6 Tipps für die Gehaltsverhandlung

So verhandeln Juristen erfolgreich ein höheres Gehalt


verfasst von Laura Hörner und veröffentlicht am 16.10.2019

 

Juristen verdienen in der Regel nicht schlecht – Für viele sind die Verdienstmöglichkeiten gar ein Grund Jus zu studieren. Dennoch schöpfen viele Juristen ihr finanzielles Potenzial nicht vollständig aus und geben sich mit niedrigen Gehältern zufrieden. Dahinter steckt oftmals die Scheu vor der Gehaltsverhandlung und die Angst zu viel zu fordern oder sich im Ton zu vergreifen und so einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Wie du in der nächsten Gehaltsverhandlung mehr rausholen kannst und warum deine Sorgen wahrscheinlich unbegründet sind, erfährst du hier!

 

Tipp Nr. 1: Keine falsche Scheu

Allein schon die Vorstellung, vor seinen Chef zu treten und mehr Gehalt zu fordern, schreckt viele ab. Das liegt daran, dass viele Juristen das Gefühl haben, sie hätten eine schlechte Verhandlungsbasis, da man schließlich vielleicht hier und da mal einen Fehler gemacht und eigentlich "froh sein sollte überhaupt einen Job zu haben". Insgesamt läuft es gerade doch ganz gut und mit dem Chef möchte man es sich auch nicht verscherzen. 

Solche Gedanken sind zwar nachvollziehbar, in einem wirtschaftlichen Kontext allerdings nicht angebracht. Ein Arbeitnehmer, der Leistungen bringt, hat auch Anspruch auf eine entsprechende Bezahlung und ein berechtigtes Interesse, diese einzufordern. Jeder Arbeitgeber weiß das und sollte auf die Forderung nach einer Gehaltserhöhung seiner Angestellten vorbereitet sein. Für Vorgesetzte wäre es vermutlich sogar ungewöhnlich, wenn ein Arbeitnehmer jahrelang für denselben Lohn arbeiten würde, ohne jemals nach einer Erhöhung zu fragen. Das zeugt nicht unbedingt von Dankbarkeit oder Genügsamkeit, sondern eher von fehlendem Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit. Also keine falsche Scheu! 

 


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Tipp Nr. 2: Konkret werden

Wenn ein Jurist in die Gehaltsverhandlung geht, wird er wahrscheinlich kein konkretes Angebot von seinem Vorgesetzten bekommen. Das muss schon von ihm selbst kommen. Wer also mehr Gehalt möchte, der sollte auch genau wissen, wie viel er gerne hätte und wie weit sich – falls nicht alles nach Plan läuft – die tatsächliche Erhöhung vom Wunschgehalt entfernen darf. Schon bei einer Neueinstellung sollte das Wunschgehalt auf jeden Fall bekannt sein, denn hier wird oft konkret danach gefragt und wer dann keine klare Antwort parat hat, wirkt nicht besonders entschlossen und selbstbewusst. 

Am besten orientiert man sich vor allem als Berufseinsteiger an Durchschnittsgehältern, die in der Jus-Branche meist recht transparent sind.
 

Außerdem sollte man seine eigene Qualifikation und Eignung einberechnen und auch den Erfolg der Kanzlei nicht vernachlässigen.


Oftmals ist es auch hier hilfreich keine konkrete Zahl zu nennen, sondern eine Gehaltsspanne. So kann man sich auf eine Summe einigen, die für beide Parteien zufriedenstellend ist. 

 


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Tipp Nr. 3: Richtig vorbereitet sein 

Nicht nur über die Höhe deiner Forderung, sondern vor allem über deine Begründung dafür, warum du mehr Gehalt verdienst, solltest du dir Gedanken machen. Überlege dir genau, was du in den letzten Monaten oder Jahren alles geleistet hast bzw. welche Bedeutung deine Ausbildung und deine Noten für die Stelle haben. Natürlich möchte dein Chef wissen, warum du dir überhaupt mehr Geld wünschst. Fühlst du dich, als würden deine Leistungen nicht genug gewürdigt? Weißt du von anderen Kollegen, dass sie bei ähnlicher Qualifikation und Erfahrung deutlich mehr verdienen als du? Hier solltest du etwas vorsichtig sein: Konzentriere dich mehr auf dich als auf andere. Wenn du denkst, du und/oder deine Leistungen werden nicht richtig gewürdigt, solltest du das zunächst nicht mit deinem Gehalt in Verbindung bringen, sondern bei einer anderen Gelegenheit mit dem Chef darüber sprechen. Auch der Vergleich mit anderen ist mit Vorsicht zu genießen: „Aber alle anderen ...“ ist keine gute Argumentationsgrundlage, zumindest sollte das nicht im Fokus deiner Begründung stehen. Konzentriere dich auf deine Vorzüge und darauf, was du bisher geleistet hast. Ich-Botschaften wie "Ich habe das Gefühl, dass" oder "Ich fühle mich" sind in solchen Gesprächen immer von Vorteil und bringen deinem Chef näher woher dein Wunsch nach einer Gehaltserhöhung kommt.
 

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Tipp Nr. 4: Nichts überstürzen

Nicht jeder Zeitpunkt ist der richtige Zeitpunkt – das gilt vor allem für das Thema Gehalt. Dass auf der Firmenfeier die Frage nach der Gehaltserhöhung nichts zu suchen hat, sollte selbsterklärend sein. Aber auch sonst sollte man aufpassen, wann man das Thema am besten in den Raum wirft. 

Generell gilt, dass bei Ansprache des Themas alles passen sollte. Dazu gehört nicht nur die Leistung des Arbeitnehmers, sondern beispielsweise auch die finanzielle Lage des Unternehmens. Natürlich haben die Mitarbeiter keinen Einfluss, was die Sache etwas schwierig gestaltet. Trotzdem sollte man im Hinterkopf behalten, dass man nicht unbedingt seinen Wunsch nach einer Gehaltserhöhung ansprechen sollte, wenn der Arbeitgeber gerade einen hohen Verlust oder sonstige finanzielle Einbußen verkraften muss.

Wichtiger ist jedoch die aktuelle Situation des Verhandelnden: Hier sollte man einen Zeitpunkt abwarten, in dem man in einem besonders guten Licht dasteht. Hat man gerade einen wichtigen Fall gewonnen, stehen die Chancen deutlich höher, als wenn man zwar jahrelang gute Arbeit geleistet hat, aber in den letzten Wochen eher negativ aufgefallen ist. Der momentane Eindruck darf hier auf keinen Fall unterschätzt werden, denn auch der Chef ist nur ein Mensch und wird sich von emotionalen Motiven leiten lassen. Auch die Situation des Vorgesetzten sollte miteinbezogen werden. Wenn man beispielsweise weiß, dass dieser im Moment (beruflich) unter Stress steht oder vielleicht ernste familiäre Probleme hat, sollte man auch erst einmal von solchen Forderungen absehen und eine andere Gelegenheit abwarten. 

Es heißt also geduldig sein. Doch in den meisten Fällen lohnt sich das: Wartet man den richtigen Zeitpunkt ab, hat man bei Verhandlungen einen unbestreitbaren Vorteil und deutlich höhere Chancen auf die gewünschte Gehaltserhöhung. 

 


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Tipp Nr. 5: Die richtigen Argumente parat haben

Wir haben es oben schon einmal erwähnt: es gibt gute und schlechte Argumente bei einer Gehaltsverhandlung für Juristen. Grob gesagt sind gute Argumente hierbei all jene, die einen selbst in einem guten Licht dastehen lassen. Zeige an konkreten Beispielen auf, was du geleistet hast und wie du so die Kanzlei oder das Unternehmen weitergebracht hast. Hebe deine Stärken hervor und mache auch auf deine persönliche Entwicklung aufmerksam. 

Wovon du auf jeden Fall absehen solltest sind Formulierungen, die erahnen lassen, dass du dir deiner Sache nicht sicher bist.

„Ich mache zwar noch viele Fehler, aber ...“ gehört nicht in ein solches Gespräch. Viele Arbeitnehmer haben in der Konfrontation mit dem Chef den Instinkt sich klein zu machen. Dabei ist ein gesundes Selbstbewusstsein ein wichtiger Faktor.

Was auf gar keinen Fall passieren sollte sind Drohungen: Eine mögliche Kündigung in den Raum zu werfen, wenn das Gehalt sich nicht erhöht, ist nicht nur unprofessionell, sondern kann auch nach hinten losgehen und tatsächlich die Kündigung nach sich ziehen. Selbst wenn so etwas zieht, sollte man sich bewusst sein, dass damit das Verhältnis zum Vorgesetzten auf Dauer geschädigt ist und sich die Zusammenarbeit in Zukunft unangenehm gestalten wird. 

 


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Tipp 6: Alternativen anbieten

Nicht immer braucht es eine Gehaltserhöhung – auch andere Benefits sorgen dafür, dass du dir Geld sparst. Der Klassiker ist hierbei der Dienstwagen: hier übernimmt der Arbeitnehmer auch die Reparatur- und Finanzierungskosten und man fährt in der Regel günstiger als mit dem Privatwagen. Auch Fahrräder werden immer öfter als (umweltfreundliche) Alternative angeboten und sind auch privat nutzbar. 

Elektronik ist ebenfalls eine beliebte Alternative zum höheren Gehalt. Firmenhandy oder -laptop sparen Geld, da sie in der Regel auch privat nutzbar sind. Auch denkbar sind Gutscheine für die Angestellten oder Vergünstigungen bzw. Erstattung der Kosten für den öffentlichen Nahverkehr. All diese Möglichkeiten sorgen dafür, dass dem Arbeitnehmer beim gleichen Brutto mehr Netto bleibt – allerdings muss beachtet werden, dass in der Regel auch auf die genannten Leistungen Steuern zu zahlen sind.


Bei einer Gehaltsverhandlung ist auf vieles zu achten – trotzdem sollte man nicht vergessen, dass diese ein normaler Teil der Arbeitslebens ist und nichts, das man vor sich herschieben sollte. Allein aufgrund der Inflation ist eine Anpassung des Gehalts notwendig, wenn man nicht jedes Jahr weniger verdienen möchte. Hier gilt es also dem Chef mit dem nötigen Selbstbewusstsein gegenüberzutreten und sein Wunschgehalt einzufordern. Aber bitte realistisch bleiben: Überzogene Forderungen sind fehl am Platz und werden ohnehin nicht genehmigt werden. Wir wünschen dir viel Glück bei deiner Verhandlung!

 


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Über den Autor

Laura Hörner - Autorin TalentRocket

Laura Hörner

Laura Hörner hat 2018 ihren Bachelor in Kulturwirtschaft an der Universität Passau abgeschlossen und ist seit 2019 für TalentRocket als Autorin tätig.

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