"Da steh ich nun, ich armer Tor!"

Kluge & kuriose Zitate über die Juristerei und was wir daraus lernen können


veröffentlicht am 31.07.2019

 

Rechtswissenschaft beschäftigt die Menschen, was nicht verwunderlich ist. Irgendwie sind wir ja alle davon betroffen. Und so haben auch viele kluge Köpfe ihre Meinung über die Juristerei geäußert. Viele dieser Zitate sind für uns Juristen nicht unbedingt schmeichelhaft, einige davon wirken ziemlich absurd. Wir haben uns nach den schrägsten Sprüchen umgesehen und überlegt, welche Botschaft wir daraus mitnehmen können.

 

Mit der Jurisprudenz ist es wie mit dem Bier, das erste mal schaudert man, hat man es erst getrunken, kann man nicht mehr davon lassen (Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter)

Nun, wie könnte man besser den Werdegang eines Juristen beschreiben? Recht und Gesetze sind für viele Menschen eine staubtrockene Materie, von der man sich besser fernhält, und zugegeben, der Erstkontakt mit einem halbseitigen juristischen Bandwurmsatz hat schon etwas schauderhaftes an sich.

 

Erst nach und nach erkennen wir die Faszination der Logik in den Schachtelsätzen – und das Schaudern schwindet ähnlich wie die Bitterkeit des ersten Schluckes Bier.

 

Was wir daraus lernen? Auch wenn es nur einen ersten Eindruck gibt, verdient doch alles eine zweite Chance!

 

So hab ich nun Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie studiert mit eifrigem Bemüh'n. Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. (Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter)

Da lässt sich der arme Doktor Faustus gleich über mehrere Wissenschaften aus – und nun – die Juristerei hat ihm auch nicht auf der Suche nach der wahren Erkenntnis geholfen. Da holte er sich lieber den Teufel ins Haus und ging mit ihm saufen, was sicherlich auch eine reizvolle Erfahrung ist. Wahrscheinlich kennen wir alle das Gefühl, so viel gelent zu haben und am Ende nur noch weniger zu verstehen. 

Man muss sich ja nicht unbedingt gleich mit dem Teufel treffen – aber ein gemütlicher Abend oder eine kleine Feier und etwas Abstand von den Fachbüchern tut auch dem modernen Juristen gut, wenn er sich gerade einmal von den Paragraphen erschlagen fühlt.

 



Networking ist dein zweiter Vorname?

Finde hier dein passendes Jus Event



 

Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht (zugeschrieben Berthold Brecht, deutscher Dichter; tatsächlicher Verfasser unbekannt)

Zugegebenermaßen, für den Rechtspositivisten ein ziemlich problematisches Zitat, denn aus Sicht des Rechtspositivismus kann gesatztes Recht nie Unrecht sein. Auch „schlechte“ oder „ungerechte“ Gesetze haben ihre Gültigkeit, wenn sie nach den in der jeweiligen Verfassung vorgesehenen Verfahren zustande gekommen sind. Geht man von der Naturrechtslehre aus, auf der auch Konzepte von Grund- und Menschenrechten beruhen, sieht die Sache wieder anders aus. Demnach würde ein Gesetz, das gegen Grundrechte verstößt, jedenfalls ,falsch' sein, und das ist es auch in modernen Demokratien, die die Menschenrechte in den Verfassungsrang erhoben haben.

Soll das nun heißen, es ist ohnehin alles in Ordnung? Brauchen wir heute noch Widerstand? Ab wann sollen wir denn Widerstand leisten? Und in welcher Form? Das Zitat kann uns an unser Recht erinnern, uns als Bürger aktiv an den Geschehnissen in unserem Staat zu beteiligen. Das muss keine politische Aktivität sein, nicht einmal eine Demonstration. Es kann es natürlich sein. Aber wenn wir etwas nicht richtig finden, warum auch immer, ist es unser Recht – wenn nicht gar moralische Verpflichtung – diese Meinung zu äußern.

Das Zitat kann uns auch an all die Menschen erinnern, die in Staaten leben, in denen Grundrechte derzeit nicht selbstverständlich sind und die nach wie vor unter erheblicher Lebensgefahr Widerstand leisten gegen ungerechte, menschenverachtende Zustände. Zudem sollten wir das, was Menschen vergangener Generationen für uns erreicht haben, zu schätzen wissen.

 



Du möchtest Jus in einem internationalem Umfeld studieren?

Entdecke hier die besten Law Schools weltweit



 

Wer die Gesetze nicht kennt, bringt sich um das Vergnügen, sie zu übertreten (Jean Genet, französischer Schriftsteller)

Nun, auch das für den rechtstreuen Bürger ein eher zweifelhaftes Zitat. Aber zugegeben: Das Verbotene hat immer seinen Reiz, das war schon in der Schulzeit so. Dieser Reiz verschwindet vollkommen, wenn man nicht einmal weiß, dass man gerade etwas verbotenes tut.

Für den Juristen spannend sind in dem Zusammenhang eher die Gesetzeslücken, die sich freilich auch nur bei Kenntnis der Gesetze offenbaren.

Das „Vergnügen“ einer Gesetzesübertretung kann natürlich auch dazu führen, dass gesetzes- oder verfassungswidrige Umstände überhaupt erst bemerkt und beseitigt werden. Ein bekannter Fall hierzu ist das Urteil des VfGH zu zweisprachigen Ortstafeln aus dem Jahre 2001, das seinen Ursprung in einem Strafmandat wegen Geschwindigkeitsübertretung hat: Ein Vertreter der slowenischen Volksgruppe hatte in seiner Berufung dagegen die Rechtswidrigkeit der einsprachigen Ortstafel reklamiert und in höchster Instanz Recht bekommen.

Eines steht fest: Die Gesetze zu kennen, kann nie schaden. Was man mit diesem Wissen dann anstellt, liegt in der Verantwortung jedes einzelnen.

 

Wer weiß, wie Gesetze und Würste zustandekommen kann nicht mehr ruhig schlafen (Otto von Bismarck, deutscher Kanzler)

Hoffentlich hat der geneigte Leser kein Wurstbrot vor sich liegen, oder aber hat sich mit der unappetitlichen Realität schon abgefunden: Würste bestehen aus püriertem Fleisch, zuweilen auch Produkten der Metzgerei die sich unpüriert nicht so gut verkaufen lassen, eingefüllt in die Därme jenes Tieres, das schon für die Füllung sein Leben lassen musste. Mahlzeit, da lässt sich nur hoffen dass es bei der Entstehung von Gesetzen nicht noch übler zugeht. Falls es beruhigt: Gedärm ist üblicherweise nicht daran beteiligt. Außer vielleicht in der Hülle der Wurst die während langer Verhandlungen zur Jause verzehrt wird. Und: Der Gesetzgebungsprozess hat sich seit Bismarcks Zeiten doch ziemlich weiterentwickelt, wir dürfen also wohl unseren Nachtschlaf weiterhin genießen.

 



Anwalt, Richter oder Notar? Noch nicht sicher, wie es nach dem Jus-Studium weitergehen soll?

Eine Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten



 

Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande. (Ludwig Thoma, deutscher Schriftsteller)

Wir wissen nicht ob Thoma tatsächlich so schlecht über Juristen dachte. Das Zitat stammt aus einer längeren Erzählung, die von einem königlichen Beamten handelt. Das wirklich Unterhaltsame an diesem Zitat ist, dass es tatsächlich schon zu einem Gerichtsverfahren geführt hat. Da diskutierten ein Gewerkschaftsführer und ein Anwalt, der die Arbeitgeberseite vertrat, über Tarifverträge, und irgendwann bedachte der ungehaltene Gewerkschafter den Anwalt mit dem genannten Zitat. Ergebnis: Unterlassungsklage vor einem deutschen Amtsgericht. 

Noch unterhaltsamer ist vielleicht nur, dass beide Prozessparteien von Literatur wenig Ahnung zu haben schienen, sie schrieben das Zitat nämlich Kurt Tucholsky zu, was im Rahmen des Verfahrens richtiggestellt wurde.

 

Es kann manchmal sehr unrecht sein, ein Recht auszuüben (Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin)

Äh – wie bitte? Das verstehen wir jetzt erstmal nicht. Genau dafür gibt es doch Rechte, oder?

Tatsächlich kennt die Rechtsordnung den Begriff der „schikanösen Rechtsausübung“, also wenn jemand ein Recht nur geltend macht, um anderen zu schaden. Ob eine solche vorliegt, müssen die Gerichte im Einzelfall prüfen. Wahrscheinlich kennen wir aber alle solche Menschen, die um jeden Preis Recht haben wollen, ganz egal ob es in der jeweiligen Situation sinnvoll ist oder nicht. So wollen wir wahrscheinlich alle nicht sein und bevor man Rechte einfordert und Klagen verfasst, kann ein versöhnliches Gespräch manchmal genauso gut zum Erfolg führen.

 



Du bist bereit, dich neuen Herausforderungen zu stellen?

Von Praktikant bis Volljurist: Hier findest du alle aktuellen Jus Jobs



 

Ein guter Jurist kann nur sein, wer mit schlechtem Gewissen Jurist ist (Gustav Radbruch, deutscher Jurist)

Schluck – das sind ja tolle Aussichten. Ist Qualifikation mit lebenslangem schlechtem Gewissen nicht etwas teuer erkauft? Und vor allem, warum sollte ein Jurist ein schlechtes Gewissen haben? Wir tun ja üblicherweise nichts Unrechtes. Aber etwas muss sich Radbruch dabei gedacht haben, immerhin war er selbst Rechtsgelehrter.

Nun bringt das Handeln des Juristen für andere Menschen nicht immer nur Vorteile. Ja, Gesetze können Menschen schützen. Sie können aber auch Menschen in ihrer persönlichen Freiheit einschränken. Dinge die dem Wohl der Allgemeinheit dienen, können für Einzelpersonen alles andere als vorteilhaft sein. 

Auch in einem Gerichtsverfahren gibt es immer mehrere Parteien, die sich sicher nicht ganz grundlos an dem Verfahren beteiligen. Auch wenn nach bestem Wissen und Gewissen Recht gesprochen wird, hat jeder Rechtsstreit auch eine menschliche Seite. Insbesondere für Privatpersonen kann ein verlorener Prozess zu einer finanziellen wie persönlichen Tragödie werden.

Möglicherweise hat Radbruch ähnliche Überlegungen angestellt, als er vom „schlechten Gewissen“ des guten Juristen sprach. Wir Juristen tragen Verantwortung, dieser sollten wir uns bewusst sein.

 

Es macht uns nicht nur zu besseren Juristen, sondern auch zu besseren Menschen, wenn wir die Situation der anderen Seite betrachten und verstehen.

 

Wir sehen, in ein paar Zeilen, die auf den ersten Blick nur ein wenig absurd, amüsant, oder vielleicht sogar ein wenig beleidigend klingen, kann sehr stecken. Es lohnt sich, ein zweites Mal zu lesen und sich Gedanken zu machen. Und wem gerade nichts dazu einfällt, es müssen auch nicht immer tiefsinnige Gedanken sein. Man darf auch einfach nur über den merkwürdigen Vergleich zwischen Gesetzen, Bier und Wurst lachen. Spaß muss auch sein!

Das könnte dich auch interessieren:

 

 

Juristische Arbeitgeber, Jobs oder Events. Exklusiv für Mitglieder!

Mit der 1-Klick Bewerbung kannst du dich in sekundenschnelle bei den Arbeitgebern bewerben.

Hat dir der Artikel gefallen? Feedback geben



Talente haben sich auch diese Artikel durchgelesen:

Lifestyle

...und Jurist war er auch noch!

Berühmte Persönlichkeiten, die (auch) Rechtswissenschaften studiert haben

Lifestyle

Jus und das Wesen der Wissenschaft

Gedanken über Wissen, wissenschaftliches Arbeiten und Schokokuchen

Lifestyle

Wenn der Chef eine Freundschaftsanfrage schickt

Wie man mit Anfragen auf Facebook und Co. umgehen sollte