Der Rechtsmarkt im Umbruch

Welche Veränderungen bringen Digitalisierung und Globalisierung des Rechts?


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 22.01.2020

 

Die Digitalisierung der Arbeitswelt schreitet voran. Vorgänge werden zunehmend automatisiert, Technologie spielt eine immer größere Rolle. Während des Jus Studiums drängt sich manchmal der Eindruck auf, dass diese Entwicklung die Rechtswissenschaft nur am Rande berührt. In der Praxis sind diese Prozesse hingegen deutlich zu spüren, denn sie beeinflussen Arbeitsabläufe und Erwartungshaltungen. Wie sehr verändert die Digitalisierung Strukturen und Karrieremöglichkeiten für Anwälte? Wie beeinflusst die Globalisierung den Rechtsmarkt? Sinkt die Zahlungsbereitschaft von Unternehmensmandanten?

 

Globalisierung des Rechts

Die Globalisierung hat spürbare Auswirkungen auf den Rechtsmarkt. Durch die zunehmende Vereinheitlichung des Rechts innerhalb der Europäischen Union, aber auch durch enge wirtschaftliche Verbindungen – etwa mit China und den USA – kommt diese Entwicklung auch im juristischen Bereich an. Insbesondere große, wirtschaftsrechtlich ausgerichtete Kanzleien haben bereits auf die Veränderungen reagiert und vermehrt Niederlassungen in anderen Staaten aufgebaut. Die Globalisierung des Rechtsmarkts betrifft jedoch nicht nur international agierende Großkanzleien. Auch kleine und mittelständische Kanzleien werden zunehmend mit Rechtsfragen konfrontiert, die einen internationalen Bezug aufweisen.
 

Angehende Juristen sollten sich frühzeitig auf die damit verbundenen Anforderungen vorbereiten.

 


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Legal Tech: Unterstützung oder Konkurrenz?

Das Thema Legal Tech spielt in den meisten Kanzleien inzwischen eine große Rolle. Unter diesen Begriff fallen Software-Programme und Online-Dienste, die zur Durchführung oder Unterstützung juristischer Arbeitsprozesse eingesetzt werden. Es gibt mittlerweile unzählige Programme zur Erleichterung der täglichen Arbeit. Anwälte profitieren zum Beispiel von Datenbanken, die ihre Recherche unterstützen und deutlich vereinfachen. Auch viele Dokumente können durch eine entsprechende Software erfasst und teilweise ausgewertet werden, um langwierige manuelle Arbeit zu sparen. Dies stellt eine große Erleichterung der anwaltlichen Tätigkeit dar. Allerdings gibt es auch Programme, die eigenständige juristische Dienstleistungen anbieten. Interessenten können auf den entsprechenden Seiten einfach ihre Daten eingeben und beispielsweise Schadensersatzansprüche wegen eines Flugausfalls berechnen lassen. Diese Programme können also eine anwaltliche Beratung ersetzen und sind dabei in der Regel günstiger. Anwaltsgebühren müssen unabhängig von Erfolg oder Misserfolg in einem Rechtsstreit bezahlt werden, was bei Legal Tech-Angeboten in der Regel anders ist. Hier müssen Anwender eine Provision nur dann zahlen, wenn ihr Anliegen erfolgreich war.
 

Digitale Programme können somit in bestimmten Rechtsbereichen eine ernsthafte Konkurrenz für Kanzleien darstellen.


Ihre Existenz trägt dazu bei, dass sich der Rechtsmarkt verändert. Anwälte erhalten immer weniger kleine und vergleichsweise unkomplizierte Aufträge, weil diese häufig kostengünstiger von einer Software erledigt werden können.
 

Diese Programme sind jedoch nicht in der Lage, Mandanten in komplexen und vielschichtigen Fällen ebenso kompetent zu beraten wie ein Anwalt.


Dieser Beruf wird in einer vollständig digitalisierten Arbeitswelt also weiterhin existieren, wenn auch mit anderen Schwerpunkten.
 


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Veränderte Erwartungshaltung der Mandanten

In den letzten Jahren hat sich auch die Erwartungshaltung vieler Mandanten gegenüber Anwälten und Kanzleien verändert. Die Kommunikation soll schnell sein, Flexibilität ist ein wichtiger Faktor. Insbesondere Unternehmen, die sich von Kanzleien beraten lassen, fordern eine permanente Erreichbarkeit ihrer Ansprechpartner sowie kurzfristige und dennoch umfassende Lösungsangebote. Kompetenz alleine reicht für eine erfolgreiche Tätigkeit als Anwalt nicht mehr aus – die Arbeit muss unkompliziert, schnell, transparent und idealerweise zu festen Gebühren erfolgen. Viele Kanzleien legen deshalb zunehmend den Fokus darauf, einen guten Service anzubieten und ständig erreichbar zu sein. Gerade im Wettbewerb zur Konkurrenz ist es wichtig, in diesem Bereich zu punkten.

 

Veränderte Erwartungen junger Juristen

Diese Erwartungshaltung passt nicht unbedingt mit den Vorstellungen und Wünschen junger Juristen zusammen. Die „Generation Y“ (Menschen, die in den 1980er und 1990er Jahren geboren wurden) ist zu einem wesentlichen Teil im Berufsleben angekommen.
 

Kennzeichnend für diese Generation ist ein verstärktes Bedürfnis nach einer sehr individuellen Lebens- und Karriereplanung.


Zahlreichen Umfragen zufolge ist dabei für einen großen Teil dieser Gruppe die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wichtiger als die Erzielung eines möglichst hohen Gehalts. Bei vielen ist die Bereitschaft, ständig für den Arbeitgeber erreichbar zu sein, dementsprechend nicht sehr groß. Es bleibt abzuwarten, zu welchen Entwicklungen das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Erwartungshaltungen noch führen wird.
 


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Transparenz bei den Kosten 

Bis vor einigen Jahren war es für die meisten Mandanten selbstverständlich, dass Anwälte und Kanzleien für ihre Arbeit im Nachhinein eine Rechnung nach der Anzahl der Arbeitsstunden gestellt haben. Inzwischen wollen viele dieses Kostenrisiko nicht mehr tragen und lieber im Vorfeld feste Preise vereinbaren oder zumindest eine verlässliche Angabe über die zu erwartenden Kosten erhalten. Die abgerechneten Honorare werden tendenziell kritischer hinterfragt und auf Notwendigkeit und Effizienz der einzelnen zugrunde liegenden Tätigkeiten untersucht.

 

„More for Less“?

Ein besonderes Phänomen ist auch die „More for Less“- Erwartung mancher Unternehmensmandanten, über die in den letzten Jahren viel diskutiert wurde. Einige Unternehmen, die sich durch Kanzleien beraten lassen, sollen zunehmend nach unentgeltlichen Zusatzleistungen fragen oder etwa die Abrechnung von Arbeitsleistungen durch Berufseinsteiger in Frage stellen. Dadurch könnten die Umsätze von Kanzleien und die Einkommen der jeweiligen Partner sinken. Doch ist das tatsächlich der Fall?

Eine Statistik des JUVE-Verlags beschäftigt sich mit dem Umsatz von Großkanzleien. Für das Geschäftsjahr 2018/2019 ist dieser bei den meisten Kanzleien in Österreich im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Von den 20 untersuchten Großkanzleien haben 18 einen größeren Umsatz erzielt als im Geschäftsjahr 2017/2018. 
 

Sinkende Zahlen sind demnach insgesamt nicht ersichtlich.


Ein etwas anderes Bild ergibt sich mit Blick auf den Umsatz pro Berufsträger. Dieser ist nach JUVE-Statistik im Geschäftsjahr 2017/2018 bei 5 der 20 untersuchten Kanzleien im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die große Mehrheit konnte auch hier einen Zuwachs verzeichnen, ein Viertel hat jedoch einen geringeren Umsatz erzielt. Es gibt Großkanzleien, die zwar insgesamt einen höheren Kanzleiumsatz hatten, pro Mitarbeiter aber weniger umsetzen konnten. Diese Kanzleien haben also mehr Personal für eine vergleichsweise geringe Umsatzsteigerung benötigt. Dies ist ein mögliches Anzeichen für das „More for Less“- Phänomen, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine sehr deutliche Mehrheit der Kanzleien auch ihren Umsatz pro Mitarbeiter steigern konnte.
 

Diese Zahlen sprechen gegen die Annahme eines Trends, bei dem Kanzleien mehr Arbeit für weniger Geld erbringen.


Da sich die Gehälter der Partner in der Regel auch am Umsatz der Kanzlei orientieren, ist ein Absinken nur zu erwarten, falls dieser tatsächlich irgendwann geringer ausfällt. Die Befürchtungen im Zusammenhang mit der „More for Less“- Diskussion haben sich bisher insgesamt nicht realisiert.


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Fellner Wratzfeld & Partner Rechtsanwälte GmbH

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Der Rechtsmarkt verändert sich auf mehreren Ebenen. Digitalisierung und Globalisierung des Rechts haben zahlreiche Entwicklungen angestoßen und sind dabei, das Berufsbild des Anwalts nachhaltig zu verändern. Daraus ergeben sich Chancen, aber auch Herausforderungen. Anwälte müssen jedoch nicht befürchten, dass ihre Arbeit in einer digitalisierten Welt nicht mehr benötigt wird. Auch die Umsätze von Großkanzleien sind bislang insgesamt nicht zurückgegangen. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Trends fortsetzen werden.

 

 

Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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