Ausgebrannt: Wenn Juristen nicht mehr können

Das Burnout und wie man der Krankheit vorbeugt


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 23.10.2019

 

 

Das Krankheitsbild des Burnouts kennt mittlerweile jeder, trotzdem sind seine Symptome unter Betroffenen und ihren Angehörigen oftmals noch tabu. Vor allem Juristen, die sich selbst gerne als besonders belastbar und karriereorientiert wahrnehmen, haben Probleme, sich eine scheinbare Schwäche einzugestehen. Dabei sind gerade Berufsfelder mit einer hohen Arbeitsbelastung besonders betroffen und das Burnout in der Kanzlei keine Seltenheit. In diesem Artikel soll auf das Krankheitsbild des Burnout-Syndroms genauer eingegangen werden – da psychische Erkrankungen komplex sind, können dabei viele Aspekte nur oberflächlich gestreift werden. Wer denkt, dass er von der Krankheit oder einer anderen psychischen Störung betroffen sein könnte, sollte dringend einen Arzt aufsuchen. 


 

Krankheitsbild

Von vielen zu Unrecht als „Modekrankheit“ verkannt, ist das Burnout eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, deren Ursachen und Folgen in der Medizin noch immer nicht ganz klar definiert sind. Wer unter einem Burnout leidet, der leidet unter Symptomen, die einer Depression ähneln: chronische körperliche und emotionale Erschöpfung ist eines der wichtigsten Symptome, genauso wie fehlende Motivation, Müdigkeit und einem Fehlen von Sinnhaftigkeit im Leben. Für Juristen bedeutet das nichts Gutes: unter diesen Bedingungen dem Druck der Branche standzuhalten ist eine große Herausforderung.

Anstatt über Nacht aufzutreten, schleicht sich die Krankheit wie viele psychischen Störungen langsam ein: Anzeichen sind oft früh erkennbar, noch bevor der Betroffene selbst davon weiß. Das Gefühl nicht wertgeschätzt zu werden, Zynismus bei der Arbeit und schwindender Idealismus gehören beispielsweise zu den ersten Warnzeichen und sollten bewusst beobachtet werden. Später können u.a. psychosomatische Symptome, innere Verzweiflung oder schwindende Kreativität auftreten. 
 


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Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde die Krankheit durch einige prominente Fälle bekannt. Betroffen waren beispielsweise der Fernsehkoch Tim Mälzer, Skispringer Sven Hannawald oder Fußballtrainer Ralf Rangnick. Die Fälle häuften sich und gerieten so in den Fokus der Öffentlichkeit: Das Burnout-Syndrom wurde als sogenannte „Managerkrankheit“ bekannt, die sich daraus auszeichnen sollte, dass besonders Personen mit großer beruflicher Verantwortung und dementsprechend hohem Druck davon betroffen sind. 

Das stimmt jedoch nur teilweise. Auch bei Rentnern oder Arbeitslosen wurden Burnout-Symptome festgestellt. Die Ursache muss also nicht unbedingt im beruflichen Stress liegen, sondern kann auch privater Natur sein. Auch die eigene Persönlichkeit und ungelöste innere und äußere Konflikte spielen eine große Rolle, was die Ursachen anbelangt. Besonders gefährdet sind zwei eigentlich sehr unterschiedliche Gruppen: Zum einen sensible Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl, zum anderen besonders ehrgeizige Menschen mit sehr hohen Ansprüchen an sich selbst. 
 

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Vorbeugung von innen und außen

Vorbeugung gegen Burnout muss sowohl auf der Arbeit als auch im Privatleben geschehen. Ein zentraler Punkt hierbei ist der Ausgleich von Stress. Auch wenn sich dieser im Beruf oftmals nicht vermeiden lässt, ist es wichtig, dass eingegriffen wird, wenn die Belastung überhand nimmt. Offene Gespräche mit dem Chef sind dabei genauso wichtig und die Fähigkeit, auch einmal Nein sagen zu können, unerlässlich. Egal, wie sehr man sich die Beförderung oder die Gunst des Vorgesetzten wünscht: Wenn dabei die eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird, sollte man besser zwei Mal überlegen, wozu man sich verpflichtet!

Zeitmanagement und eine gute Planung des Tages als auch der gesamten Karriere helfen dabei, den Überblick zu behalten und ein Ziel vor sich zu haben. Wer im Beruf stark eingespannt ist, sollte außerdem darauf achten, dass er privat Zeit für sich und seine Hobbys hat. Oftmals kann Sport und eine gesunde Lebensweise dem Stress entgegenwirken. Aber auch ein ruhiger Ausgleich kommt infrage, beispielsweise ein kreatives Hobby – oder einfach nur Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen:
 

 Denn ein soziales Netzwerk hat sich als besonders hilfreich bei der Prävention erwiesen: Wer jemanden hat, mit dem er abschalten oder über seine Probleme sprechen kann, der kommt in der Regel besser damit zurecht. 


Aber nicht nur das soziale Umfeld ist von Bedeutung, auch die innere Einstellung ist ein Schlüssel zur psychischen Gesundheit. Man sollte sich selbst fragen, was man sich von seinem Leben erwartet und ob man auf dem richtigen Weg dorthin ist. Die eigenen Bedürfnisse sollten immer an erster Stelle stehen und regelmäßig sollte man sich fragen, wie man sich gerade fühlt und wie zufrieden man mit seiner Situation ist. Wenn die Antwort nicht gut ausfällt, sollte man sich fragen, was man tun kann, um sich besser zu fühlen und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen. 

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Wie erkenne ich ein Burnout?

Zuerst einmal sollte man sich im Klaren sein, dass ein Burnout eine sehr belastende Krankheit ist. Dementsprechend wichtig ist es, zu differenzieren: Nicht jeder, der gerade keine Lust auf seine Arbeit hat und der sich am Montag schon den Freitag herbei wünscht, ist gleich krank und nur weil jemand sehr viel und sehr hart arbeitet, leidet er also noch lange nicht unter einem Burnout-Syndrom. Als psychische Krankheit wird ein Zustand dann eingestuft, wenn die Lebensqualität des Betroffenen über einen längeren Zeitraum stark negativ beeinflusst wird. Wird beispielsweise die Leistungsfähigkeit eingeschränkt und der Betroffene fühlt sich über längere Zeit unglücklich und zeigt Symptome wie Konzentrations- oder Schlafstörungen, Versagensängste, Mutlosigkeit oder auch physische Symptome wie Ticks, dann sollte man die Option einer Therapie in Betracht ziehen. 

 

Als Burnout-Patient ist man nie allein: Zahlreiche Experten und andere Betroffene stehen jedem zur Verfügung, der nach Hilfe sucht. Therapien werden meist individuell gestaltet und sind stationär und ambulant möglich – auch berufsbegleitende Optionen gibt es. Wer also vermutet, dass er unter der Krankheit leidet, sollte einen Experten aufsuche und sich beraten lassen. Die hohe Präsenz des Themas in den letzten Jahren hat dafür gesorgt, dass die Therapieaussichten besser denn je sind. Eines sollte jedem klar sein: Unbehandelt wird eine solche Krankheit nicht von selbst besser.

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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