimmer empfangen werden, so ist das Aufstehen und auf die Mandanten zugehen Pflicht! Betritt der Rechtsanwalt als Letzter den Konferenzraum und sitzen die Mandanten bei Tisch, so gilt es auf die Mandanten zuzugehen und wieder in der oben genannten Reihenfolge zu begrüßen. Herren erheben sich meist selbst aus ihren Sesseln, Damen nicht unbedingt. So ist es in dieser Situation wichtig sich nicht über die sitzende Person zu beugen, nicht hinter der Person zu stehen, sondern aus einem möglichst geraden Winkel zu begrüßen.

Kaum jemand fühlt sich allzu wohl bei jemandem, der “Grüß Gott” in den Boden hineinschauend murmelt. Wichtig ist auch hier das selbstbewusste Auftreten und der Augenkontakt! Wer seinen Mandanten in die Augen schaut, kann direkt eine Vertrauensbasis erwirken und dem Gegenüber das Gefühl geben gut aufgehoben zu sein, bei jemanden, der dem Mandanten Beachtung und Respekt schenkt.

 

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Mandanten zurechtweisen

So mancher Mandant meint, dass Rechtsanwälte außer Dienstleistern nicht viel sind und somit die Interessen des Mandanten zu hundert Prozent - so wie der Mandant es will - vertreten muss. Jedem Juristen ist klar, dass dies so nicht immer funktioniert. Oft sind die Wünsche des Mandanten aus taktischen Gründen nicht an erste Stelle zu setzen und so manch ein anderes Mal sind die Vorstellungen der Mandanten auch eher an der Grenze zur Illegalität. Hier gilt für jeden Juristen: Selbstbewusstes Auftreten mit dem richtigen Maß an Ernsthaftigkeit um dem Mandanten in Ruhe erklären zu können, wieso ein gewisses Vorgehen nicht zur Debatte stehen kann.

Hat ein Mandant auch nach dem fünften Mal noch nicht verstanden, wie weiter agiert wird, wieso ein bestimmtes Vorgehen von Nöten ist oder was im Urteil nun konkret verkündet wird, so ist es ein absolutes Muss Ruhe zu bewahren und niemals die Fassung zu verlieren. Es mag mühsam sein, sich tausendmal zu wiederholen, aber in gewisser Hinsicht ist der Kunde ja doch manchmal noch König. Ruhe bewahren zeichnet einen guten Rechtsanwalt ebenso aus, wie sein Auftreten.

 

Vertrauensbasis

Zum richtigen Mandantenkontakt gehört auch die geschaffene Vertrauensbasis zwischen Klient und Rechtsanwalt. Dies fängt beim Augenkontakt an und hört bei den, mit Diskretion zu überbringenden, Nachrichten auf. Es gibt Mandate die möglicherweise nicht so viel Feinfühligkeit benötigen und daher die Vertrauensbasis eine schon früh geschaffene ist. Allerdings gibt es auch Mandate, die erst mit der Zeit und langwierigen Prozessen und dem richtigen Verhalten des Rechtsanwalts vertrauenstechnisch aufgebaut werden können. Oberstes Gebot jeglichen Kontakts mit Mandanten ist jedoch die Diskretion. Diskretion ist Kern jeglicher Vertrauensbasis. Einer besten Freundin vertraut man ja auch, da sie all die unschönen Geheimnisse für sich behält. Abgesehen davon sind Rechtsanwälte standesrechtlich dazu verpflichtet und eine Missachtung dieser Pflicht kann gravierende Folgen nach sich ziehen.

 

Verlässlichkeit

Versprechungen jeglicher Art wie “Wir gewinnen das ganz sicher!” oder “Ach, das wird eine kurze Angelegenheit!” zählen nicht zu Verlässlichkeit, wenn am Ende nichts als leere Versprechungen übrig bleiben. Verlässlichkeit geht Hand in Hand mit der Vertrauensbasis. Wer nicht verlässlich ist, dem wird auch kein Vertrauen mehr geschenkt. Verlässlichkeit geht aber auch weit über Versprechungen hinaus. Umfasst sind Verhaltensweisen, wie die pünktliche Einhaltung von Terminen, die rechtzeitige Stellungnahme zu Fragen des Mandanten und die umgehende in Kenntnissetzung von Entwicklungen jeglicher Art des Mandats.

 

Das Auftreten eines Rechtsanwalts, sowie das dazugehörige Verhalten sind die Essenz eines guten Mandantenkontakts. Wer sich zu präsentieren und benehmen weiß, dem sind wiederkehrende Mandanten und Weiterempfehlungen gewiss. Schon bevor der erste Kontakt mit Mandanten beginnt gilt es verlässlich zu sein, um den Klienten zu suggerieren, dass ihre Fragen und Probleme gut aufgehoben sind bei dem Rechtsanwalt ihrer Wahl. Wer sich an die oben aufgeführten Verhaltensweisen hält, dem ist guter Mandantenkontakt so gut wie sicher.

 


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Über den Autor

Carolina Kral - Autorin TalentRocket

Carolina Kral

Carolina Kral ist Studentin der Rechtswissenschaften an der Uni Wien und ist seit Beginn des österreichischen Karrieremagazins als Autorin für uns tätig.

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