Das Unmögliche versuchen

Unkonventionelle Tipps für dein Jus-Studium


verfasst von Sonja Vass und veröffentlicht am 13.11.2019

 

Zu Beginn eines Studiums haben wir eine Menge Fragen und die große Anzahl an Ratschlägen, wie Warnungen kann einen manchmal genauso erschlagen wie die Unwissenheit zuvor. Ist Bürgerliches Recht wirklich so abartig schwierig? Muss ich mich vor der Prüfung wirklich acht Stunden täglich in der Bibliothek einigeln um ausreichend vorbereitet zu sein? Kann ich das Studium überhaupt schaffen? Wie soll sich das ausgehen, wenn ich nebenbei arbeiten muss? Wir meinen: Alles nicht so schlimm wie es aussieht! Ein paar Vorschläge, die in keinem Erstsemester-Ratgeber stehen, aber dennoch manchmal helfen können.

 

Studienpläne durcheinanderwürfeln

Es gibt sie in fast jedem Fach: Musterstudienpläne, meist von der Studierendenvertretung zusammengestellt, die als Anhaltspunkt dienen, wie das Studium organisiert werden kann. Das kann durchaus hilfreich sein, denn wenn der vermeintlich perfekte Plan mit der eigenen Lebenssituation nicht zusammenpasst, kommt rasch Ratlosigkeit auf.
 

Die Gute Nachricht: Als Jusstudent bist du in deiner Planung ziemlich frei, da es kein Modulsystem und kaum Voraussetzungsketten gibt, wie in vielen Bachelorstudiengängen.


Die wenigen Fixpunkte werden meist durch die Gliederung in Studienabschnitte vorgegeben und können den Mitteilungsblättern der Universität entnommen werden. Diese durchzulesen, kann ein wenig aufwändig sein, aber hey, du studierst ja Jus! Es sind nichts weiter als Verordnungen oder Beschlüsse der Universitätsverwaltung, also ein guter Einstieg in die Befassung mit rechtlichen Texten, die dir zusätzlich noch nützliche Information bringt.

Tatsächlich kannst du dir innerhalb eines Studienabschnittes völlig frei einteilen welches Fach du wann machst. Einfache Lehrveranstaltungsprüfungen können überhaupt immer absolviert werden, sobald du die Studieneingangsphase erfolgreich bewältigt hast. Du kannst dir also deinen Semesterplan ganz deinen persönlichen Bedürfnissen anpassen.

 


Von der Theorie in die juristische Praxis

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Grundlagen der anorganischen Chemie als Wahlfach – warum nicht?

Als „Freie Wahlfächer“ können sämtliche Lehrveranstaltungen jedes Studienganges deiner Universität gewählt werden. Das hat durchaus seinen Sinn – Studierende sollen im Sinne eines umfassenden Bildungsangebotes die Möglichkeit haben über die Grenzen des eigenen Faches hinauszublicken. In der Praxis bleiben die meisten Studierenden jedoch in den „sicheren Gewässern“ des eigenen Faches oder verwandter Fächer – in unserem Fall oft Wirtschaftsrecht oder Wirtschaftswissenschaften. Dabei kann es durchaus reizvoll sein einmal etwas komplett anderes zu versuchen. Vielleicht gibt es ein anderes Fach, außer Jus, das dich auch brennend interessiert? Dann nütze die Chance es dir anzusehen – gerade als Jurist kannst du in so vielen verschiedenen Bereichen arbeiten, dass du sicher mit jedem anderen Fach Schnittmengen finden wirst!


Im Kaffeehaus lernen

Der allmorgendliche Ansturm auf Bibliotheks-Lernplätze ist dir ein Gräuel, und überhaupt findest du die angespannt-gedrückte Stimmung vor Prüfungen in der Bib nicht so toll? Dann belebe doch die Tradition der Wiener Kaffeehausliteraten wieder! Was das sein soll? Nun, viele berühmte Dichter suchten sich im Kaffeehaus Inspiration für ihre Werke oder schrieben gleich dort. Du kannst das auch! Einfach mit deinem Laptop oder deinen Büchern in dein Lieblingscafé gehen. Die Versorgung mit aufputschenden Getränken ist gesichert und auch die Stimmung ist gleich eine andere. Du hast immer geglaubt, zum Lernen bräuchte man Ruhe? Vielleicht, aber Gehirne sind verschieden. Vielleicht ist die Kaffeehausatmosphäre genau das, was dich zu Höchstleistungen anspornt. Du kannst es erst wissen, wenn du es probierst. Oder du gehst gleich mit deiner ganzen Lerngruppe ins Café
 

– was gibt es besseres, als wissenschaftliche Befassung und gemütliches Beisammensitzen zu verbinden?!

 


Alleine lernen ist nicht das richtige und du brauchst Unterstützung?

Mehr zu Lerngruppen und wie diese dich zum Erfolg bringen, findest du hier.


 

Last-Minute Prüfungsvorbereitung: Kenne dein Gesetz!

Die Prüfung naht und du hast noch nicht alle Lehrbücher durchgeackert und bist dir nicht sicher ob sich das alles ausgeht? Gut, man kann sich auch abmelden, was das Problem aber häufig nur aufschiebt. Wenn du dich entschließt doch anzutreten: Halte dich an das Gesetz. Unkommentierte Gesetzestexte dürfen bei fast allen schriftlichen Prüfungen verwendet werden, denn das Gesetz ist das wichtigste Arbeitsmittel des Juristen. Anstatt über Bücherstapeln zu verzweifeln deren Lektüre sich ohnehin nicht mehr ausgeht, nimm dir deinen Kodex ackere ihn durch und „präpariere“ ihn mit Markierungen so, dass du bei der Prüfung die gesuchten Textstellen schnell findest. Erlaubt sind meist farbliche Markierungen, unbeschriftete Post-its, manchmal auch Pfeile und Paragraphenverweise. Wer sicher gehen will, fragt vorher den Prüfer, oder Kollegen die die Prüfung schon absolviert haben. Mit dem Kodex zu arbeiten empfiehlt sich auch dann, wenn du genug Zeit hast alle deine Unterlagen durchzugehen, denn je öfter du das machst, desto schneller wirst du im Umgang mit dünnem Papier und kleingedrucktem Text. Und manche knifflige Prüfungsaufgabe löst sich ganz schnell wenn du erst einmal die richtige Stelle im Gesetz gefunden hast.

 

Prüfungsantritt „probehalber“

Antreten oder nicht antreten, das ist hier die Frage! Insbesondere wenn du dir nicht sicher bist, ob deine Vorbereitung ausreicht. Nun, wenn dir ein guter Notendurchschnitt wichtig ist, solltest du selbstverständlich kein Risiko eingehen. Aber Noten sind eine Sache – Fachwissen eine andere. Und letzteres lässt sich auch stressfrei nach einer Prüfung erwerben.

Wenn du also nicht aus welchen Gründen auch immer einen bestimmten Notendurchschnitt halten musst, spricht nichts dagegen einfach mal antreten. Vielleicht hast du sogar Glück und du hast es danach hinter dir – wenn nicht, weißt du zumindest was dich erwartet und du kannst dich beim nächsten Versuch optimal vorbereiten. Wenn du eher ein Perfektionist bist, ist deine Vorbereitung meistens ohnehin viel besser als du selbst glaubst. Mit ein wenig Mut zum Risiko läuft die Sache problemlos!
 


Neue Kontakte führen zu neuer Motivation

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Urlaub während des Semesters

Du sitzt mit mäßiger Motivation über deinen Skripten und träumst vom weißen Sandstrand? Warum nicht in den nächsten Flieger steigen und dir eine Auszeit gönnen? Denn ganz ehrlich, effizient ist es ohnehin nicht wenn du deine Notizen nur anstarrst und in Gedanken ständig abschweifst. Schlechtes Gewissen, weil du eigentlich lernen solltest und vielleicht eine Vorlesung versäumst? Brauchst du nicht zu haben. Mit ein wenig Selbstdisziplin kannst du auch im Urlaub kurze Lernphasen einbauen, und frisch erholt lässt sich auch der versäumte Stoff einer Woche viel leichter nachholen.

Urlaub abseits der üblichen Ferienzeiten schont zudem das Budget, da Flüge und Unterkünfte in der Nebensaison günstiger sind. Und wenn wir schon von Ferien sprechen: Viele Institute bieten mittlerweile Lehrveranstaltungen und Prüfungstermine in den Ferien an.
 

Es ist durchaus sinnvoll, dieses Angebot zu nützen, denn eigentlich ist geballtes Bulimielernen innerhalb weniger Wochen genausowenig sinnvoll und gehirngerecht wie drei Monate nichtstun.


Viel besser ist, Erholungs- und Lernphasen gleichmäßig auf das ganze Jahr zu verteilen, unabhängig ob der Kalender gerade Ferien „vorschreibt“ oder nicht.

 


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Diplomarbeit früh anfangen

Zugegeben, es heißt auch „Abschlussarbeit“ und für wissenschaftliches Arbeiten braucht es gewisse Grundkenntnisse. Aber es bringt nicht viel wenn du die Angelegenheit bis zum letzten Drücker aufschiebst. Es kann nämlich ganz schön frustrierend sein, wenn du alle Prüfungen absolviert hast, und dir denkst, dass du jetzt eigentlich fertig wärst, wenn nicht diese Arbeit noch wäre. Die Voraussetzung für eine Diplomarbeit ist lediglich, dass du das Fach in dem du schreibst abgeschlossen, also die Fachprüfung bestanden hast. Niemand schreibt dir vor, dass du erst im vorletzten Semester damit anfangen darfst. Es kann von Vorteil sein, sich recht bald über das Fach und mögliche Themen Gedanken zu machen. So hast du auch länger Zeit, wenn die Recherche umständlicher ist oder du etwas öfter überarbeiten musst und es kommt nicht so schnell Frustration auf, wenn es mal partout nicht weitergeht – dann kannst du eine Pause einlegen und ein anderes Fach absolvieren.

 


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Schauergeschichten mit gesundem Zweifel begegnen

Wir wissen es: Bürgerliches Recht ist ein dreiköpfiger Bluthund, der am Eingang zur Hölle steht und jeden unvorsichtigen Studenten in selbige hinabstößt, falls er ihn nicht gleich verschlingt. Zumindest wenn man Erzählungen mancher Kommilitonen glauben schenkt. Strafrecht soll übrigens nicht viel besser sein. Selbstverständlich macht jeder seine eigenen Erfahrungen, und es gibt Fächer, die liegen einem einfach nicht. Dennoch, bevor du dich zu Tode fürchtest, solltest du dir die Sache lieber einmal selbst ansehen. Vielleicht ist genau das gefürchtete Bürgerliche dein Lieblingsfach in dem du dich zu Hause fühlst. Es wäre schade, wenn du dir durch unnötige Prüfungspanik das Leben selbst schwer machst. Genauso solltest du natürlich Geschichten über besonders leichte Fächer hinterfragen, denn auch hier hängt viel von persönlichen Interessen und Begabungen ab. Am besten unvoreingenommen an ein Fach herangehen, und seine eigenen Erfahrungen machen.

 

Geht nicht – gibt’s nicht!

Zwei große Prüfungen in einem Semester? Unmöglich! Studium und Vollzeitjob unter einen Hut bringen? Unmöglich! Abschluss in Mindeststudienzeit oder gar darunter? Unmöglich! Nun, gehen wir ungefähr zweihundert Jahre zurück: Etwas das schwerer ist als Luft soll fliegen? Unmöglich! Dumm für die Pessimisten, dass es doch einer versucht hat.
 

Wenn du etwas möchtest und eine Möglichkeit siehst, versuch es!


Natürlich solltest du nicht zu viel von dir verlangen, denn wir brauchen alle einmal Erholung von Studium, Arbeit, und was das Leben sonst noch für Probleme bereithält. Aber was für dich richtig ist, kannst du im Grunde nur selbst wissen, also lass dich nicht entmutigen. Was möglich ist, weißt du erst, wenn du das Unmögliche versucht hast.

 

Mit ein wenig positiver Grundeinstellung sieht so manches Problem nicht mehr so schlimm aus, und vielleicht helfen dir die Vorschläge etwas entspannter durchs Studium zu kommen. Immerhin: Es ist das Fach, das du dir ausgesucht hast, weil es dich interessiert – du magst das ganze ja eigentlich, auch wenn es nicht immer einfach ist. Also nimms leicht, genieß die Zeit, und freu dich darüber, was du mit deinem Wissen alles erreichen kannst!

 


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Über den Autor

Sonja Vass - Autorin bei TalentRocket

Sonja Vass

Sonja Vass studiert Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck und arbeitet hauptberuflich im Rettungsdienst, seit Februar 2019 ist sie als Autorin für TalentRocket tätig.

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