Bücherschwund in der Jus-Bibliothek

​So hart kämpfen Jusstudenten um Fachliteratur


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 11.12.2019

 


Es gibt Zeiten im Jusstudium, in denen bildet die Bibliothek praktisch den Lebensmittelpunkt der Studenten. Schließlich gibt es hier alles, was man für eine gute Prüfungsvorbereitung braucht: Ruhe, Studienkollegen, die motivieren und natürlich all die Bücher, die man zum Lernen braucht. Aber halt – ist das wirklich so? Die Wahrheit ist leider, dass Bücher im Jusstudium ein hart umkämpftes Gut und dementsprechend oftmals nur schwer zu finden sind. Das liegt nicht etwa nur an den Bibliotheken oder den überlaufenen Universitäten, sondern auch an Studienkollegen, die sich mit fragwürdigen Mitteln einen Vorteil verschaffen wollen.
 

Die Jus-Bibliothek und die verschwundenen Bücher

Es gibt wohl keinen angehenden Juristen, der noch nie die Bibliothek verlassen hat, ohne das gesuchte Buch gefunden zu haben. Der Kampf um Fachliteratur ist aus dem Jusstudium nicht wegzudenken und spiegelt sich besonders in der Lage der Universitätsbibliotheken wider, die teilweise verheerend ist. Jusstudenten sind äußerst kreativ, wenn es darum geht, sich Informationen beschaffen – und noch kreativer, wenn es darum geht, Informationen zu zerstören. So werden immer wieder Bücher gefunden, in denen Textpassagen geschwärzt sind, in denen ganze Seiten fehlen - oder sie werden einfach gar nicht mehr gefunden, weil sie schlicht verschwinden. 

Ausgeliehene Bücher nicht rechtzeitig zurückzubringen, unerlaubt zu entwenden oder sie an anderer Stelle zu verstecken gehören zu den Tricks, die sich Jusstudenten mit fehlgeleitetem Ehrgeiz ausgedacht haben. Manche greifen dabei zu Mitteln, bei denen man sich an den Kopf fassen möchte. So hinterließ einmal ein Student Käsescheiben in seinen Büchern. Diese verrotteten darin unbemerkt und zerstörten so den Inhalt. Sehr ärgerlich für die Bibliotheken, denn bei den Büchern handelt es sich oft um seltene und teure Fachliteratur. Fast genauso ärgerlich ist es auch für den, der bei der Prüfungsvorbereitung feststellen muss, dass sein Buch zu nichts taugt und ist im Falle des schimmelnden Schmökers sogar noch einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt. 
 


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Eine beliebte Vorgehensweise ist es auch, die Bücher zwar zurückzubringen, sie aber einfach an einer falschen Stelle wieder zurückzustellen. So fachfremd wie möglich natürlich. Wer würde schon ein Buch zum Zivilrecht zwischen Literatur zur Kunstgeschichte des 17. Jahrhunderts vermuten? Bücher werden hinter Heizungen versteckt, in anderen Räumen abgestellt oder in fremde Umschläge gesteckt. Vielleicht soll das das schlechte Gewissen beruhigen. Schließlich hat man so immerhin kein Eigentum entwendet oder zerstört. Die Problematik der verschwindenden Literatur ist übrigens kein neues Phänomen. Schon im 14. Jahrhundert merkte Richard de Bury, ein englischer Priester, in einem seiner Bücher an, dass bereits zu dieser Zeit ähnliche Zustände in Bibliotheken vorherrschten. 

 

Warum machen Jusstudenten so etwas?

Natürlich sind solche Praktiken in den meisten Fällen nicht auf pure Böswilligkeit oder Missgunst zurückzuführen. Vielmehr ist der Grund im Studium zu finden – hier wird oftmals ein gewisses Konkurrenzverhalten gefördert oder zumindest indirekt vorangetrieben. Überfülle Vorlesungen sorgen dafür, dass nicht genügend Literatur für alle Studierenden vorhanden ist. Hier gilt also: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Entsprechend groß ist dann der Ansturm auf die in dem Kurs angesprochene Literatur. Besonders in der Prüfungsphase sind die Bücher hart umkämpft und für viele nur sehr schwer zu bekommen. Wer also an ein heißbegehrtes Exemplar gekommen ist, der gibt es nicht so schnell wieder her.

Dazu kommt, dass die Bibliotheken nicht auf eine so große Zahl an Studierenden vorbereitet sind. Jedes benötigte Buch in der tatsächlich benötigten Menge auf Vorrat zu haben, würde den Rahmen der Regale sprengen und vermutlich auch das Budget der Einrichtungen. Professoren wiederum bauen ihren Unterricht auf bestimmte Bücher oder andere Veröffentlichungen auf, deren Lektüre dann vorausgesetzt wird. Wie die Studierenden an diese kommen, ist nebensächlich. 
 


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Das soll jedoch auch nicht bedeuten, dass die Lehrkräfte für den Mangel an Literatur verantwortlich zu machen sind. Schließlich ist es vor allem in diesem Studiengang normal, dass der Unterricht auf Texten aufbaut, die gelesen werden müssen. Besonders, wenn es um konkrete Fälle geht, auf denen eine Hausarbeit aufbauen soll, wird es kompliziert. Viele dieser Fälle sind in der gesuchten Form nur in einer bestimmten Zeitschrift besprochen worden. Muss dann der komplette Kurs zur selben Zeit auf diese Publikation zugreifen, ist das Chaos praktisch vorprogrammiert. Ein Schuldiger für die Zustände kann sich also nicht wirklich finden lassen – und alle Beteiligten leiden unter der Situation. 

Oft reichen bei einem knappen Literaturangebot schon ein oder zwei Studienkollegen, die den anderen einen Stein in den Weg legen wollen. Der einzige zu sein, der Zugriff auf eine begehrte Quelle hat, ist schließlich unbestreitbar ein großer Vorteil. Ein paar wenige Studierende nehmen dies in Kauf – ob aus Egoismus oder aus Minderwertigkeitskomplexen bleibt dahingestellt. Ob das wirklich einen Vorteil verschafft ist fragwürdig. Wer es schafft, andere schlecht dastehen zu lassen, sieht dadurch schließlich selbst nicht unbedingt besser aus. 

 

Gibt es eine Lösung?

Um das Problem in den Griff zu bekommen, müssen die Bibliotheken sich etwas einfallen lassen. Die naheliegendste Lösung ist die Überwachung der Bibliothek, zum Beispiel durch Sicherheitskameras. Da diese aber meist zu teuer sind und außerdem mit Persönlichkeits- und Datenschutzgründen nur schwer vereinbar, ist dies oft keine Option. 

Doch auch andere Herangehensweisen sind vielversprechend und könnten das Entwenden von Büchern zumindest eindämmen. So hat sich eine Bibliothek das System einer Sicherung durch einen Metallfaden in den Büchern ausgedacht. Dieser soll beim Verlassen einen Alarm auslösen und so das unerlaubte Entwenden von Büchern verhindern. Dass auch dieser Faden recht einfach zu entfernen ist, stellt hierbei jedoch ein Problem dar. Darüber hinaus schützt dieses System zwar potenziell vor Diebstahl, kann aber nichts dagegen ausrichten, dass Bücher innerhalb der Bibliothek beschädigt oder versteckt werden. 
 

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Die wohl beste Lösung liegt wahrscheinlich in der Zukunft: Literatur soll digitalisiert und somit für alle zugänglich gemacht werden. Über einen Online-Zugang könnte die digitale Fachliteratur dann heruntergeladen werden und der ewige Kampf um das begrenzte Angebot ist endlich vorbei. Viele Bibliotheken sind in dieser Hinsicht schon fortschrittlich unterwegs und bieten ihren Studierenden entsprechende Dienste an, mit denen die die Verfügbarkeit der benötigten Bücher überprüfen und sie sich herunterladen können.

 

Das Phänomen der verschwindenden Jus-Bücher ist keineswegs ein Studentenmythos, sondern Realität. Immer wieder verschwindet wichtige Fachliteratur, wird beschädigt oder versteckt. Einzelne Studierende nutzen die Knappheit zu ihrem Vorteil und stellen ihren Studienkollegen ein Bein, um sich selbst Vorteile zu verschaffen. Eine Lösung dagegen muss erst noch gefunden werden und wird vermutlich Zeit brauchen. Bis dahin heißt es weiterhin: Der frühe Vogel fängt den Wurm! 

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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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